SCP-Manager Przondziono vermisst aber Leichtigkeit, Freude und Spaß »Bei uns wird niemand nervös«

Paderborn (WB). Nach sieben sieglosen Spielen mit nur einem Punkt wird die Lage beim Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn langsam bedrohlich. Für Manager Martin Przondziono hakt es an »Kleinigkeiten«. Im Gespräch mit Matthias Reichstein erklärt der 50-Jährige, was noch fehlt und wie der SCP die Wende schafft.

»Es ist ja auch nicht so, dass wir permanent ausgekontert werden«: Für SC-Manager Martin Przondziono hakt es bei dem Bundesligisten derzeit an »Kleinigkeiten«.
»Es ist ja auch nicht so, dass wir permanent ausgekontert werden«: Für SC-Manager Martin Przondziono hakt es bei dem Bundesligisten derzeit an »Kleinigkeiten«. Foto: Thomas F. Starke

»Angezählt« – so lautete am Montag die Schlagzeile im WESTFALEN-BLATT. Wie stark ist der SC Paderborn denn schon angeschlagen?

Przondziono: Angezählt? Wer denn? Wir? Nein. Das ist für mich nicht der richtige Ausdruck. Natürlich sind wir alle unzufrieden, weil wir gegen Mainz ein wichtiges Spiel verloren haben. Aber wir werden jetzt nicht unseren Spielstil ändern. Wir wollen und werden weiter offensiv Fußball spielen. Und es ist ja auch nicht so, dass wir permanent ausgekontert werden. Fakt ist: Wir brauchen jetzt mal den Dosenöffner, den ersten Sieg, den Moment, in dem wir den Bock umstoßen und gewinnen. Dafür müssen wir mehr Durchschlagskraft entwickeln.

Wie zum Beispiel Hertha BSC?

Przondziono: Die Berliner machen gegen uns aus drei Chancen zwei Tore, erzwingen ihren ersten Sieg und legen dann zweimal nach. Genau das brauchen wir. Gegen Freiburg, in Wolfsburg oder in Berlin waren wir nah dran.

Ben Zolinski will kein Lob mehr hören. Er ist an einem Punkt, wo ihm egal ist, wie der SCP spielt. Er will nur endlich dreifach punkten.

Przondziono: Genau so ist es. Wir können uns für die vielen Komplimente und den tollen Weg, den wir hinter uns haben, nichts kaufen. Realistisch gesehen ist aber doch genau das eingetreten, was uns fast alle im Sommer prophezeit haben. Vielleicht mit dem einen Unterschied, dass wir im Gegensatz zu allen Prognosen in der Bundesliga doch mithalten können. Bei uns wird jetzt niemand nervös, wir wussten, dass es hart wird. Ich glaube jedenfalls weiter fest an unsere Mannschaft.

Wobei ein Sieg auch nicht alle Fragen löst.

Przondziono: Aber er würde uns voranbringen. Dann wären wir jetzt Drittletzter und nicht Letzter. Das sähe dann insgesamt schon besser aus. Aber es gibt jetzt nicht das eine Spiel, das wir unbedingt gewinnen müssen. Wir werden den Betrieb auch nicht einstellen, wenn es in Köln oder im Heimspiel gegen Düsseldorf wieder nicht klappt. Wenn wir irgendwann zehn Punkte Rückstand haben sollten, würde es natürlich schwer, aber so weit wird es nicht kommen. Unser Trainerteam arbeitet im Moment an Lösungen und ich bin mir sicher, dass das jeder einzelne Spieler auch tut. Da schludert keiner, da gibt jeder bis zum Anschlag alles.

Ist es nicht auch die individuelle Qualität, die beim SCP fehlt? So, wie der Mainzer Öztunali den Ball zur 1:0-Führung auflegt, war das nicht weit weg vom Prädikat »Extraklasse«.

Przondziono: Der Spieler liegt nicht ohne Grund bei einem Marktwert von vier Millionen Euro und ist vielleicht ein bisschen besser als einer unserer Jungs. Das ist noch ein anderes Level, aber wir erreichen das, weil wir das in der Gesamtheit auffangen werden. Im Moment sind es für mich eher Kleinigkeiten, die nicht so gut für uns laufen. Nur ein Beispiel: Wenn Jamilu Collins gegen Mainz den Elfer reinmacht, gewinnen wir vielleicht noch.

Mit Christian Strohdiek und Uwe Hünemeier sind zwei Führungsspieler raus. Fehlt der Mannschaft ein Leader?

Przondziono: Klaus Gjasula ist einer, Leopold Zingerle ebenso. Sebastian Schonlau kann da reinwachsen. Klaus war gegen Mainz nicht gut, hat aber trotzdem geführt. Ob Stefan Effenberg, Lothar Matthäus oder Matthias Sammer – sie alle waren Führungsspieler und haben alle auch mal schlecht gespielt. Das gehört dazu, das sehe ich nicht als Problem.

Reicht die Qualität des Kaders, oder würden Sie mit dem Wissen von heute noch ein paar Transfers anschieben?

Przondziono: Wir haben genug Spieler mit Potenzial. Wir müssen die richtige Mischung finden, um unser Spiel mit viel Power und Mut durchzusetzen. Im Moment blockiert der Kopf, dann machen auch die Beine nicht mehr so richtig mit. Das kenne ich auch noch als Spieler. Unsere Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass die nötige Leichtigkeit, die Freude und der Spaß am Spiel zurückkommen. Das wird schwer, aber das wird gelingen und deshalb gibt es bei uns auch keine Unruhe.

Mit Cauly Souza und Luca Kilian standen am Samstag nur zwei Zugänge auf dem Platz. Warum tun sich die Neuen so schwer?

Przondziono: Da muss man differenzieren. Wir haben 22 Spieler im Kader, die sich in etwa auf einer Leistungsebene bewegen. Da ragt keiner besonders heraus. Das war auch aus finanziellen Gründen nicht anders möglich. Laurent Jans und Gerrit Holtmann sind geholt worden, um den Konkurrenzkampf zu erhöhen und haben das Pech, dass unsere Außenverteidiger Mo Dräger und Jamilu Collins starke Leistungen gezeigt haben. Streli Mamba hatte im Angriff seine Chancen, Abdelhamid Sabiri hatte fast 18 Monate keinen Einsatz und muss erst mal einiges aufholen. Auch Rifet Kapic hat Potenzial, er muss sich aber erst noch an das Tempo in Deutschland gewöhnen. Aber die Jungs bekommen die nötige Zeit.

Wie geht es jetzt weiter? Welche Konsequenzen ziehen Sie?

Przondziono: Ich werde jetzt nicht alles, was wir uns in zwei Jahren aufgebaut haben, in Frage stellen. Ich überprüfe jeden Tag die zentralen Dinge, deshalb kann ich sagen, dass bei uns alle am Limit arbeiten. Jetzt ist es aber an der Zeit, dass wir das Glück erzwingen.

Kommentare

Auf den Punkt

Tolles Interview von Martin Przondziono!

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Hatte direkt nach dem Freiburgspiel und am 17.9 Kommentare verfasst . Sie treffen zu 100 Prozent zu .
Die sportliche Führung hat die schwache Hintermannschaft nicht gesehen .Man hätte unbedingt nachbessern
müssen .
Es kam jetzt die Einsicht und zu Umstellungen .2 Jahre funktionierte der erfrischende Angriffsfussball . Man schoss ein Tor mehr als der Gegner .

In der 1.Liga gewinnt man Spiele aus starker Defensive.

Kommt ein Umdenken kommen auch die Punkte.

2 Kommentare

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