SCP-Sportchef Wohlgemuth will beim Absteiger neue Wege gehen
Sparen mit Augenmaß

Paderborn (WB). Kosten reduzieren ja, aber nicht um jeden Preis: Paderborns Sportchef Fabian Wohlgemuth sieht den kommenden Wochen mit Respekt entgegen, warnt aber davor, bei der Saisonplanung nur über Einschränkungen zu sprechen: „Es wird eine Zeit nach der Krise geben. Wenn wir dann noch dabei sein wollen, müssen wir auch beim Einsparen mit Vorsicht und Maß agieren.“

Samstag, 11.07.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 11.07.2020, 09:16 Uhr
Paderborns Sportchef Fabian Wohlgemuth, hier bei seiner Vorstellung im Mai, will nicht um jeden Preis sparen. Foto: dpa

Der 41-Jährige wollte auch nicht ausschließen, dass der Bundesliga-Absteiger in der Vorbereitung auf die kommende Saison nicht doch noch ein Trainingslager bezieht. Die Entscheidung sei noch nicht gefallen und auch nicht zuerst von finanziellen Überlegungen getrieben, sondern hänge mit den aktuellen organisatorischen Hürden zusammen: „Ganz grundsätzlich geht es nicht um Verzicht. Das allein ist mir zu negativ.“

Insgesamt zählt Paderborns Geschäftsführer Sport aber natürlich auch den SCP zu den Profiklubs, die unter dem Eindruck der Corona-Krise ihre Zahlen neu sortieren müssen. Eine Kürzung des Profietats von zwölf auf sechs Millionen Euro (WESTFALEN-BLATT vom 9. Juli) wollte er zwar nicht bestätigen, nannte aber diese Zahl: „Aktuell geht die DFL im Bereich der nationalen Vermarktung der Medienrechte von einem Erlösminus von 150 Millionen Euro aus. Diese allgemeine Unsicherheit verbessert weder das Geschäftsklima, noch verstärkt es die Aktivitäten auf dem Transfermarkt.“

Ein Minus von 18 Millionen Euro

Dazu kommt der Bundesliga-Abstieg , der allein bei der TV-Vermarktung beim SCP ein Minus von 18 Millionen Euro (zwölf statt 30 Millionen Euro) ausmacht. Wohlgemuth: „Durch den Spielklassenwechsel haben wir eine erheblich andere Einnahme-Situation. Aber es ist in unserer jetzigen Lage eher kontraproduktiv, sich allein daran zu orientieren, was weggebrochen ist und was man nicht mehr hat. Diese Kostensituation, die den gesamten Profisport in Deutschland betrifft, darf uns nicht lähmen, sondern muss uns motivieren, neue Wege zu gehen. Wir können das Ende der Krise schließlich nicht im Bunker überdauern.“ So müsse der SC Paderborn im Sichten und Ausbilden effektiver werden, neue Einnahmequellen finden und Kreativität beispielsweise bei Transfergeschäften zeigen.

Wohlgemuth fordert aber auch zu Geduld auf. Der Spielermarkt sei derzeit fast völlig inaktiv, die Vereine würden sehr defensiv agieren. „Wir stehen, soweit ich weiß, vor der längsten Transferperiode in der Geschichte der Bundesliga. Triebfeder ist aktuell eher das Abgeben von Spielern, obwohl kaum Nachfrage existiert.“ Er vermutet deshalb einen sehr zähen Transfersommer, schließt Schnellschüsse aus, aber ausdrücklich nicht eine „Gelegenheitsverpflichtung“: „Wir können zunehmend auch mit einem Angebot guter Spieler rechnen. Deshalb müssen und werden wir wachsam bleiben.“ Das muss der Nachfolger des im April gefeuerten Martin Przondziono auch, denn das selbst gesteckte Ziel formuliert Wohlgemuth deutlich: „Wir haben den Anspruch, einen schlagkräftigen und entwicklungsfähigen Kader zusammenzustellen. Wenn wir das erreichen wollen, dürfen wir uns nicht allein an aktuellen Limits entlanghangeln.“

Paderborns Manager kündigte auch an, künftig noch enger mit anderen Klubs sowie Beratern zusammenzuarbeiten: „Wir verstärken die Kommunikation, um kreative Lösungen zum Vorteil aller Beteiligten zu finden.“ Damit meint er mit dem Blick auf Mannschaft und Spieler sportstrategische Entscheidungen, aber auch neue Ideen bei den vertraglichen Rahmenkonstruktionen. Ein Weg könnte zum Beispiel sein, künftig noch mehr Spieler auszuleihen. Zu einem höheren Preis, aber mit geringerem finanziellen Risiko.

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