Was Paderborns Trainer Steffen Baumgart von den Kritikern fordert
Mehr Demut und Bescheidenheit

Paderborn -

Rückschritt, Dämpfer oder bloß Saisonniederlage Nummer drei: Bei der Einordnung des 0:1 in Karlsruhe blieb Steffen Baumgart gewohnt sachlich: „Wir müssen mit diesem verlorenen Spiel leben. Das können wir auch.“

Dienstag, 01.12.2020, 02:56 Uhr aktualisiert: 01.12.2020, 03:00 Uhr
Keine Punkte für Paderborn: Ein bisschen mehr als es SCP-Trainer Steffen Baumgart in Karlsruhe anzeigt, fehlte doch.

Der Paderborner Fußball-Zweitligist hätte am Samstag zumindest für einen Tag die Tabellenführung in der 2. Liga übernehmen können. Doch das interessierte Baumgart schon vor dem Spiel nicht. Auf entsprechende Fragen im Interview mit dem Bezahlsender „Sky“ reagierte der 48-Jährige ungewohnt reserviert, gegenüber dem WESTFALEN-BLATT begründete er sein Verhalten später so: „Wir lassen dieses Thema ganz bewusst nicht an uns heran. Als SC Paderborn wollen wir uns in dieser Saison auf sicheren Tabellenplätzen aufhalten und nicht in Schieflage kommen. Das ist unser großes Ziel. Am Ende der Saison können wir dann gerne darüber reden, wo die Reise noch hingehen kann.“

Als Baumgart im April 2017 den SC Paderborn 07 übernahm, konnte er eigentlich nur noch die Scherben zusammenfegen, die seine Vorgänger hinterlassen hatten. Der Rostocker sammelte in den verbliebenden fünf Spielen beachtliche elf Punkte ein und rückte mit dem SCP vom vorletzten noch auf den drittletzten Platz vor. Der reichte aber erst nach dem Lizenzentzug der Münchner Löwen zum überlebenswichtigen Ligaerhalt. Diese Geschichte ist hinlänglich bekannt, für Baumgart aber noch immer Warnung genug. Die Ostwestfalen stürzten damals sportlich innerhalb von 24 Monaten von Liga eins bis Liga vier ab – ein bis dato beispielloser freier Fall, den niemand mehr miterleben möchte.

Deshalb versucht Baumgart auch die Erwartungshalt etwas zu kanalisieren. Vor einer Woche sei seiner Mannschaft noch die schlechte Chancenverwertung vorgeworfen worden, jetzt habe die Durchschlagskraft gefehlt. Baumgart: „Mir geht das alles zu schnell in alle Richtungen. Die Kritiker und auch Teile im Umfeld sollten eine gewisse Demut und Bescheidenheit an den Tag legen.“ In die gleiche Kerbe schlug auch KSC-Coach Christian Eichner. Als er in der Medienrunde nach der schwachen zweiten Hälfte seiner Mannschaft („Die zwei Gesichter des KSC“) gefragt wurde, lederte der zurück: „Wir sollten demütig bleiben. Damit meine ich auch alle da draußen, die immer wieder überrascht sind, dass da auch noch ein Gegenüber auf der anderen Seite steht.“

Festzuhalten bleibt, dass dem SCP 07 im Wildparkstadion lange Zeit Durchsetzungsvermögen und Offensivdrang fehlten. Beides wurde zwar in Halbzeit zwei besser, aber ohne dass die Mannschaft zu einer Bedrohung des gegnerischen Tores wurde. „Es war schon auffällig, das es uns im gesamten ersten Abschnitt nicht gelungen ist, in Abschlusssituationen zu kommen, geschweige denn Torgefahr zu entwickeln“, bemängelte Manager Fabian Wohlgemuth, der aber noch hinzufügte: „Rückschläge sind völlig normal. Unser erfahrenes Trainerteam weiß, wie man damit umgeht.“

Für Baumgart heißt das zunächst „entspannt bleiben“. Er könne seiner jungen Mannschaft ohnehin nicht viel vorwerfen. Sie habe schon in der ersten Hälfte viel gearbeitet, auch wenn es da der KSC insgesamt besser gemacht habe. Baumgart zog schließlich dieses Fazit: „In Halbzeit eins waren wir nicht gut genug, im zweiten Durchgang haben wir keine Lösungen gefunden. Da müssen wir uns weiterentwickeln. Das werden wir auch tun.“

Die nächste Gelegenheit gibt es am Sonntag gegen den 1. FC Nürnberg. Der verlor ebenfalls, bei der Einordnung gab es aber keine zwei Meinungen: Das 2:3 im Frankenderby gegen Fürth wiegt schwer. Dieser Auftritt hat dem Traditionsverein mehr weh getan als dem SCP das 0:1 beim KSC.

 

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