Starker SC Paderborn gleicht gegen den FC Bayern zweimal aus und verliert spät mit 2:3 Lewandowski muss den Meister retten

München (WB). Der SC Paderborn 07 hat beim FC Bayern München nicht das v on Steffen Baumgart befürchtete „blaue Auge“ kassiert, sondern den Rekordmeister beinahe ein blaues Wunder erleben lassen. Bis in die Endphase durfte der SCP in der ausverkauften Allianz-Arena von der Sensation träumen, ehe Robert Lewandowski in Minute 88 zum 3:2 (1:1) für den Spitzenreiter traf.

Von Elmar Neumann
Spielverderber Robert Lewandowski im Duell mit Christian Strohdiek.
Spielverderber Robert Lewandowski im Duell mit Christian Strohdiek. Foto: dpa

Baumgart veränderte seine Elf im Vergleich zum 1:2 gegen Hertha BSC auf zwei Positionen. Für den gelbgesperrten Jamilu Collins verteidigte Gerrit Holtmann auf der linken Seite und anstelle von Ben Zolinski stand Streli Mamba in der Anfangsformation. Baumgarts Pendant Hansi Flick stellte nach dem 4:1 in Köln und vor dem Champions-League-Auftritt bei Chelsea London am Dienstag gleich viermal um. Lucas Hernandez, Alvaro Odriozola, Philippe Coutinho und Corentin Tolisso übernahmen die Aufgaben von Jerome Boateng, Benjamin Pavard (jeweils gelbgesperrt) sowie Thomas Müller und Kingsley Coman, wobei Allrounder Kimmich diesmal an der Seite von Alaba in die Innenverteidigung rückte.

Bayern stellt um

„Das ist ein großer Abend für uns. Wir sind hier, um zu gewinnen. Auch in München wollen wir mutig auftreten“, kündigte SCP-Manager Martin Przondziono an. Ungeachtet der Tabellensituation (Erster gegen Letzter), verschiedener Markwertwelten (933 Millionen Euro zu 31 Millionen Euro) und unzähliger für die Hausherren sprechender Bilanzen. Am 23. September 2014, beim ersten Erstligaauftritt des SCP in der Allianz-Arena, hatte es am Ende des ungleichen Duells 4:0 für die Bayern gestanden. Bevor fünfeinhalb Jahre später das Wiedersehen angepfiffen wurde, spielte der Ball aber zunächst einmal gar keine Rolle. Mit einer Schweigeminute wurde der Opfer des rassistisch motivierten Terroranschlags von Hanau gedacht.

Dann allerdings musste es wieder sportlich werden und nach nur etwas mehr als drei Minuten jubelten die mehr als 3000 mitgereisten Paderborner Fans über die vermeintliche Führung. Das aber nur kurz, denn gerade hatte Streli Mamba Nationalkeeper Manuel Neuer überwunden, da war klar, dass der Angreifer aus einer (deutlichen) Abseitsposition gestartet war. Die Führung blieb dem Underdog versagt, eine respektable Anfangsviertelstunde durfte der sich aber definitiv attestieren lassen. Bis auf eine Kopfballchance für Robert Lewandowski (8.) gönnte der SCP dem Gegner zunächst nichts. Stattdessen sah sich der Favorit genötigt, in der Defensive von einer Vierer- auf eine Dreierkette umzustellen.

Srebny und Michel gleichen aus – Lewandowski zum 3:2

Spuren hinterließen die ersten Minuten nur bei Gerrit Holtmann, der von einem Zusammenprall mit Coutinho eine Platzwunde am Jochbein davontrug. Als der Collins-Ersatz in der 30. Minute ausgewechselt werden musste, stand es dann allerdings doch 1:0 für die Bayern. Als Spätfolge eines Ballverlustes von Kai Pröger traf Serge Gnabry zur Führung (25.). Das Spiel entwickelte sich jetzt etwas deutlicher in die erwartete Richtung, das Ergebnis jedoch nicht. Auf der einen Seite vergab Coutinho die Möglichkeit zum 2:0 (41.), auf der anderen nahm Dennis Srebny dem herauseilenden Neuer nach einem Pass von Strohdiek an der Strafraumkante den Ball ab, zog in die Mitte, ließ auch noch Alaba ins Leere rutschen und schloss lässig zum 1:1 ab (44.). Dabei blieb’s bis zum Seitenwechsel, weil ein Strohdiek-Querschläger in der Nachspielzeit nur auf dem Paderborner Tor landete.

Kurz nach Wiederbeginn fehlten Mamba Zentimeter, um aus einer Flanke des für Holtmann eingewechselten Dennis Jastrzembski Kapital zu schlagen (50.), stattdessen verletzte er sich bei dieser Aktion sogar und musste ausgewechselt werden (52.). Rund um den zweiten Paderborner Tausch scheiterte Lewandowski zweimal am stark reagierenden Leopold Zingerle (51., 53.). In Minute 70 behielt der Topstürmer in diesem Vergleich die Oberhand und stellte auf 2:1 (70.), doch auch der SCP düpierte die ungeordnete FCB-Abwehr tatsächlich noch ein zweites Mal, indem Sven Michel nach einem Schuss von Jastrzembski zum 2:2 abstaubte (75.). Die riesige Überraschung war zum Greifen nah, doch dann erzielte Lewandowski sein 25. Saisontor.

Stimmen

Joshua Kimmich: „Abgesehen von heute tut es mir leid, dass sich die Paderborner nicht öfter für ihren tollen Fußball belohnen. Ich habe schon einige Spiele von ihnen gesehen. Es macht Spaß, ihnen zuzusehen und ich drücke ihnen die Daumen, dass sie den Klassenerhalt noch schaffen.“

Martin Przondziono: „Das war heute unsere bitterste Niederlage bislang. Es tut mir unglaublich leid für die Jungs, die nach ihrem sensationellen Fight gegen eine der besten Mannschaften der Welt wie ein Häufchen Elend in der Kabine hocken.“

Steffen Baumgart: „Wir wissen, dass wir immer am Limit sein müssen, und das haben wir gemacht. Es hat leider nicht gereicht. Die Jungs haben alles rausgehauen.“

Hansi Flick: „Paderborn hat uns absolut gefordert. Deswegen bin ich froh über die drei Punkte.“

Manuel Neuer: „Es war wichtig, dass wir als Mannschaft weiter Gas geben. Wir haben es zusammen geschafft, als Teamleistung. Es war grundsätzlich okay, aber wir haben gerade in der ersten Halbzeit zu viele Chancen liegen lassen.“

Statistik

Bayern München: Neuer - Kimmich, Alaba, Lucas Hernández - Odriozola (63. Coman), Thiago, Tolisso (87. Zirkzee), Davies - Gnabry, Philippe Coutinho (63. Müller) - Lewandowski

SC Paderborn 07: Zingerle - Jans, Strohdiek, Schonlau, Holtmann (29. Jastrzembski) - Vasiliadis, Gjasula - Pröger, Srbeny (81. Fridjónsson), Antwi-Adjej - Mamba (53. S. Michel)

Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart) - Zuschauer: 75000 (ausverkauft)

Tore: 1:0 Gnabry (25.), 1:1 Srbeny (44.), 2:1 Lewandowski (70.), 2:2 S. Michel (75.), 3:2 Lewandowski (88.)

Gelbe Karten: Lucas Hernández (3) / Gjasula (11), S. Michel (3), Antwi-Adjej (2)

Kommentare

Nicht auszudenken, was wäre, wenn ...

Eine großartige Mannschaft - aber sie setzt die falschen Akzente. Mit der Leistung von München hätte man die Hertha vor einer Woche aus dem Stadion geblasen. Gegen Mainz, Köln und Düsseldorf gilt es nun, so wie gegen Bayern zu spielen. Dann gibt´s auch mehr als nur Komplimente, für die sich niemand etwas kaufen kann.

Macht weiter!


Jungs, mal ganz ehrlich ... wie könnte man denn heute ernsthaft nicht stolz auf Euch sein?

Macht weiter! Ihr habt das drauf!

2 Kommentare

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