Angezählter SC Paderborn verliert auch gegen Mainz Nur ein Punkt nach sieben Spieltagen

Paderborn (WB). Die Bundesligatabelle machte es nach dem 1:2 gegen den FSV Mainz 05 erneut deutlich: Der SC Paderborn ist am Ende. Aber nur tabellarisch, wie Manager Martin Przondziono ausdrücklich betonte: »Wir werden jetzt nicht aufhören, Fußball zu spielen. Auch nicht, wenn wir noch drei Spiele verlieren.«

Von Matthias Reichstein
Bundesliga-Premiere: Leopold Zingerle hütete in dieser Saison zum ersten Mal das Tor.
Bundesliga-Premiere: Leopold Zingerle hütete in dieser Saison zum ersten Mal das Tor. Foto: Jörn Hannemann

Nach sieben sieglosen Spielen und nur einem Punkt war zum ersten Mal so etwas wie große Ratlosigkeit rund um den Aufsteiger zu spüren. »Ich muss die richtigen Lösungen finden«, nahm sich ein konsternierter Trainer Steffen Baumgart nach Schlusspfiff in die Pflicht: »Welche, kann ich nicht sagen. Das muss ich erst mal sacken lassen.«

Ben Zolinski, der nach der frühen Führung der Mainzer durch Robin Quaison (8.) mit einem Drehschuss das 1:1 (14.) besorgt hatte, hört schon nicht mehr hin, wenn Paderborns Pleitenserie von Beobachtern mit Lob für das Geleistete begleitet wird: »Mir ist es mittlerweile egal, ob wir gut spielen. Mir würde ein Drecksspiel reichen, wenn wir nur endlich mal den ersten Dreier schaffen.«

Ungewohnt viele Fehlpässe im Aufbauspiel

Dem kam der SC Paderborn am Samstag nie nah genug. Die Mainzer, die ohne ihren gelb-rot-gesperrten Trainer Sandro Schwarz ins Spiel gingen, hatten nicht nur mehr Möglichkeiten, sondern auch die besseren. Wobei der SCP bei beiden Gegentoren kräftig mithalf. Vor dem 0:1 ließ sich »Mo« Dräger von Vorbereiter Levin Öztunali abkochen, vor dem 1:2 (32.) legte Jamilu Colins den starken Öztunali. Beim fälligen Strafstoß verlud Daniel Brosinski Schlussmann Leopold Zingerle bei dessen Bundesliga-Premiere. Kleines Kuriosum an Rande: Der Treffer war seit 2013 der 25. verwandelte FSV-Strafstoß in Folge.

Das ist ein Bundesliga-Rekord, mehr Tore fielen aber nicht. Obwohl der SCP die Gäste weiter einlud und sich ungewohnt viele Fehlpässe im Aufbauspiel leistete. »Man hat den Jungs angemerkt, dass sie nicht die Sicherheit haben, die du haben musst, wenn du ein Spiel gewinnen willst«, analysierte Baumgart den erstmals stark angezählten SCP. Lag das auch am sich bereits abzeichnenden Abstiegsdruck? »Ich werde auf jeden Fall dafür sorgen, dass die Jungs ihren Kopf oben behalten«, versprach Baumgart für die kommenden Wochen und gab einen kleinen Einblick, wie die verlorene Sicherheit zurückgeholt werden soll: »Draufhauen ist nicht das, was meine Jungs jetzt brauchen. Ich werde ihnen sagen, was sie gut machen und nicht, was alles Scheiße war.« Einer, der hinterher den Trost des Trainers besonders brauchte, war Collins. Nigerias Nationalspieler verursachte erst einen Strafstoß und verschoss nach einem Handspiel von Brosinski (79.) auch noch einen.

Keine Vorwürfe innerhalb der Mannschaft

Vorwürfe innerhalb der Mannschaft gab es keine. Zumindest drang nichts an die Öffentlichkeit. Da präsentierte sich der SC Paderborn geschlossen. »Wir sind innerlich gefestigt, verlieren nicht den Glauben an unser Können und werden deshalb nicht auseinanderfallen«, ist Zolinski überzeugt. Zingerle sprach später mit der aus seiner Sicht fehlenden Durchschlagskraft zumindest eine Ursache an. In einem waren sich aber erneut alle einig: »Wir bleiben unserer Idee vom Fußball treu.«

Wobei die Ergebnisse dringend anders ausfallen müssen. Wie es es künftig laufen soll, kommunizierte Baumgart wie so oft sehr offen, ehrlich und geradeheraus: »Nur dabeisein reicht nicht. Ein Punkt nach sieben Spielen ist auch nicht unser Anspruch. Das ist Müll.« Ob der 47-Jährige in der zweiten Länderspielpause die richtigen Ansätze findet, um künftig Spiele zu gewinnen? Daran arbeiten wird er bestimmt, eine Garantie dafür kann aber auch er nicht geben.

Kommentar von Matthias Reichstein:

Den Aufstieg in die Bundesliga hatte sich der SC Paderborn hart erarbeitet. Die Belege, dass der Verein auch hier auf Sicht konkurrenzfähig mitspielen kann, fehlen. Sieglos Letzter in der 1. Liga, alle vier Heimspiele verloren und erst einen von 21 möglichen Punkten geholt – das sind die Fakten und deshalb kann niemand zur Tagesordnung übergehen. Zumal der Erfolg der mit dem schlechtesten Erstligastart ihrer Vereinsgeschichte angereisten Mainzer verdient war.

Viel Lob, wenig Punkte – so war es für den SC Paderborn in den vergangenen Wochen. Der Neuling trifft in jedem Spiel und war – bis auf eine Ausnahme – für jeden Konkurrenten ein unangenehmer Gegner. Beeindruckend ist auch, dass dieses Team nie aufgibt. Eklig mitspielen und mit viel Moral bissig dagegenhalten reicht aber nicht, um bestehen zu können. Der SCP muss endlich auch fußballerisch über 90 Minuten konstant das abrufen, was diese Mannschaft kann.

Was die Lage zusätzlich bedrohlich macht, ist die Tatsache, dass die junge Elf nicht schnell genug aus ihren Fehlern lernt. Gegen Mainz waren es mit Jamilu Collins und »Mo« Dräger auch noch zwei Nationalspieler, die ihren direkten Anteil an der sechsten Niederlage hatten.

Die Situation spitzt sich daher zu, Hoffnung macht, wie offen der Trainer mit der Situation umgeht. Steffen Baumgart redet nichts schön, sondern stellt sogar seine eigene Arbeit infrage. Er muss nun Lösungen liefern – sofern es die gibt. Denn nach dem 1:2 gegen eine Mainzer Mannschaft, die ebenfalls Probleme haben wird, diese Liga zu halten, muss sich jeder fragen, ob die individuelle Klasse reicht. Die Doppel-Aufsteiger der vergangenen beiden Jahre machten zudem nicht den Eindruck, mit der Drucksituation klar zu kommen.

Viele Fehler, wenig Konstanz, ungewohnter Druck, fehlende Klasse: Warum Paderborn nicht so punktet, wie es nötig wäre? Klarheit werden die nächsten Wochen bringen, aussichtslos ist die Lage aber nicht. Nach sieben Spieltagen ist noch niemand abgestiegen, auch mit nur einem Punkt nach sieben Spielen kann man den Ligaverbleib schaffen. Das haben Klubs wie Schalke, Nürnberg oder Köln vorgemacht.

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