Paderborns Uwe Hünemeier über seine Rückkehr, Corona und Hoffenheim „Wir brauchen mehr Ideen“

Paderborn (WB). Damit war nicht unbedingt zu rechnen. Am 28. September, bei der 2:3-Heimniederlage gegen Bayern München, hatte Uwe Hünemeier zuletzt in der Startelf des SC Paderborn gestanden. Beim 0:0 am Samstag bei Fortuna Düsseldorf feierte der 34-Jährige sein Comeback. Das soll in dieser Saison noch längst nicht alles gewesen sein, wie er im Gespräch mit Redakteur Peter Klute erklärt.

Zweikampf in Düsseldorf: Der Paderborner Uwe Hünemeier (rechts) bedrängt Fortune Erik Thommy.
Zweikampf in Düsseldorf: Der Paderborner Uwe Hünemeier (rechts) bedrängt Fortune Erik Thommy. Foto: dpa

Herr Hünemeier, wann haben Sie von Ihrer Startelf-Nominierung erfahren, und wie überrascht waren Sie?

Uwe Hünemeier: In nicht einmal zwei Wochen Mannschaftstraining gab es für uns Spieler nicht so viele Möglichkeiten, sich beim Trainer für die Startelf zu empfehlen. Wir haben zwei interne Testspiele bestritten, in denen ich aber das Gefühl hatte, dass sie für mich gut gelaufen sind. Ich bin fit und war schon Anfang der Woche der Meinung, dass ich es verdient habe zu spielen, auch wenn ich es nicht wusste. Das war erst am Freitag der Fall.

Wie haben Sie die besonderen Umstände, Stichwörter Geisterspiel und Hygienevorschriften, beschäftigt?

Hünemeier: Ich bin ein Typ, der sich von äußeren Umständen wenig beeinflussen lässt. Ich bin in meinen Gedanken klar fokussiert und lasse mich wenig ablenken.

Trainer Steffen Baumgart hat Ihre Hereinnahme damit begründet, dass Sie die Mannschaft pushen können und das sei in einem Spiel ohne Zuschauer, bei dem es von außen keine Emotionen gibt, sehr wichtig.

Hünemeier: Ich war auf dem Platz schon immer lautstark und sehe meine Aufgabe auch darin, andere Spieler zu coachen, ihnen zu helfen und sie mitzunehmen. Ich bin ein Spieler mit einem großen Verantwortungsgefühl, egal ob ich spiele. Der Trainer weiß immer, was er von mir bekommt. Aber eines ist doch auch klar: Er stellt sicher keinen Spieler auf, nur weil der mehr redet. Das ist dann in erster Linie immer eine Frage der aktuellen Verfassung.

Wie haben Sie die Quarantäne-Woche im Park Hotel in Bad Lippspringe erlebt?

Hünemeier: Die hatte ich mir in der Tat anders vorgestellt. Irgendwie strenger. Es war sehr entspannt und es gab keinen großen Unterschied zu anderen Trainingslagern. Wir hatten dort Top-Bedingungen und haben uns sehr wohl gefühlt.

Und was für ein Gefühl hatten Sie bei der Fahrt ins Stadion und während der 90 Minuten? Mo Dräger verglich es mit der U19-Bundesliga.

Hünemeier: Grundsätzlich mache ich mir nicht so viele Gedanken über Dinge, die ich nicht ändern kann. Aber es war natürlich sehr gewöhnungsbedürftig und hatte eher Testspielcharakter. Es herrschte Totenstille und auf dem Weg aus dem Tunnel wirst du von keiner einzigen Kamera beobachtet. Normalerweise lebt ein Spiel von Emotionen. Es beeindruckt dich als Spieler, wenn die Zuschauer reagieren. Wenn es von außen ruhig ist, lassen dich solche Ereignisse wie die Pfostenschüsse von Fortuna Düsseldorf eher kalt und haben weniger Wirkung. Du hakst es schneller ab.

Wie bewerten Sie den Auftritt und das Ergebnis?

Hünemeier: Das war keine Top-Leistung. Wir müssen mit dem Punkt leben, weil wir nicht genügend getan haben, um uns mehr zu verdienen. Der Lucky Punch kurz vor Schluss durch Christopher Antwi-Adjei hätte uns gut getan, aber wir waren insgesamt nicht durchschlagskräftig genug. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Es war wichtig, dass wir nach der langen Pause etwas Zählbares in der Hand haben, aber am Samstag zu Hause gegen Hoffenheim brauchen wir mehr Ideen und mehr Torchancen, um drei Punkte zu holen. Wir wissen um die Bedeutung dieses Spiels.

Sie sind nicht nur Fußball-Profi, sondern auch zweifacher Vater. Wie sieht der Alltag der Familie Hünemeier in Corona-Zeiten aus?

Hünemeier: Wir haben das große Glück, dass unsere Kinder super damit umgehen. Ich halte mich sehr zurück, weil ich als Spieler eine große Verantwortung gegenüber der Liga und dem Verein habe. Damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt, habe ich längere Spaziergänge gemacht oder bin mit den Inlinern und dem Fahrrad unterwegs gewesen.

Sie waren ein halbes Jahr außen vor, wie schwer ist Ihnen das gefallen?

Hünemeier: Ich würde lügen wenn ich sage, dass ich nicht frustriert war. Ich habe die Entscheidung als unglücklich empfunden, wenngleich es mir klar war, dass Sebastian Schonlau nach seiner Verletzung irgendwann zurück in die Mannschaft kommt. Ich bin Profi und mental stark genug, dass ich nach der ersten Enttäuschung damit umgehen kann. Es ist insgesamt nicht einfach, mein Vertrag läuft aus, der Verein hat einen neuen Geschäftsführer Sport verpflichtet (Fabian Wohlgemuth, Anm. d. Red.) und aufgrund von Corona und der Tatsache, dass die Ligazugehörigkeit unklar ist, keine Planungssicherheit. Aber jetzt ist meine Chance da und ich werde alles dafür tun, es den Verantwortlichen möglichst schwer zu machen, mich gehen zu lassen. Ich komme von hier und würde sehr gerne in Paderborn bleiben. Das ist mein Ziel.

Haben sie mit Christian Strohdiek, den Sie in der Innenverteidigung und als Kapitän abgelöst haben, gesprochen?

Hünemeier: Nein, da sind wir beide lange genug dabei. Man wünscht sich Glück, mehr nicht. Da ist jeder mit sich selbst beschäftigt. Ich weiß ja, wie es ihm geht, da lasse ich ihm die Zeit und die Freiheit, damit umzugehen. Als sich Luca Kilian im Januar verletzt hat, bekam Christian den Vorzug, jetzt war ich dran.

Wie beurteilen Sie die Chancen auf den Klassenerhalt?

Hünemeier: Wir glauben daran und geben unser Bestes, auch wenn wir natürlich wissen, dass es immer weniger Spiele werden. Wichtig ist, dass wir den Spirit hochhalten.

Zum Abschluss: Finden Sie es richtig, dass wieder gespielt wird?

Hünemeier: Es finde es sinnvoll und vertretbar. Es muss wieder Freude am Leben geben, auch wenn das nicht der Fußball der Zukunft sein kann. Aber wir Spieler fühlen uns sicher und haben keine Ängste, auch wenn wir weiter sensibel und verantwortungsvoll sein müssen. Wir vertrauen dem Konzept der DFL und können uns glücklich schätzen, dass wir in Deutschland leben und arbeiten.

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Hüne muss bleiben

Hüne hat meiner Meinung nach eine richtig gute Partie gemacht. Ich hoffe sehr, er bleibt dem SCP erhalten, auch über seine aktive Karriere hinaus. Er ist eine Identifikationsfigur und ein Leader mit Übersicht - das ist für die Fans wichtig und ebenfalls, wenn man junge Spieler entwickeln will.

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