Petitions-Verfasser Dr. Jan Fischer fürchtet aber, dass es für eine Abwendung zu spät ist »Wer mit RB kooperiert, verliert«

Paderborn (WB). Mit der Online-Petition einiger Anhänger an Pfingsten haben die Diskussionen über die Kooperation des SC Paderborn mit RB Leipzig ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Verfasser ist Dr. Jan Fischer, ein Zahnarzt aus Arnsberg. Der gebürtige Mindener war früher in Paderborn tätig. Im Interview mit Peter Klute nimmt der 53-Jährige, der mit etwa 15 Freunden jedes SCP-Heimspiel in Block P verfolgt, Stellung zu seiner Aktion.

Petitions-Verfasser Dr. Jan Fischer besucht jedes Heimspiel des SC Paderborn. Im Foto gezeigt werden möchte er nicht.
Petitions-Verfasser Dr. Jan Fischer besucht jedes Heimspiel des SC Paderborn. Im Foto gezeigt werden möchte er nicht. Foto: Jörn Hannemann

Herr Dr. Fischer, das Sammelziel ihrer Petition mit 2000 Unterschriften wurde bereits am Dienstagmorgen erreicht und auf 2500 erhöht. Wie sehr überrascht Sie die große Unterstützung und warum haben Sie die Zahl 2000 gewählt?

Dr. Jan Fischer: Ich war und bin sehr überrascht. Auch darüber, welche Dynamik unsere Aktion in den Medien bekommen hat. Ich wäre schon über 500 Unterschriften froh gewesen. Ich wollte etwas Messbares, damit der Verein ins Nachdenken kommt.

Wie gehen Sie weiter vor?

Fischer: Noch bevor es das Treffen von Wirtschaftsrat und Fans Ende Juni gibt, werde ich ein Fazit ziehen und mich dann direkt an die Vereinsführung wenden. Ich hoffe, dass die Kooperation noch abwendbar ist, fürchte aber, dass es zu spät ist.

Auch weil Präsident Elmar Volkmann dieser Zeitung gegenüber betont hat, der Vertrag sei unterschrieben und dabei bliebe es, wenn es keine ganz neuen Erkenntnisse gebe?

Fischer: Ja. Wobei ich denke, dass es möglich wäre, den einen oder anderen Punkt neu zu formulieren oder nachzuverhandeln. Am liebsten aber würde ich die Kooperation ganz stoppen und setze darauf, dass der Verein vielleicht doch noch kalte Füße bekommt, eine Erstligasaison in einem toten und seelenleeren Stadion spielen zu müssen.

Sie gehen also davon aus, dass viele Anhänger austreten und die Spiele boykottieren, falls die Kooperation bestehen bleibt? Welche Konsequenzen werden Sie selbst ziehen?

Fischer: Das weiß ich noch nicht. Ich habe ja damit gedroht, dass wir den Verein nicht mehr unterstützen werden und unsere Mitgliedschaft sowie Dauerkarten kündigen, aber es könnte sein, dass wir in der kommenden Saison unseren Protest erst einmal noch ins Stadion tragen. Irgendwann werden wir das dann aber nicht mehr machen. Wie angekündigt, wird es sicher einen großen Fanschwund geben, aber da der SCP in der 1. Liga spielt, wird die Arena auch so voll sein.

Warum haben Sie sich mit ihren Freunden überhaupt zu dieser Unterschriftenaktion entschlossen?

Fischer: Rein sachlich muss man feststellen, dass wir Fans vor einer Woche quasi über Nacht vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Bei mir herrschte bis dahin eine totale Euphorie darüber, dass mein Verein sich durch den Aufstieg aus eigenem Antrieb sportlich wieder für eine der besten Ligen der Welt qualifiziert hat. Das war für mich märchenhaft und ich war glücklich. Das hat sich durch die Nachricht der Kooperation mit RB Leipzig schlagartig geändert. Ich sehe das Konstrukt RB ausgesprochen kritisch und bin unglücklich darüber, dass der SC Paderborn ein Teil davon wird. Ohne Kommunikation mit den Fans und ohne, mit dieser Absicht vorher an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. Aber ich kann auch das Verhalten einiger Anhänger nicht verstehen, die mich beispielsweise als Selbstdarsteller anfeinden.

Was sagen Sie denen?

Fischer: Dass es nicht um mich oder eine Verunglimpfung geht, sondern um den SC Paderborn. Ich möchte nicht im Vordergrund stehen und als Kopf unserer Gruppe auftreten, sondern nur meine Meinung und die meiner Freunde in Block P vertreten. Wir sind normale Fans, nicht mehr und nicht weniger. Es geht hier nicht um Gruppierungen, Gegnerschaften oder eine Anti-Red-Bull-Kampagne. Es handelt es sich um eine rein private Initiative. Das ist mir wichtig, weil durch die bewusste Aussage von Herrn Hornberger (Martin Hornberger ist der Geschäftsführer des SC Paderborn, Anmerkung der Redaktion), dass er mich nicht kenne, der Eindruck entsteht, es handele sich um eine von außen gesteuerte Aktion und bis auf wenige gingen nur Unterschriften von weit her ein. Das ist nicht der Fall, fast 50 Prozent der Stimmen entfallen auf Paderborn und Umgebung, bei einem Radius von 80 Kilometern.

Was ist Ihre größte Sorge bei dieser Kooperation?

Fischer: Der SC Paderborn wird seine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit abgeben und nicht mehr Herr der Lage sein. Wer mit RB kooperiert, verliert. Das war immer so. Ich finde die Entscheidung des SCP naiv und fahrlässig, da bin ich ein Stück weit Idealist. Die Gremien machen sich meiner Meinung nach keinen Begriff davon, was so eine Kooperation wirklich bedeutet und welche Auswirkungen sie hat. Im Tennis würde man von einem unforced error sprechen. Eine Fehler ohne Not, nur um vielleicht etwas länger in der 1. Liga zu bleiben.

Laut Aussage der SCP-Verantwortlichen geht es aber lediglich um einen Austausch im sportlichen Bereich?

Fischer: Das Fatale ist ja, dass die Öffentlichkeit nicht wirklich erfährt, was die Kooperation beinhaltet. Ich bin mir aber sicher, dass es nicht nur ums Sportliche geht. Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff hat in einer Pressekonferenz selbst gesagt, dass es auch eine Zusammenarbeit im kommerziellen Bereich geben wird. Das bedeutet für mich, dass sich der SCP wirtschaftlich von RB abhängig macht. Außerdem möchten Sponsoren ein sauberes Image. Sie haben bisher einen kleinen, sympathischen Regionalverein unterstützt. Und jetzt? Aber auch auf sportlicher Ebene bin ich skeptisch. Wenn Red Bull Talente aus Brasilien oder den USA nach Paderborn ausleiht, kann der SCP diese Spieler dann auf die Bank setzen?

Kommentare

Ich mache mir die Welt...

Die verzerrte Wahrnehmung so manches Kooperations-Befürworters ist schon interessant. Da kommen die vielen Unterzeichner der Petition plötzlich alle aus dem bösen Münster oder aus dem finsteren Bielefeld.
Und die vielen Menschen aus Paderborn sind in Wirklichkeit russische und chinesische Roboter.
Also bitte!
Nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Fan-Szene in Paderborn seit der unglückseligen Entscheidung von letzter Woche tief gespalten ist. Eine Versöhnung ist nicht in Sicht, die Gräben werden eher immer tiefer.
Und das alles nur, weil man die Hoffnung auf einen RB-Wunderkicker hat, der mal eine Saison in die ostwestfälische Provinz ausgeliehen wird.
Ist es das wert?

Koop mit RB , wer hat eigentlich die Mitglieder gefragt ?

schaut euch den SSV Makranstädt als Steigbügelhalter für RB an an , jetzt droht der Abstieg in Liga 8 ... schaut euch Salzburg an ,wieviele Spieler mussten die nach Leipzig abgeben , Schaut euch den Spielerwechsel von Sabitzer an , wie dieser Spieler trotz Wechselverbot in der Ösi Liga von Leipzig nach Salzburg gegeben wurde . schaut auf die Probleme die die UEFA mit Financail Fair Play mit RB Leipzig hat .Und zum Schluss den vom FC Sachsen Leipzig in Zuge der Insolvenz erpressten Nachwuchs ... Beispiel Felix Beiersdorf , eins der Toptalente im Fußball , dieser wurde so verbrannt , das er nur noch Stadtliga spielt .. Macht nicht den selben Fehler .. auch ein eigenmächtiger SCP Präsident muss gewählt werden und kann auch von den Mitgliedern abgesetzt werden , macht nicht den Fehler und verkauft Eure Seele an dieses machtbesessene RB Konstrukt , Ihr werdet den kürzeren ziehen .Hinter RB steht ein Milliarden Konzern , Ihr seid nur "kleiner" Club .. mehr ist dazu nicht mehr zu sagen ...wenn diese Koop so bleibt , wird sich die Ablehnung in ganz Deutschland , über Euch ergießen , das kann niemand wirklich wollen ...

zur Qualität und Gültigkeit dieser Petition


Zitat aus dem Interview mit dem Arnsberger Zahnarzt "fast 50 Prozent der Stimmen entfallen auf Paderborn und Umgebung, bei einem Radius von 80 Kilometern."

Heißt, daß knapp die Hälfte der Petition u.a. aus Osnabrück, Münster und Bielefeld unterstützt wird. Keine weiteren Fragen nötig, oder?

So und das war ja nur knapp die Hälfte. Nun bleibt die Mehrheit dieser Petition. Die können von irgendwo aus der kompletten Welt kommen. Könnten auch Roboterklick sein von irgendwoher, aus Russland oder China oder Neufundland. Wie das irgendeine Relevanz für den SCP haben soll - Wahnsinn.

Ach ja, es ist auch möglich als einzelne Person bei dieser Petition mehrere male abzustimmen. Wenn ich mir jetzt noch ein bißchen Zeit nehme, mache ich glatt mal 50 Abstimmungen. Was für ein Schwachsinn.

Echte Paderborner, merkt, was euch diese Petition vormachen will.

Und Westfalen Blatt - ich finde eure Berichterstattung mittlerweile ziemlich einseitig, Nämlich gegen diese Kooperation. Es gibt online pro Tag mindestens eine Meldung zu dem Thema - und bislang habe ich noch keine PRO gelesen. Obwohl sich das in vielen Kommentaren wiederfindet.

Seid neutral - ich finde, momentan seid ihr es nicht.

Wenige Fans, wenige Sponsoren...

aber trotzdem in die 1. Liga aufgestiegen. Und das allles ohne einen Namenssponsor? Das kann doch nicht sein! Ist aber trotzdem so passiert. Kaum zu glauben, fast wie im Märchen. Eine schöne Geschichte die allen die in diesem Geschäft tätig sind zeigt, das auch ohne das große Geld was gehen kann. Es ist schön zu sehen das man auch dort mit sportlicher Kompetenz etwas erreichen kann. Wenn das Märchen so fortgeschrieben wird, müsste es in der kommenden Saison einen Platz im internationalen Wettbewerb geben. Vielleicht hilft an dieser Stelle der Deal mit RB. Oder aber, siehe Moral von dieser Geschichte, aber auch nicht. Man wird's am Ende sehen.

Zu den Verträgen von damsls ist auch noch zu sagen. Erst würde Born als SchnäppchenBorn gefeiert und dann war er Schuld an den schlechten Verträgen. Wird zu gewissen Prozentsatz auch stimmen, aber vielleicht musst er auch solche Verträge abschliessen ansonsten wären damals solche Spieler nicht zu uns gekommen oder geblieben. Mal darüber nachgedacht?
Wer jetzt glaubt, dass wir in jeder Saison 2 bis 3 Spieler für Millionen verkaufen können , ist aus meiner Sicht sehr blauäugig , gerade wenn es sportlich mal nicht gut läuft und der gut vernetzte Krösche weg ist. Nur auf dieses Vorgehen zu setzen ist sehr riskant und nach meiner Meinung wird dieses Risiko durch die Koop mit RB abgemildert, deswegen pro Koop.

Sehe ich auch so

Stimme Ihnen komplett zu Herr Solneman.
Eins ist Fakt , jede Saison 3. Liga hat uns ca. 3 Millionen minus beschert und es ist ja keiner so vermessen, dass man sagen kann, 3. Liga wird dem SCP nie wieder passieren. Und dann gehen irgendwann die Lichter aus oder Bedeutungslosigkeit a la RWO, RWE usw.
Einen großen Investor haben wir nicht, auch viele kleine oder mittelgrosse stehen derzeit nicht parat, von der vergleichbaren kleinen Fanbasis kann man auch nicht überleben auf dem Niveau also müssen andere Möglichkeiten her, wie zum Beispiel diese Koop, ist dies mein Wunsch gewesen? Nein. Aber ich gebe der Sache eine Chance, da ich selber auch keine aktuellen anderen Lösungen sehe. Diese Koop kann ja auch schnell wieder von uns beendet werden, aber ich denke so lange Krösche bei RB ist, werden wir sehr davon profitieren ohne grosses Risiko.
Nachher sind immer alle klüger, jetzt Hornberger für alles die Schuld zu geben finde ich auch nicht richtig, habe vieles auch nicht verstanden was er gemacht hat, aber anscheinend gab es auch wenige Alternativen wie einst Herr Finke sagte. Ich hoffe er hat aus der Vergangenheit gelernt.
Ich finde auch nicht alles gut, was bei uns läuft, z. Bsp. : Warum meldet Gladbach schon Stopp des Dauerkartenverkaufs für die kommende Saison und in PB sind noch keine Preise bzw Modalitäten diesbezüglich genannt worden und dabei hiess es nach dem Aufstieg, kommt alles zeitnah und jetzt macht man lieber 2 Wochen Urlaub in der Geschäftsstelle. Aber so ist das bei uns.

Man sollte den Ball flach halten


Ohne Finke würde Paderborn heute allenfalls in der Regionalliga rumdümpeln. Finke war für Paderborn das, was Red Bull für Leipzig ist, VW für Wolfsburg, SAP für Hoffenheim usw. Es ist doch völlig naiv zu glauben, dass irgendwo in Europa es auch nur ein Verein schafft, im bezahlten Fußball ohne Sponsoren, die immer auch Einfluss auf den Verein haben, dauerhaft zu überleben. Somit ist ja selbst der SCP, wie praktisch jeder Verein auch, nur durch Einflussnahme eines Unternehmers groß geworden, der den Verein natürlich auch als Werbeplattform genutzt hat.
Finke als Hauptsponsor und Lebensversicherung gibt es aber nun nicht mehr. Damit steht Paderborn im Vergleich zur Konkurrenz blank dar. Markus Krösche ist und bleibt mit Paderborn verbunden, er hatte immer ein Händchen für Talente. Was spricht nun also dagegen, auf Spieler indirekt zugreifen zu können, die Markus nicht direkt im Kader von RB sieht, die aber dem SCP auf Leihbasis (wie z.B das Modell Tekpetey) vielleicht sogar ein Verbleib in der Bundesliga ermöglichen könnten. Ein „Farmteam“ ist der SCP so oder so, alle Spieler, die in der kommenden Saison einschlagen, werden sofort auf der Wunschliste anderer finanzstarker Teams auftauchen und nicht dauerhaft in Paderborn bleiben. Somit sind wir das Farmteam der ganzen Liga und nicht nur von RBL.
Zudem: Herr Fischer gibt selber zu, die genaue Vereinbarung mit RBL nicht zu kennen, urteilt aber pauschal, als hätte er die Details verhandelt. Gegen eine wie oben beschriebene „Zusammenarbeit“ hätte ich nichts einzuwenden, weitere wirtschaftliche Verflechtungen würde ich auch ablehnen, das ist aber auch nicht Gegenstand der Verlautbarungen.

Die finanzielle Katastrophe ist ja auch zum Großteil Schuld von Herrn Hornberger. Wie viele lokale Sponsoren wurde durch seinen Höhenflug zum ersten Bundesliga Aufstieg verprellt? Glauben Sie mir, in dem Personenkreis von Firmeninhabern ist sowas noch nicht vergessen worden.

Die schlechten Verträge in der Abstiegsphase, Effenberg, Übersoldung usw. haben auch einen Erheblichen Anteil an dem dicken Minus. Nicht zuvergessen das man sich mit dem Stadion absolut verkalkuliert hat.

Wer glaubt das man durch die Kooperation in ruhigere finanzielle Fahrwasser kommt, muss ein absoluter Narr sein. Was wäre so falsch daran wenn man sportlich ein paar Klassen einbüßt? Wohl nur das sich manche die Taschen nicht mehr so voll machen können.

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