Paderborns Stürmer Marco Terrazzino will noch mal angreifen
Aufstieg und Fall

Paderborn (WB). Sein Aufstieg war steil, sein Absturz auch: Marco Terrazzino dribbelte mit 17 für die TSG Hoffenheim in der Bundesliga und war 18, als ihm die Fritz-Walter-Medaille überreicht wurde. Deutschlands bestem Nachwuchsspieler standen alle Türen offen. Zwölf Jahre später ist er glücklich, das Trikot des Zweitligisten SC Paderborn zu tragen. „Für den Verein bin ich sogar ins Risiko gegangen“, sagt er vor dem Gastspiel des SCP am Sonntag (13.30 Uhr) beim SV Sandhausen.

Samstag, 24.10.2020, 05:29 Uhr
Voll auf Angriff: Marco Terrazzino feierte beim Paderborner Heimsieg gegen Hannover sein Debüt. Foto: Wilfried Hiegemann

Aus dem schnellen Techniker Marco Terrazzino ist ein rustikaler Kämpfer geworden – zumindest wenn es um die eigene Karriere geht. Der 29-Jährige hätte noch ein Jahr beim SC Freiburg bleiben können, solange lief dort sein Vertrag. Aber der gebürtige Mannheimer löste am 5. Oktober das Arbeitspapier auf: „Ich wollte frei sein und wieder den Fußball spielen, mit dem ich mich zu 100 Prozent identifizieren kann.“ Eine Woche lang war er arbeitslos, dann kam die erste lose Anfrage aus Paderborn. Training, Testspiel, Vertrag – in Zeiten von Corona lief der Wechsel sogar noch relativ glatt. Auch wenn die Vereinbarung nur für neun Monate gilt: „Mich hat das Angriffspressing schon lange begeistert. Ich habe richtig Bock auf Paderborn.“

„Fallen gelassen“

Den Spaß am Sport ließ sich Terrazzino sowieso nie nehmen. Auch nicht, als der gefeierte Jungprofi zwölf Monate nach der höchsten Auszeichnung wieder in die Regionalliga zurückgestuft wurde. Das war fast genau vor zehn Jahren. „Über diese Zeit will ich gar nicht mehr reden“, geht der Stürmer hier verbal nicht mehr so gerne in die Offensive. Sagt dann aber doch Bemerkenswertes: „Ich war damals weder vom Kopf noch vom Körper reif für die 1. Liga. Ich wurde da reingeschmissen und als ich nicht liefern konnte fallen gelassen. Das war krass.“

In den kommenden Jahren pendelte Terrazzino zwischen 1. Liga und 2. Liga. Auf Hoffenheim folgten der Karlsruher SC, SC Freiburg, VfL Bochum, wieder Hoffenheim, noch einmal Freiburg und am Schluss kam die Ausleihe nach Dresden. Zweimal stieg er aus der 2. Liga ab (KSC, Dynamo), aber noch nie auf. „Das muss auch noch kommen. Vielleicht mit Paderborn“, sagt der Mann mit der Rückennummer 20, um sich dann aber gleich zu korrigieren: „Kampfansagen sollten von uns nicht kommen. Wir haben gerade ein Spiel gewonnen und sollten erst einmal in Sandhausen nachlegen. Das wird schwer genug.“

„Bock auf Tore haben“

Terrazzino kennt die Liga. Mit Dresden verfehlte er im Juni das Klassenziel, auch wenn dieser Abstieg mit corona-bedingt acht Punktspielen in 21 Tagen bei ihm noch immer sauer aufstößt. Der Fall des Traditionsklubs bleibt dennoch Warnung genug: Die 2. Liga sei unfassbar eng, körperlich hart und ausschließlich als Einheit könne man sich dort behaupten. Und auch nur, wenn man eine Strategie verfolge. Terrazzino wörtlich: „Wir müssen in jedem Spiel eklig sein, in jedem Spiel Bock auf Tore haben und in jedem Spiel zu 100 Prozent die Philosophie unseren Trainers Steffen Baumgart umsetzen. Dann können wir vielleicht für eine Überraschung gut sein.“ Die SCP-Verantwortlichen wären fürs erste zufrieden, wenn die Nachverpflichtung auf dem Rasen zünden würde. Wobei Manager Fabian Wohlgemuth bereits überzeugt klingt: „Mit Marco haben wir eine wertvolle Alternative in unserem Angriff gewonnen.“

Terrazzinos Trainer als Jungprofi war übrigens der hochgelobte Ralf Rangnick. Doch wie erwähnt, reden möchte er darüber nicht mehr. Vergessen hat der frühere Junioren-Nationalspieler die Zeit aber auch nicht. Die Urkunde zur „Fritz-Walter-Medaille“ hängt übrigens in Mannheim, im Restaurant seiner Eltern. „Ich bin sehr stolz darauf“, sagt Terrazzino. Kann er auch. Der Preisträger befindet sich immerhin in weltmeisterlicher Gesellschaft: Sein Vorgänger 2009 war Toni Kroos, sein Nachfolger 2011 Mario Götze.

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