Paderborns Kapitän Sebastian Schonlau bleibt positiv
„Es liegt an uns“

Paderborn (WB). In Warburg ist er fußballerisch groß geworden. Und doch gilt Sebastian Schonlau als Eigengewächs des SC Paderborn. Seit der Jugend kickt er für den SCP, seit Beginn dieser Saison führt er seine Mannschaft als Kapitän aufs Feld und steht als Nachfolger von Christian Strohdiek nach dem Fehlstart gleich vor einer großen Herausforderung. Vor der Partie beim 1. FC Heidenheim (Samstag, 13 Uhr, Sky) sprach Peter Klute mit dem 26-jährigen Innenverteidiger.

Samstag, 03.10.2020, 12:36 Uhr aktualisiert: 03.10.2020, 12:44 Uhr
SCP-Kapitän Sebastian Schonlau glaubt an sein Team und seinen Trainer.

Herr Schonlau, zwei Spiele, zwei Niederlagen. Wie ernüchternd ist der Saisonstart und wo sehen Sie die Gründe?

Sebastian Schonlau: Wir wussten, dass wir ein schwieriges Auftaktprogramm haben. Aber natürlich haben wir uns das ganz anders vorstellt, als nach zwei Spielen null Punkte zu haben. Den Ansatz müssen wir bei uns suchen. Es ist nicht so, dass Kiel oder der HSV uns an die Wand gespielt hätten, sondern es lag und liegt an uns. Wir haben einfach zu viele individuelle Fehler gemacht, das ist bei vier Gegentoren nicht wegzudiskutieren. Dass wir nach einem 0:2-Rückstand 3:2 geführt und das Spiel am Ende wieder aus der Hand gegeben haben, tut doppelt weh. Trotzdem habe ich vom ersten zum zweiten Spiel eine Steigerung gesehen. Wir haben gegen eine Topmannschaft drei Tore erzielt, das nehmen wir mit.

„Ich erinnere mich an ein Kopfballtor von Vasi“

Wie groß ist der Druck vor dem Spiel in Heidenheim und ist der 5:1-Sieg dort vor zwei Jahren ein Thema in der Mannschaft?

Schonlau: Bislang nicht, aber mir ist das Ergebnis auf jeden Fall noch präsent. Ich erinnere mich an ein Kopfballtor von Vasi (Sebastian Vasiliadis, Anm. d. Red.), das soll schon was heißen (lacht). Natürlich haben wir es im Kopf, dass wir jetzt langsam punkten sollten, aber wir lassen uns nicht unnötig unter Druck setzen. Wir stehen am Saisonbeginn, haben gegen Heidenheim in der Vergangenheit meistens sehr gut ausgesehen und daher bin ich zuversichtlich, dass wir etwas Zählbares mitnehmen.

Als Abwehrchef stehen Ihnen mit Frederic Ananou und Chima Okoroji zwei neue Außenverteidiger und mit Marcel Correia haben Sie auch einen neuen Partner in der Zentrale. Da gab es vor allem beim 3:4 gegen den Hamburger SV noch reichlich Abstimmungsprobleme.

Schonlau: Ich mache die Gegentore aber nicht allein an der neu formierten Abwehr fest. In Kiel hieß es noch: Die Abwehr steht recht stabil und das sieht gut aus. Dass noch nicht sofort alle Automatismen greifen, gehört dazu und ist völlig normal, zumal wir einen besonderen Spielstil pflegen. Dafür finde ich, läuft es schon ganz ordentlich.

„Ich weiß, wo ich hinmöchte“

Noch kein Punkt, dazu mit Maxi Thalhammer und Sven Michel zwei Ausfälle bis Ende des Jahres. Es läuft derzeit viel schief beim SCP. Sehen Sie sich in dieser schwierigen Phase als Kapitän besonders in der Verantwortung und was können Sie speziell tun?

Schonlau: Als Kapitän stehst du immer in der Verantwortung, Herausforderungen anzunehmen und Aufgaben zu lösen. Das gilt auch im Erfolgsfall, wenn du dafür sorgen musst, dass keiner abhebt. Die Ausfälle sind extrem ärgerlich für die beiden und uns als Team. Zusammen mit dem Mannschaftsrat versuche ich, dass wir das Selbstvertrauen und den Glauben an unsere Spielidee nicht verlieren. Wir müssen Spaß haben und die Überzeugung, Spiele gewinnen zu können.

Trainer Steffen Baumgart hat Sie zum Kapitän bestimmt, auch von der Mannschaft bekamen Sie die Mehrheit. Was bedeutet Ihnen das? Außerdem sprachen Sie von riesigen Fußstapfen.

Schonlau: Das Votum war ein sehr schönes Gefühl für mich. Wenn der Trainer dich einfach benennt, aber die Akzeptanz in der Mannschaft fehlt, ist es für einen Kapitän schwierig. Unter Tucker und Kröschi (Christian Strohdiek, Markus Krösche) waren wir sehr erfolgreich und sie haben das sehr gut gemacht. Ich weiß, wo ich hinmöchte und werde meinen eigenen Weg finden.

„Der Trainer ist auf seine Art weiter ruhig“

Trainer Steffen Baumgart ist nah an der Mannschaft und ihm wird eine besondere Beziehung zu den Spielern nachgesagt. Wie erleben Sie Ihn momentan?

Schonlau: Wie immer. Es wäre auch nicht gut, wenn der Trainer sich jetzt zurückziehen würde, denn wir brauchen ihn. Natürlich weiß ich aus Gesprächen mit ihm, dass auch er sich ständig hinterfragt, aber ich habe nicht das Gefühl, dass er in Panik verfällt oder von seiner Linie abweicht. Er ist auf seine Art weiter ruhig, arbeitet genauso konzentriert und akribisch wie in den zwei Jahren zuvor, als wir zweimal mit ihm aufgestiegen sind. Er tut alles, damit wir gemeinsam wieder Erfolg haben.

Können Sie sich vorstellen, dass der Trainer nach nunmehr 17 Spielen ohne Sieg bei weiteren negativen Ergebnissen in Frage gestellt wird?

Schonlau: In den ersten drei Ligen sind nach zwei Spieltagen schon vier Trainer entlassen worden, das ist ein absolutes Novum. In Paderborn habe ich diese Befürchtung allerdings nicht, das wäre aus meiner Sicht auch viel zu früh und das falsche Signal. Steffen Baumgart ist in unserem Verein hoch angesehen. Die Mannschaft steht voll und ganz hinter ihm. Wir Spieler sind in der Pflicht. Natürlich kenne auch ich die Mechanismen des Geschäfts, aber der SC Paderborn hat eine solide Führung. Es ist Ruhe eingekehrt in den vergangenen Jahren und ich habe nicht das Gefühl, dass von oben Druck auf den Trainer ausgeübt wird.

„Wir sollten alle auf dem Boden bleiben“

Am Montag endet die Transferfrist, auch Ihr Name wurde im Zusammenhang mit einem Wechsel häufig genannt. Bleiben Sie und sind Sie enttäuscht, dass es nicht mit einem Wechsel in die 1. Liga geklappt hat?

Schonlau: Wer in der 1. Liga war, möchte dort bleiben oder wieder hin. Die Klubs, die Stadien, das ist einfach noch einmal etwas ganz anderes. Da kann ich jeden verstehen, der so denkt. Im Fußball geht es manchmal ganz schnell, aber ich kann versichern, dass ich mich aktuell nicht mit einem Wechsel beschäftige. Mein Fokus liegt auf dem Spiel in Heidenheim. Wir sollten alle auf dem Boden bleiben und demütig sein. Es können bei mir gerne noch einige Spiele in der 2. Liga dazukommen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7614799?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F
1000 neue Stellen für Corona-Nachverfolgung in NRW
Armin Laschet (CDU, links) nordrhein-westfälischer Ministerpräsident, und Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, beantworten die Fragen von Journalisten. Foto: Federico Gambarini/dpa
Nachrichten-Ticker