Der SC Paderborn hat die gesamte Saison ohne Zuschauer kalkuliert
Gefahr gebannt

Paderborn (WB). Am Samstag endet die zwischen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und der Politik vereinbarte sechswöchige Erprobungsphase zur Wiederzulassung von Fans in den Stadien. Angesichts rasant steigender Infektionszahlen gilt eine Fortsetzung als unwahrscheinlich.

Dienstag, 27.10.2020, 03:34 Uhr aktualisiert: 27.10.2020, 13:26 Uhr
Eine leere Benteler-Arena: Der SC Paderborn wird am Samstag gegen Regensburg ohne Zuschauer spielen müssen. Foto: Jörn Hannemann

Die finanzielle Lage wird damit für viele Profiklubs noch bedrohlicher, Geschäftsführer Martin Hornberger kann aber für den SC Paderborn 07 etwas Entwarnung geben: „Die Herausforderung ist riesig, aber wenn wir weiterhin nicht über unsere Verhältnisse leben, werden wir diese Saison auch ohne Fans überstehen.“

Die Chefs der Staatskanzleien der Bundesländer hatten sich im September darauf verständigt, 20 Prozent der jeweiligen Stadionkapazität für Zuschauer unter Corona-Bedingungen zuzulassen. Für den SCP bedeutete das maximal 3000 Fans pro Partie in der 15.000 Zuschauer fassenden Benteler-Arena. Die Resonanz war aber zurückhaltend. Für das Heimspiel gegen Hannover (1:0) wurden nur 2258 Tickets abgesetzt.

Der Erstliga-Absteiger hatte aber bereits im Vorfeld die gesamte Spielzeit 2020/2021 ohne Zuschauereinnahmen kalkuliert. Das bestätigte Hornberger gegenüber dem WESTFALEN-BLATT. Pro Heimspiel könnte der SCP etwa 250.000 Euro einnehmen. Auf die gesamte Serie hochgerechnet, würde der Verein damit gut vier Millionen Euro verlieren. Zahlen wollte der Hornberger am Montag zwar nicht nennen, sagte aber: „Wir müssen die Saison zu Ende spielen. Das muss bei allen Überlegungen oberste Priorität haben.“

Der Hintergrund dieser Aussage ist schnell erklärt: Wie bei allen Vereinen der 1. und 2. Liga sind auch beim SCP die Einnahmen aus dem TV-Topf entscheidend. Dem Klub stehen etwa 14 Millionen Euro zu, dazu kommen noch einmal etwa drei Millionen Euro für TV-relevante Werbung. Das dürften etwa 75 Prozent der Gesamteinnahmen sein. „Das sind zumindest mit Abstand unsere größten Erlöse“, meinte Hornberger. Allerdings ist auch der Pay-TV-Sender Sky vorsichtig geworden. Wurden in der Vergangenheit die Gelder in nur vier Raten an die DFL gezahlt, gibt es nun nur monatliche Zahlungen. Das wird auch eine Reaktion auf das Frühjahr 2020 sein, als der Bundesliga-Ball im März und April fast gar nicht rollte und damit dem Bezahlkanal die Einnahmen wegbrachen.

SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger.

SCP-Geschäftsführer Martin Hornberger.

Kreis an Gönnern und Werbepartnern nahezu unverändert

Der SC Paderborn, der mit einem Gesamtetat von etwa 21 Millionen Euro wirtschaftet, lässt sich den von Manager Fabian Wohlgemuth verantworteten Profibereich etwa elf Millionen Euro kosten. Damit liegen die Ostwestfalen in der 2. Liga im unteren Drittel, dennoch ist beim SCP auch das Thema Gehaltsverzicht noch nicht vom Tisch. In der vergangenen Serie stimmten die SCP-Profis, Trainerstab und Geschäftsführung einer Reduzierung der Bezüge von April bis Juni zu. Die Ersparnis soll damals bei etwa 1,5 Millionen Euro gelegen haben. Ähnliche Gespräche führt der Verein mit dem Spielerrat rund um den neuen Kapitän Sebastian Schonlau aktuell aber nicht. „Das ist im Moment auch gar kein Thema“, sagt Präsident Elmar Volkmann.

Das könnte auch daran liegen, dass beim SCP der etwa 250 Sponsoren umfassende Kreis an Gönnern und Werbepartnern trotz der Corona-Pandemie und des Erstliga-Abstiegs bislang nahezu unverändert blieb. „Da leistet unser Vermarkter Infront tolle Arbeit. Auf das Vertrauen und den Rückhalt unserer Sponsoren in diesen schwierigen Zeiten sind wir aber auch sehr stolz“, sagte Hornberger. Ein Beleg für seine Aussage sind die fünf neuen Logen. Die 56 Sitze für exklusive Gäste (4000 Euro pro Platz) wurden bereits komplett vermarktet und für drei bis fünf Jahre vermietet. Wobei es eine Einschränkung gibt: Der Kunde zahlt nur, wenn er auch ins Stadion darf. Das funktionierte gegen den Hamburger SV (3:4) und Hannover 96 (1:0), am Samstag gegen den SSV Jahn Regensburg sieht es nicht gut aus. Die Partie wird nach Lage der Dinge ein Geisterspiel.

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