Paderborn: Ex-Kieler Fabian Wohlgemuth wird neuer Manager
SCP feuert Przondziono

Paderborn (WB). Bundesliga-Schlusslicht SC Paderborn hat – wie berichtet – am Montagabend die sportliche Führung gewechselt. Martin Przondziono, als Nachfolger von Markus Krösche (RB Leipzig) erst seit Sommer 2019 im Amt, wurde gefeuert. Sein Nachfolger wird Fabian Wohlgemuth, der zuletzt bei Holstein Kiel für die sportliche Entwicklung verantwortlich war. Das entschied der mächtige Wirtschaftsrat unter Vorsitz von Vereinspräsident Elmar Volkmann einstimmig.

Dienstag, 21.04.2020, 03:19 Uhr aktualisiert: 21.04.2020, 05:00 Uhr
Martin Przondziono war erst seit Sommer 2019 SCP-Sportchef. Jetzt muss er schon wieder gehen. Foto: Jörn Hannemann

„Ich habe gerade die Mitteilung bekommen und bin völlig überrascht. Da hatte sich im Vorfeld nichts angedeutet“, sagte Przondziono in einer ersten Stellungnahme gegenüber dem WESTFALEN-BLATT. Der 50-Jährige wollte sich zunächst aber nicht weiter äußern. Es sei keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mehr möglich gewesen, sei die Begründung gewesen.

SCP-Präsident Elmar Volkmann verwies auf die Presseerklärung, die der Verein am Montagabend verschickt hatte. Dort heißt es: „In der jüngeren Vergangenheit hat es unterschiedliche Auffassungen in der sportlichen Weiterentwicklung gegeben. Aus unserer Sicht ist die erzwungene Pause durch die Corona-Krise eine gute Gelegenheit, den ohnehin angestrebten Wechsel in der sportlichen Leitung jetzt herbeizuführen.“ Weitere Erklärungen wollte Volkmann nicht machen und kündigte eine Pressekonferenz Anfang Mai an. Mit Wirkung zum 1. Mai soll Wohlgemuth, der einen Vertrag bis zum 30. Juni 2022 unterschrieb, als Geschäftsführer Sport seine Arbeit beim SCP beginnen.

Der Neue: Fabian Wohlgemuth war zuletzt beim Zweitligisten Holstein Kiel tätig.

Der Neue: Fabian Wohlgemuth war zuletzt beim Zweitligisten Holstein Kiel tätig. Foto: dpa

„Fabian Wohlgemuth ist unser Wunschkandidat, weil er viele für uns zentrale Eigenschaften mitbringt. Er hat in Kiel eine ähnlich offensive Spielweise verfolgt wie wir, arbeitet gerne mit jungen Spielern zusammen und ist in Fußball-Deutschland sehr gut vernetzt”, sagte Volkmann und betonte: „In unserer aktuellen Situation benötigen wir an der sportlichen Spitze einen Mann mit profunder Marktkenntnis und der Fähigkeit, sich auf wechselnde Gegebenheiten einzustellen. All das trifft auf Fabian Wohlgemuth zu.”

Baumgart: „Ich bin überrascht“

Der 41-jährige Berliner Wohlgemuth hatte erst wenige Stunden zuvor bei den Kielern seinen Vertrag aufgelöst. Dort war er im Oktober 2019 von seinen Aufgaben entbunden worden. Ob es bei seinem Amtsantritt am 1. Mai bleibt, darf zumindest bezweifelt werden. Sein geschasster Vorgänger Przondziono kündigte am Montagabend an: „Ich werde jetzt meinen Schreibtisch aufräumen, dann fahre ich nach Hause und bin weg.“

Cheftrainer Steffen Baumgart wollte sich zu dem personellen Paukenschlag nicht weiter äußern und sagte nur: „Ich bin überrascht.“ Dass nun auch der 48-Jährige selbst Konsequenzen zieht, ist aber auszuschließen. Baumgart ist zwar keiner, der in der Öffentlichkeit Treueschwüre abgibt, der Ex-Profi hatte aber auch in der Vergangenheit seine Zukunft nie von anderen Personen abhängig gemacht. Das wurde zuletzt deutlich, als Przondzionos Vorgänger Krösche den SCP vorzeitig verließ.

Warum Przondziono gehen musste? Eine Andeutung machte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Hämmerling: „Seine Aussagen waren zuletzt nicht so glücklich. Ebenso einige Abschlüsse im Winter.“

Kommentare

chefplaner  wrote: 22.04.2020 16:17
Abfindung
1. Der SCP ist dafür bekannt, Abfindungsregelungen bereits im Arbeitsvertrag festzuhalten.
2. Auch aussortierte Spieler wie dürfen durchaus eine Ablöse einbringen. Das ist eigentlich nicht unüblich.

Wie gesagt:
- Die Winter-Neuzugänge sind schwach (außer S.).
- Die Abgänge wurden wahrscheinlich verschenkt.
- Transfererlöse waren für P. sekundär -aber für den Verein klare Philosophie.
- Aussagen der jüngeren Vergangenheit waren zum Teil schädlich (Transfers, wirtschaftliche Situation).

Trotzdem bin auch ich überrascht worden. Aber wahrscheinlich gibt es noch tiefergreifende Gründe, die aufgrund von Vertraulichkeit nicht in die Öffentlichkeit gelangen.

Generell halte ich es für gut, dass hier nicht die Medien "mit am Tisch sitzen" wie in Hamburg oder Gelsenkirchen.
SBr_07  wrote: 21.04.2020 19:30
Gehalt
@OWLix: Naja, aber das Gehalt eines GFs kann man vermutlich trotzdem nicht mit dem eines oder sogar mehrerer Bundesliga-Spielern vergleichen...
OWLix  wrote: 21.04.2020 18:20
Personalien in andere Richtung?
@Chefplaner: Welche Personalien meinst Du? Von den Winter-Abgängen hat einzig und allein Cauly eine nennenswerte sportliche Rolle gespielt; alle anderen waren - für jeden erkennbar - aussortiert, da konnte man keine Ablösesummen erwarten. Alle potenziellen Interessenten wussten, dass PB einen (noch zu Zeiten von MK) aufgeblähten Kader hatte, den man um jene Spieler reduzieren wollte, die keine Chance in der ersten Liga haben. Am Ende war man doch froh, viele Spieler - wenn auch ablösefrei - abgegeben zu haben.
Zum Thema Abfindung: Wenn MP keine "Leiche im Keller" haben sollte, dürfte er sich darauf nicht einlassen. Deshalb wird der SCP eben das Geld, das er für erstligareife Spieler angeblich nie hatte, nun eben für zwei Sportdirektoren ausgeben. Man gönnt sich ja sonst nichts ...
SBr_07  wrote: 21.04.2020 17:01
Peinlich
Inhaltlich kann man es von außen ja nur schwer bewerten, aber eins finde ich wichtig - nach meinem Wissen hat Krösche den aktuellen Kader zusammengestellt und zwar für eine Zweitligasaison. Was immer man darüber denken mag, kann man Przondziono nicht vorwerfen.
Wie sich die Art und Weise und kommunikativ diese Personalie darstellt, ist es ein übler Rückfall in alte Zeiten (naja, so alt auch wieder nicht, wenn man an die Leipzig-Koop denkt). Irgendeinen Textbaustein als Begründung genommen, dann von "Wunschkandidat" und "ohnehin schon länger geplanter Personalie" faseln...schlimmer geht's nimmer, um jemand möglichst unwürdig in die Wüste zu jagen. Dann noch vor versammelter Mannschaft antanzen lassen und völlig ahnungslos absägen. Ach was sind wir nur für ein toller, familiärer Verein!

Przondziono ist sicherlich ein ganz anderer Typ als Krösche, fand ihn aber gar nicht verkehrt. Sehenden Auges hat man hier jemanden auf den Posten gesetzt, der das auf dem Niveau auch noch nicht gemacht hat,
da lernt halt jeder dazu. In diesem Sinne, Martin P., alles Gute, danke für das Engagement und hoffentlich gibt es irgendwann auch positive Erinnerungen an Paderborn!
chefplaner  wrote: 21.04.2020 15:45
Personalien in andere Richtung
Es gab ja auch Personalien in die andere Richtung. Und wenn man Transfermarkt.de glauben darf (ist nicht immer der Fall) und die alle ablösefrei gegangen sind, dann wäre das ebenfalls ein Unding, auch wenn manchmal gut ist, wenn Leute von der Gehaltsliste und aus dem Umfeld der Mannschaft verschwinden (Unzufriedenheit, Stimmung).

Auch gibt es Interesse an einigen unserer Spieler. Wenn man dann unsere Philosophie nicht mitträgt, Transfererlöse zu erzielen und Spielern als Sprungbrett zu dienen (das ist in der Regel das Argument, warum manche Spieler zu uns kommen; und denen wird das dann auch versprochen), dann kann man sich nur trennen.

Trotzdem kann ich nur hoffen, dass der noch zwei Jahre gültige Vertrag nun nicht zur Belastung wird (Abfindung?).
Tom  wrote: 21.04.2020 12:05
Underdog der Herzen
Ich bin unter anderem ein Anhänger des SCP, weil es eben kein Haifischbecken ist, aus dem man gleich gefeuert wird wenn's mal nicht 100%ig läuft. Mein Eindruck von Ferne ist, dass Martin Przondziono eine mehr als gute Arbeit gemacht hat und auch ein guter Typ ist (in den großen Fussstapfen von Markus Krösche ohnehin keine leichte Aufgabe). Auch und gerade in Zeiten der Virus-Pandemie, wo die meisten von uns gerade (wieder) Solidarität lernen, halte ich das für ein merkwürdiges Vorgehen bei meinem Verein, von dem ich gern etwas Aufklärung erwarte.

Mir stellt sich zunehmend die Frage, mit wem oder was ich mich da identifiziere... Der SCP, als einer der wenigen Clubs der Bundesliga, hat eigentlich eine Menge davon: Ein tolles, hungriges Team, das immer wieder klasse und mutige Spiele absolviert - doch in geradezu schicksalhafter Weise dafür nicht annähernd ausreichend belohnt wird. Einen Top-Trainer (-stab), ein Profi-Team im Umfeld, leidenschaftliche Fans (Westfalen*innen! nicht nur ...) ein kleines aber feines Stadion inmitten des Landes usw.
Ich wünsche mir - jetzt mehr denn je - auch nach außen hin sichtbare eine Unternehmensethik (nach Möglichkeit nicht mit Firmen wie der jetzigen auf der Brust. Die "machen" nämlich keine "Sonne", denen sie es weiß machen wollen) ... sonst bin ich eines Tages auch weg ... wär' doch schade.

Lieber Underdog der Herzen, als Mündel des Kapitals.
Helden, gebt nicht auf!

Euer Tom

Real_Realist  wrote: 21.04.2020 10:15
Nachvollziehbare Entscheidung
Ich bin froh über diese Entscheidung. Besonders der Fehlgriff beim Wikinger ist mir da in Erinnerung. Hätte Baumgart nicht drauf bestanden, dass Srbeny zurückgeholt wird, hätten wir kaum Verstärkung, höchstens noch DJ.
Zugegeben, Martin P. hatte nicht viele Mittel an der Hand. Aber letztlich auch kein gutes Händchen bewiesen. Der Wikinger wurde von ihm als Mega-Transfer gefeiert und ist ein Rohrkrepierer, hingegen hat er bei Srbeny gleich die Schuld auf Baumgart geschoben, wenn es nach hinten los geht. Baumgart dürfte die Personalie daher auch eher gefallen, als vergrämen.
OWLix  wrote: 21.04.2020 09:36
Welche Abschlüsse im Winter sind gemeint?
Wenn der Trainer sagt, er sei überrascht, dann scheinen mit ihm ja keine "unterschiedlichen sportlichen Auffassungen" bestanden zu haben. Da Baumgart so ziemlich der einzige Entscheidungsträger beim SCP ist, der Fußballverstand hat, ist die Begründung für die Trennung somit wertlos. Der Wirtschaftsrat versteht jedenfalls offensichtlich nichts davon, sonst hätte er z.B. nicht vor der Saison eine "Kooperation" mit RB Leipzig beschlossen ohne im geringsten zu erläutern, was das sein soll. Wieso gab es damals eigentlich keine personellen Konsequenzen? Der Initiator des damaligen Desasters hätte nun wirklich wegen falscher Auffassungen gefeuert gehört.
Und dass man die erste Liga mit einem Zweitligakader bestreitet, kann man dem Sportdirektor nicht ehrlich vorwerfen, wenn er kein Geld ausgeben darf. Nun bezahlt man künftig zwei Sportdirektoren - den alten und den neuen zugleich - und verbrennt damit das Geld, das vorher angeblich nicht für erstligataugliche Spieler da war.
Wie ich schon gestern schrieb: Wenn man dem bisherigen Sportdirektor etwas vorwerfen kann, dann sein offenbar wenig glückliches Sport1-Interview, durch das man sich zu einer Klarstellung gezwungen sah. Das hat aber nichts mit "sportlicher Entwicklung" zu tun.
Welche Abschlüsse im Winter waren denn "nicht glücklich"? Srbeny? Jastzrembski? Der Isländer? Waren denn bessere Spieler erhältlich - wohlgemerkt: erhältlich zu dem Preis, den man in Paderborn bereit oder in der Lage ist, zu zahlen? Wen hätte Herr Wohlgemuth denn im Winter nach Paderborn geholt?
Gut möglich, dass man nach drei tollen Jahren jetzt wieder in PB die Fußball-Talfahrt erleben wird. Ein Baumgart wird bessere Angebote bekommen und sich - verdientermaßen! - bei einem Klub beweisen können, wo nicht nur gespart wird. Und der bisherige Sportdirektor wird vermutlich für lange Zeit dem SCP noch auf der Tasche liegen.
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