SC Paderborn: Profis und Mitarbeiter verzichten bis 30. Juni auf einen Teil des Gehalts Mehr als eine Million Euro gespart

Paderborn (WB). Die Profis des SC Paderborn und alle Mitarbeiter verzichten auf einen Teil ihres Gehalts, um den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie entgegenzuwirken. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen wird die Vereinbarung bei dem Fußball-Bundesligisten zunächst bis zum 30. Juni laufen. Die Ersparnis soll bei etwa 1,5 Millionen Euro liegen.

Von Matthias Reichstein
Die Geschäftsführer Martin Przondziono (links) und Martin Hornberger haben den Gehaltsverzicht ausgehandelt.
Die Geschäftsführer Martin Przondziono (links) und Martin Hornberger haben den Gehaltsverzicht ausgehandelt. Foto: Thomas F. Starke

Manager Martin Przondziono wollte am Freitag keine Angaben zur Größenordnung machen. Der 50-Jährige beschrieb die Verhandlungen mit dem Spielerrat (Christian Strohdiek, Uwe Hünemeier, Leopold Zingerle, Sebastian Schonlau und Klaus Gjasula) als sehr offen und konstruktiv. Warum die Vereinbarung im Vergleich zu anderen Erstligisten erst relativ spät zustande kam, begründete er so: „Viele unserer Jungs waren in Quarantäne und sind zum Teil auch gar nicht vor Ort. Da war die Kontaktaufnahme in einigen Fällen nicht so einfach.“ Geschäftsführer Martin Hornberger sprach in der offiziellen Pressemitteilung des Clubs von einer „außergewöhnlich solidarischen Mannschaft, großartigen Mitarbeitern“ und bezeichnete das Ergebnis als fair.

Wann wird die Saison fortgesetzt?

Die Bundesligisten kommen in finanzielle Schwierigkeiten, weil noch niemand weiß, ob die am 13. März unterbrochene Saison 2019/2020 wie geplant Anfang Mai fortgesetzt werden kann. Dem SCP gehen schon jetzt bei den vier noch ausstehenden Heimspielen ohne Zuschauer knapp 1,5 Millionen Euro an Eintrittsgeldern verloren. Sollte der Ball gar nicht mehr rollen, rechnet beim Tabellen-18. auch kaum noch jemand damit, dass die letzte TV-Rate (Paderborn bekommt noch acht Millionen Euro) ausgezahlt wird.

Deshalb können die nun eingesparten Gehaltszahlungen in Millionenhöhe auch nur der Anfang sein. Das Schlusslicht der Liga setzt daher in den kommenden Wochen auch auf die Solidarität der eigenen Anhänger und Sponsoren. Seit Freitag bietet der Club die Rückerstattung von erworbenen Tagestickets für die Spiele an, die nach Lage der Dinge ohne Zuschauer und damit als Geisterspiele stattfinden werden. Auch hier hofft der Verein auf eine Art Bündnis. „Wir sind sehr dankbar für viele Signale unserer Fans, die auf eine Rückerstattung der Ticketpreise verzichten wollen. Diese Geste zeigt den großen Rückhalt aus unserer Fangemeinde“, sagte Hornberger.

Über die SCP-Homepage stellen die Ostwestfalen ein interaktives Formular bereit, über dass die Abwicklung erfolgen soll. Die Karten-Kunden können dabei den komplettem Verzicht auf eine Rückerstattung erklären, es gibt aber auch die Staffelung über 75, 50 oder 25 Prozent des Tagespreises bis hin zu einer vollständigen Erstattung. Für alle gilt: Bis zum 30. Juni müssen Verzicht oder Ansprüche angemeldet werden.

Käufer von Dauerkarten bekommen Post

Um möglichen Regressforderungen zu entgehen, werden in Kürze auch die Käufer von Dauerkarten angeschrieben. Die Inhaber von VIP-Tickets und Sponsoren werden dagegen vom Vermarktungspartner „Infront“ kontaktiert. „Auch hier wird es individuelle Angebote geben“, versicherte Hornberger.

Um Kosten zu senken, hatte der SCP bereits beschlossen, den zweiten Abschnitt beim Arena-Ausbau zunächst zurückzustellen . Für 1,5 Millionen Euro sollte ab Saisonschluss auf der Ost-Tribüne ein Oberrang eingebaut werden, außerdem hatte der SCP geplant, drei Stehplatzblöcke in Sitzplätze umzuwandeln. Damit wollten die Paderborner das Stadion um 2000 auf die von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) geforderten 8000 Sitzplätze umrüsten, ohne die Gesamtkapazität (15.000) zu erhöhen. Diese Kosten werden nun eingespart. Wann es hier weitergeht, hängt von der weiteren Entwicklung ab. „Niemand kann verlässlich sagen, ob und wann die Bundesliga fortgesetzt wird. Im Moment ist auch noch nicht klar, wann die neue Saison starten kann. Deshalb steht der Stadionausbau nicht mehr an erster Stelle“, begründete Hornberger.

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