SCP-Trainer erhält Jobgarantie vom Manager
Baumgart plagen Selbstzweifel

Paderborn (WB). Keine Ideen, wenig Tempo, viele Fehler und erste Anzeichen von Resignation auf dem Platz. Innere Wut, tiefe Enttäuschung und Ratlosigkeit nach dem Spiel – das 1:2 gegen Mitaufsteiger 1. FC Köln war mehr als nur ein weiterer punktloser Paderborner Auftritt.

Montag, 09.03.2020, 10:20 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 10:22 Uhr
Au Backe, das ging gründlich schief: Paderborns Trainer Steffen Baumgart Foto: Thomas F. Starke

Zum ersten Mal hatte am Freitagabend so niemand eine Erklärung für das, was die Ostwestfalen in der ausverkauften Benteler-Arena über mehr als eine Stunde boten. Dabei spielte der SCP eigentlich nur, wie es der Tabellenplatz seit Monaten aussagt: wie ein Absteiger.

„Wenn die letzten 25 Minuten nicht gewesen wären, hätte es heute richtig geknallt“, schäumte Manager Martin Przondziono nach dem Schlusspfiff förmlich vor Wut. „Das war die schlechteste erste Halbzeit, die wir bislang gespielt haben. Kein Elan, kein Zug nach vorne und dazu auch noch einfache Tore kassiert – das war gar nichts.“ Seiner Abrechnung mit der Mannschaft folgte hinterher zu einem Teil ebenfalls der Trainer, auch wenn seine Worte milder wirkten. „Es ist Woche für Woche fast immer das Gleiche: Wir leisten uns zu viele einfache Fehler. Die passieren im Fußball, nur bei uns zu häufig“, sagte Coach Steffen Baumgart.

Gjasula-Ersatz überfordert

Der SC Paderborn war am Freitagabend ungenau im Spielaufbau, viel zu hektisch in entscheidenden Situationen, inkonsequent in der Zweikampfführung und kassierte als Sahnehäubchen obendrauf mal wieder zwei Gegentreffer, die man auf Bundesliga-Niveau niemals so bekommen darf. Besonders bitter: Der SCP hat jetzt nur noch neun Spieltage vor sich, sorgt im Moment aber nur für sehr wenig Zuversicht, dass sich an dieser Endlos-Fehlerkette, die sich in einigen Teilen seit Spieltag eins wie ein roter Faden durch die Saison zieht, noch irgendetwas ändert.

„Ich habe dafür selbst keine Erklärung. Wenn ich jetzt etwas dazu sagen müsste, dann würden Sie nur Floskeln hören und das ist nicht mein Ding“, sagte Baumgart dem WESTFALEN-BLATT und hinterfragte sich später selbst: „Alle Entscheidungen, die ich als Trainer treffe, fruchten im Moment nicht. Die Lösungen, die wir brauchen, finde ich auch nicht. Ich habe es auch nicht geschafft, die Mannschaft auf diesen Gegner richtig einzustellen.“ Konkret nannte er das Beispiel Samuel Kari Fridjonsson. Der isländische Nationalspieler, erst im Winter verpflichtet, spielte für Klaus Gjasula im defensiven Mittelfeld und war mit dieser Rolle schlicht überfordert. Damit war er zwar nicht verantwortlich für die Niederlage, aber ein Mosaikstein von vielen beim SCP, der im Duell gegen den 1. FC Köln so gar nicht passte.

„Werden auf keinen Fall auf der Trainerposition reagieren“

Ein Trainer, den in Abstiegsgefahr Selbstzweifel plagen, könnte sich eigentlich selbst in Gefahr bringen. Nicht so beim SC Paderborn. Przondziono stellte Baumgart bereits am Freitagabend eine Jobgarantie aus. Am Mikrofon von Dazn machte der 50-Jährige deutlich: „Wir werden auf keinen Fall auf der Trainerposition reagieren“ und begründete seine Haltung so: „Man muss auch die Gegebenheiten bei uns sehen. Steffen Baumgart ist mit dem SC Paderborn zweimal aufgestiegen und hat sechs Nationalspieler geformt. Das Brett, auf dem er hier gehen darf, ist ziemlich dick – und das werde ich auch nicht durchsägen.”

Nicht nur der Trainer wirkte am Spieltag sehr angeschlagen, auch die Mannschaft scheint der Abstiegskampf zusehends zu zermürben. So langsam scheint sich auch so etwas wie Resignation ins Team zu schleichen, auch wenn Sebastian Vasiliadis dem energisch widerspricht: „Wir haben noch neun Spiele. Wenn da jetzt tatsächlich einer meint, es würde um nichts mehr gehen, der sollte sich mal ganz schnell hinterfragen.“ Mit Christian Strohdiek sprang ihm der Kapitän gleich zur Seite: „Auch wenn wir enttäuscht haben und auch enttäuscht sind – wir geben erst auf, wenn auch rechnerisch nichts mehr geht.“

Schlussphase macht Hoffnung

Und der Trainer? Das Wort „Aufgeben“ gibt es in Baumgarts Wortschatz nicht. Auch wenn der 48-Jährige immer nachdenklicher wirkt und wird. Sein Nährboden für mehr Zuversicht scheinen im Moment die Fans zu sein. Pfiffe gab es am Freitag wieder nicht, die SCP-Anhänger versuchten die Geschlagenen aufzurichten. „Allein wie die Jungs zu uns stehen – und das ist auch nicht einfach –, muss Motivation sein, bis zum Schluss alles rauszuhauen, was wir haben. Denn das war hier nicht immer so“, sagt Baumgart.

Bei aller berechtigter Kritik: Etwas Hoffnung machten die letzten 25 Minuten. Nach der Kölner Führung (Meré/28., Hector/37.) zeigte der SCP mal wieder sein anderes Gesicht. Die Mannschaft, die nie aufsteckt, immer willig ist und ein Spiel erst verloren gibt, wenn der Schiedsrichter abgepfiffen hat, kam zurück, verkürzte (Srbeny/73.) und hätte sogar noch ausgleichen können (Lattenschuss von Sabiri/87.). Doch das wäre am Ende des Guten zuviel gewesen.

Kommentare

Der lipper  wrote: 10.03.2020 22:16
Immer weiter, mein SCP!!
Ich kann vielen Kommentaren hier nur zustimmen. Es war ein Wunder, dass wir im Mai aufgestiegen sind. Zu dem Zeitpunkt war (noch von Markus Krösche) bereits ein ordentlicher Zweitliga-Kader zusammengestellt worden. Und mit genau diesem Kader sollte Baumgart den Klassenerhalt schaffen … Eigentlich war das nicht möglich! Trotz dieser Ausgangssituation hat unser Team viele fantastische Spiele voller Leidenschaft geliefert. Ich kann mich noch gut an die grausamen Spiele nach dem ersten Bundesligaabstieg in Liga 2 (Sandhausen, Kaiserslautern, Union usw.) und auch danach in Liga 3 (Lotte!!) erinnern. Wer das erlebt und erlitten hat, kann auf das aktuelle Team und den gesamten Stuff einfach nur stolz sein. Und deshalb: Immer weiter, mein SCP!!
Sbr_07  wrote: 09.03.2020 21:19
Vertrag
Er hat doch noch einen Vertrag bis 2021 für beide Ligen. Also sofern nichts anderes verkündet wird...no news is good news.
Elener  wrote: 09.03.2020 19:21
Mit Baumgart auch in Liga 2 gehen

Der Verein sollte bald kommunizieren, daß man mit Baumgart auch in Liga 2 zusammenarbeiten wird. Dazu wäre aber natürlich auch Baumgarts Zusage nötig. Das würde der Klarheit und Planung helfen.
SBR_07  wrote: 09.03.2020 15:53
Verein bleibt sich treu
Überforderung würde eher in blindem Aktionismus zu erkennen sein, jetzt "irgendwas" tun zu müssen. Stattdessen hat man ein breites Kreuz der Überzeugung und kann die Gesamtsituation richtig bewerten. Der Verein bleibt seinem Weg treu und das nicht nur, wenn es gut läuft und das ohnehin am einfachsten ist, sondern auch, wenn es mal schwierig wird.
Piet  wrote: 09.03.2020 14:49
Trainer inklusive Manager überfordert
Fakt ist, das die aktuelle Mannschaft und der Trainer nicht in der Lage sind Spiele auf den Rasen zu zaubern die man auch gewinnt. Von "ja, aber" und "war ja gar nicht so schlecht" kann man am Ende keine Bonbons kaufen.

Ob es der Trainer ist der der Mannschaft nicht beibringen kann wie man auch gewinnt, oder die Mannschaft einfach Trainerressistent ist, kann jeder für sich selbst entscheiden. Ich für meinen Teil bin der Meinung das Trainer Herr Baumgart mit dem aktuellen Zustand überfordert ist und wenn der Manager Herr Przondziono das nicht erkennt frage ich mich ob auch dieser mit der aktuellen Situation überfordert ist!
Detmolder SCP07-Fan  wrote: 09.03.2020 13:58
Spieltag 26-34= 27 Punkte
Zugegeben, es wird schwerfallen die letzten Spiele zu ignorieren, aber wir müssen den Resetknopf drücken und nach vorne schauen. Die Spiele 26 bis 34 haben noch 27 Punkte zu vergeben. Also Köpfe hoch und drauf. Ich kann mir keinen anderen Trainer vorstellen der das besser an die Jungs auf dem Rasen besser vermitteln könnte als unser Baumi. Und mit dem Kader zu hadern ist auch Blödsinn. Die Jungs die da sind, können das, davon bin ich überzeugt. Sie dürfen nur nicht ihren Biss und Kampfbereitschaft verlieren. Bei den jungs rotierte es am Freitag im Kopf, das war unübersehbar. Erst als Marlon Ritter rein kam konnte man merken das der alte Spirit zumindest teilweise zurück kam. Der Junge mag nicht der allerschnellste sein, aber er kann beißen und das brauchen wir jetzt. Ob wir nun die Klasse halten oder nicht ist nicht das wichtigste, ich für meinen gehe auch wieder gegen Aue und Darmstadt ins Stadion, aber die jungs müssen Alles raushauen. Wenn's doch noch reicht, wunderbar. Wenn nicht, dann nicht.
Klaus Müller  wrote: 09.03.2020 12:57
Vernunft obsiegt!
Es ist absolut richtig Steffen Baumgart aktuell nicht in Frage zu stellen. Er ist ein guter Trainer und sammelt gerade wichtige Erfahrungen in der 1. Liga, genau wie das gesamte Team. Dass die 1. Liga nur mit Spielern aus unteren Ligen ein wahnsinniger Kraftakt wird war klar, dafür hat man sich bisher lobenswert geschlagen.
Die Entwicklung seit dem Mainz-Spiel zeigt jedoch deutlich, dass die Mannschaft entweder mental schon abgestiegen ist, oder mit dem Druck nicht klar kommt. Zudem hat die Unsicherheit des Wikingers die anderen Spieler infiziert.
Erst mit Marlon Ritter kam beim Spiel gegen Köln wieder der bekannte Kampfgeist des SCP zurück. Ob es wirklich an Marlon lag oder an dem von ihm ausgehenden Anschlusstreffer wird man nicht feststellen können, daher wäre ich stark dafür, dass er gegen seinen Ex-Verein die Fortuna eine Startelf-Chance erhält und sich beweisen kann.
SBR_07  wrote: 09.03.2020 11:28
Weiter zusammenhalten!
Wäre man nicht aufgestiegen und würde dieses Jahr eine solide Zweitligasaison spielen, würden auch alle Nörgler jubeln. Mannschaft und Trainer haben aber mehr geschafft, das darf man nie vergessen und das haben die Fans auch nicht!
Die Köpfe sind im Moment nicht frei, das merkt man, aber das ist eben auch eine Sache der Erfahrung mit Drucksituation auf diesem Niveau umzugehen. So eine Saison ist auch als Anhänger nicht leicht, aber der Zusammenhalt, der in dieser schwierigen Zeit besonders viel wiegt, reißt vieles raus. Ich bin jedenfalls sehr froh über die Weitsicht des Managements! Baumgart ist, wie er immer ist: schonungslos ehrlich, und das darf ihn auch jetzt nicht angreifbar machen.
Was soll’s, wir haben doch jetzt eigentlich echt nichts mehr zu verlieren – auf sie mit Gebrüll, noch ein paar Gegner ärgern und mal wieder jubeln, das wäre doch schön.
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