Paderborn will den Punkt beim BVB nicht schlechtreden Gemischte Gefühle

Paderborn (WB). Elf Paderborner liegen enttäuscht am Boden oder halten sich nach einem 3:3 in Dortmund die Hände vors Gesicht: Dieses Bild vom 22. November 2019, direkt nach dem Schlusspfiff, wird lange haften bleiben und sagt eigentlich alles über einen denkwürdigen Fußballabend.

Von Matthias Reichstein
Da war Steffen Baumgart noch bedient: Kurz nach Schlusspfiff wurde Paderborns Trainer von den SCP-Fans gefeiert.
Da war Steffen Baumgart noch bedient: Kurz nach Schlusspfiff wurde Paderborns Trainer von den SCP-Fans gefeiert. Foto: Bernd Thissen/dpa

»Kann mich mal einer zwicken?«, bat Streli Mamba in der Pause seine Kollegen. Die 3:0-Führung nach seinem Doppelpack (5./37.) und einem weiteren Treffer von Gerrit Holtmann (43.) war keine Fußball-Illusion, das war die Realität. Das auswärts sieglose Schlusslicht aus Ostwestfalen hatte den BVB ausgekontert, vorgeführt und dreifach abgestraft.

»Das war desaströs«, fasste BVB-Trainer Lucien Favre später diese für sein Team blamablen 45 Minuten zusammen, die in Dortmund auch noch lange nachwirken werden. Was aber besonders auffiel: Kein einziger Borusse lobte nach dieser erneuten Demütigung die Leistung der Ostwestfalen. Dabei zerlegte der kleine Aufsteiger in 45 Minuten eine Mannschaft, die im Sommer noch für 130 Millionen Euro aufgehübscht worden ist, zu Europas Top-Klubs zählt und sich selbst zum Titelanwärter kürte.

Der SCP legte die Schwächen gnadenlos offen und deckte schonungslos auf, dass der BVB in dieser Saison vieles ist, aber sicher kein Kandidat für die Meisterschaft. »Wir haben in diesem Stadion Eier gehabt«, sprach wenigstens Paderborns Trainer Steffen Baumgart gewohnt deutlich die imponierende Leistung seiner Elf an und stellte klar: »Dortmund war heute nicht gut, weil wir so stark waren.«

Gravierender Qualitätsunterschied

Vor allem nutzte der SCP die krassen Mängel dieser hoch bezahlten Elf aus. Wie zum Beispiel im Abwehrzentrum: Hummels und der noch langsamere Julian Weigl fanden nie ein Mittel, Paderborns schnelle Spitze Streli Mamba in den Griff zu bekommen. Nationalspieler Nico Schulz war auf der rechten Abwehrseite mit der Bewachung von Kai Pröger (spielte vor einem Jahr für RW Essen noch in der Regionalliga) genauso überfordert wie gegenüber Lukasz Piszczek in vielen Zweikämpfen mit Gerrit Holtmann. Schulz blieb zur Pause in der Kabine, Piszczek hatte erst Ruhe, als Holtmann (muskuläre Probleme) nach einer Stunde aufgeben musste. Warum es trotzdem aus Paderborner Sicht nicht zum großen Wurf reichte? Weil auch diese 90 Minuten einen am Ende doch gravierenden Qualitätsunterschied deutlich machten.

Paderborn schenkte mal wieder zwei der drei Gegentore her. Laurent Jans patzte beim schnellen Anschlusstreffer von Sancho (47.), er war zudem Wegbereiter für das 3:3 von Reus (90.+2.). Besonders bitter: Spieltag für Spieltag gibt es immer andere, die mit ihren Fehlern beim SCP die Tür für Gegentore aufmachen.

Vasiliadis vor MRT-Untersuchung

Dazu kam noch Verletzungspech. Auch wenn sich Ersatz Hamid Sabiri gut einfügte, konnte Paderborn den Ausfall des ungemein lauf- wie zweikampfstarken Sebastian Vasiliadis (Leiste) nicht im Ansatz kompensieren. Wie lange der griechische Nationalspieler fehlt, ist noch ungewiss. Am Montag erfolgt eine MRT-Untersuchung. Paderborn fehlt am Ende auch die Qualität in der Breite. Favres personelle Umstellungen – Hazard, Brandt und Hakimi kamen ins Spiel – kommentierte Baumgart später so: »Jeder Einwechselspieler würde bei uns in der Startelf stehen.«

Doch bei aller Enttäuschung über denkbar knapp verlorene zwei Punkte – mit ein paar Tagen Abstand wird die Freude über den einen gewonnenen Zähler überwiegen. »Vor dem Anpfiff hätte ich den sofort angenommen«, versuchte Baumgart das Remis bereits am Spielabend richtig einzuordnen. »Wir lassen uns den Punkt nicht schlechtreden«, meinte auch Kapitän Klaus Gjasula.

Fakt bleibt aber auch: Die Liste der leichtfertig verspielten Punkte wird beim SCP immer länger. Die Chance, den Abstand auf einen Nicht-Abstiegsplatze zu verkleinern, wurde wieder verpasst. Und für denkwürdige Fußballabende gibt’s am Ende der Bundesliga-Saison keinen Bonus. Dann wird nur noch abgerechnet.

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Stolz auf dieses Team

Selbst wenn es am Ende nicht reicht - mit solchen Auftritten werden wir trotzdem noch viel Spaß an der Mannschaft haben. Das war mal wieder richtig Spektakel à la Paderborn. Wer einer gestandene Erstliga-Mannschaft folgen will, ist beim SCP nun mal falsch am Platz, hier geht es um Talent und Entwicklung. Ich wurde heute Morgen von einem Kollegen (Effzeh-Fan) um die Moral und den Zusammenhalt dieser Truppe beneidet, und ich konnte ihm nur beipflichten.

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