Paderborns schwierige Planung: Wohlgemuth muss auf Verkäufe hoffen
Corona-Klausel im Vertrag

Paderborn (WB). Fast täglich tauschen sich Trainer Steffen Baumgart und Geschäftsführer Sport Fabian Wohlgemuth aus. So wirklich viel bewegen können sie bei der Kaderplanung im Moment aber nicht. „Auf dem Markt passiert nichts“, sagt Wohlgemuth und stellt sich auf eine langwierige Transferperiode ein: „Ablösesummen werden sinken oder gar nicht mehr bezahlt. Da muss man sich neue Modelle ausdenken.“

Donnerstag, 09.07.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 05:02 Uhr
Sie planen beim SC Paderborn die neue Saison: Manager Fabian Wohlgemuth (links) und Trainer Steffen Baumgart. Foto: Ralf Meier

Eine Idee wäre, mit Spielern vorzeitig zu verlängern, sie dann aber für eine relativ hohe Gebühr auszuleihen. Das könnte eine Maßnahme sein, um Einnahmen zu generieren. Denn eines ist für Paderborns Sportchef klar: „Wir werden nur für Spieler Ablösesummen zahlen, wenn wir vorher selbst Erlöse erwirtschaftet haben. In Vorleistung gehen wir nicht.“ Sollte es zu Abschlüssen kommen, wird der SCP auch nur Verträge abschließen, in denen eine Corona-Klausel eingearbeitet ist. Denn auf einen Teil des Gehalts werden die SCP-Profis wohl auch künftig verzichten müssen.

Hoffen auf Zuschauer

Verlässlich kann im Moment noch niemand sagen, wann wieder Besucher zugelassen werden. „Ich hoffe, dass die Zuschauerkapazität schrittweise gesteigert wird“, sagt Wohlgemuth. Dem SCP gingen in der 1. Liga etwa 350.000 Euro pro Heimspiel ohne Fans verloren. In der 2. Liga dürften es mindestens 200.000 Euro sein.

Auch deshalb ist noch ungewiss, wie hoch der Profi-Etat sein wird. Sollte der SCP keine Transfererlöse erwirtschaften, dürfte das Budget nur noch bei etwa sechs Millionen Euro liegen. Zum Vergleich: In der 1. Liga durfte das Team etwa zwölf Millionen Euro kosten.

Trotzdem will und muss der Erstliga-Absteiger sein Aufgebot umbauen – das ist auch längst beschlossene Sache. Sieben Lizenzspieler wurden direkt nach dem letzten Spieltag ( 2:3 in Frankfurt ) verabschiedet, mindestens vier weitere sollen folgen. Namen nennt niemand. Aber dass sich der SCP bei Angeboten für Jannik Huth, Rifet Kapic, Antony Evans, Hamid Sabiri oder Samuel Frinjonsson nicht in den Weg stellen würde, gilt als offenes Geheimnis. Viel Geld ist hier aus den genannten Gründen aber nicht zu erzielen. Da wird es eher darum gehen, die Gehälter zu sparen. Anders sollte dies bei Sebastian Schonlau, Jamilu Collins, Luca Kilian, Sebastian Vasiliadis, Kai Pröger, Streli Mamba oder Christopher Antwi-Adjei aussehen. Vor der Corona-Pandemie hätte der SCP mit relativ hohen Einnahmen fest planen können. Im Moment sollen aber auch für diese Spieler keine konkreten Angebote vorliegen.

Lösungen muss Wohlgemuth ebenso für die verliehenen Marcel Hilßner und Felix Drinkuth (beide Hallescher FC) sowie Johannes Dörfler (FSV Zwickau) finden. Das Trio absolvierte eine durchwachsene Drittliga-Saison und entging nur knapp dem Abstieg. Drinkuth verlor nach einer ordentlichen Hinrunde seinen Platz, die im Winter abgegebenen Dörfler und Hilßner konnten sich auch nicht festspielen. In den Überlegungen von Trainer Steffen Baumgart spielen sie – wie Sergio Gucciardo (SV Lippstadt) – keine Rolle.

Der Coach, der aktuell an der Ostsee urlaubt und erst Ende Juli wieder nach Paderborn zurückkehren wird, spricht von einem Geduldsspiel. „Transferschluss ist erst Anfang Oktober, bis dahin ist noch viel Zeit“, sagt der 48-Jährige und ist überzeugt: „So mancher Spieler, der jetzt noch von einem Verein in der 1. Liga träumt, wird umdenken müssen.“

Paderborner Aufsteiger

Für den SC Paderborn geht es nach nur einem Jahr in der 1. Liga wieder runter, es gab aber auch einige Ex-Paderborner, die Aufstiege feiern dürfen:

Sebastian Schuppan (von 2008 bis 2010 beim SCP) schaffte zum Ende seiner Laufbahn mit den Würzburger Kickers den Sprung in die 2. Liga, ebenso Teamkollege Luca Pfeiffer. Der kam 2018 von den Stuttgarter Kickers, bestritt aber nie ein Pflichtspiel für die Paderborner.

Nick Proschwitz (2011/12 und 2015/16 beim SCP) kehrt mit Eintracht Braunschweig in die 2. Liga zurück.

Für drei andere soll es auch eine Liga höher gehen: Stefan Kutschke (2014/15 beim SCP), Robin Krauße (2016 bis 2018) und Michael Heinloth (2013 bis 2016) sind mittlerweile für den FC Ingolstadt aktiv und treffen in der Relegation auf den 1. FC Nürnberg. Das Hinspiel verloren die „Schanzer“ allerdings mit 0:2 .

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7486372?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F
Gesundheitsminister Spahn hat Corona
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich mit dem Coronavirus angesteckt.
Nachrichten-Ticker