Nach schwerer Verletzung: Paderborns Torjäger steigt wieder ins Training ein Mamba kehrt zurück

Paderborn (WB). Die Covid-19-Pandemie lähmt seit Wochen auch den Profisport. Der Stillstand in der Fußball-Bundesliga und die damit verbundene Verlängerung der Saison bis mindestens Ende Juni macht aber auch ein Comeback möglich, mit dem niemand mehr rechnen konnte: Streli Mamba, Paderborns bester Stürmer, beendet in Stuttgart seine Reha und wird kommende Woche zum SCP zurückkehren. „Er ist schon relativ weit. Streli wird nicht in zwei Wochen spielfähig sein, aber ich rechne in dieser Saison noch mit ihm. Definitiv“, freut sich Trainer Steffen Baumgart über eine der wenigen positiven Nachrichten in diesen Wochen.

Von Matthias Reichstein
Im Februar ging nichts mehr: Streli Mamba musste in München nach einem Teilriss der Bizepssehne ausgewechselt werden.
Im Februar ging nichts mehr: Streli Mamba musste in München nach einem Teilriss der Bizepssehne ausgewechselt werden. Foto: imago

Erst schwer verletzt, dann menschlich tief getroffen: Den 21. Februar 2020 wird Streli Mamba nie mehr vergessen. Während der 25-Jährige beim 2:3 (1:1) gegen den Meister in München stürmte, kollabierte seine 14 Monate alte Nichte auf der Tribüne der Allianz-Arena und starb wenig später im Krankenhaus . Der tragische Todesfall verdrängte für ein paar Tage den Profisport in Paderborn. Nachrichtlich fast völlig unter ging auch Mambas schwere Verletzung. Beim Versuch, eine Hereingabe von Dennis Jastrzembski noch zu erreichen, hatte sich der Angreifer sofort an den rechten Oberschenkel gefasst. Danach ging nichts mehr. Eine MRT-Untersuchung drei Tage später brachte dann die Gewissheit: Teilriss der Bizepssehne im hinteren Oberschenkel und damit das Saisonaus. Mambas Ausfall wurde aber lediglich zur Kenntnis genommen, viel mehr auch nicht. Mitspieler Uwe Hünemeier, selbst Vater zweier Kinder, ordnete die Tragödie damals richtig ein: „Am Ende ist es nur ein Spiel. All meine Gedanken und Gebete widme ich Streli und seiner Familie in diesen schwierigen Zeiten.“

„Streli hat sehr gute Fortschritte gemacht“

Seitdem sind fast sieben Wochen vergangen. Mamba ist am nächsten Tag von München direkt zu seiner Familie (Sohn Lyonel ist 18 Monate alt) nach Stuttgart gereist, kommende Woche wird der Deutsch-Kongolese zum ersten Mal nach Paderborn zurückkehren. Und das aus gutem Grund: Die Behandlungen bei Dr. Raymond Best, Mannschaftsarzt des VfB Stuttgart, sind abgeschlossen. Letzte Gewissheit soll ein MRT am Donnerstag bringen. Den Kontakt zu dem Sehnen-Spezialisten hatte Dr. Lutz Mahlke, Ärztlicher Direktor des Paderborner St. Vincenz-Krankenhauses und Mitglied des SCP-Ärzteteams, hergestellt. „Streli hat dort sehr gute Fortschritte gemacht. Aber jetzt hängt alles von den kommenden Wochen ab“, sagt Manager Martin Przondziono und bringt da besonders Physiotherapeut Jörg Liebeck und sein Team ins Spiel. Sie müssen versuchen, die Belastbarkeit im läuferischen und fußballerischen Bereich möglichst schnell wieder so weit zu erhöhen, dass Mamba auch am Mannschaftstraining teilnehmen kann. Wann beim SCP auch auf dieser Ebene der Alltag einkehren kann, ist zwar noch unklar, Mambas Weg ist aber dennoch deutlich definiert: in kleinen Schritten zum großen Ziel.

Für den SCP wäre das der Klassenerhalt. Könnte Streli Mamba seinen fünf Saisontreffern weitere hinzufügen, würde das auch seinen Marktwert noch einmal steigern. Bereits Ende November berichteten verschiedene englische Medien über ein angebliches Interesse von West Ham United. Mamba auf die Insel? Das wäre zumindest nicht der erste Top-Torjäger, den Paderborn in Richtung England verlieren würde. Bereits 2012 verpflichtete Zweitligist Hull City Nick Proschwitz und überwies 3,3 Millionen Euro. Vor zwei Jahren verließ Dennis Srbeny den SCP und wechselte für 1,5 Millionen Euro Ablöse zum Zweitligisten Norwich City. Mamba ist vertraglich allerdings noch bis 2022 an den SCP gebunden, noch weiß auch niemand, ob die Bundesliga Anfang Mai fortgesetzt werden kann und keiner kann einschätzen, in welcher Form die schnelle Spitze zurückkehrt.

„Wir schauen nur von Tag zu Tag. Normalerweise hätten wir Anfang Mai nur noch drei Punktspiele auf dem Terminplan, jetzt sind es neun. Deshalb rechne ich wieder fest mit Streli, auch wenn noch niemand sagen kann, wann er uns wieder helfen wird“, sagt Baumgart. Przondziono fügt noch diesen Satz hinzu: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Der klingt zwar schon reichlich abgenutzt, hat in diesen Wochen aber noch einmal an Bedeutung gewonnen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7361917?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F