SCP-Fans drohen ihrem eigenen Verein wegen RB Leipzig mit Boykott Aufregung um PadeRBorn

Paderborn (WB). Die Kooperation zwischen dem SC Paderborn und RB Leipzig bringt die Fans des Bundesliga-Aufsteigers auf die Palme. Schon am Dienstagabend hing an der Arena ein Protest-Plakat, am Mittwoch legte die aktive Fanszene mit einer Erklärung nach und drohte mit Boykott .

Von Matthias Reichstein
Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff will Paderborn »unter die Arme greifen«, der designierte SCP-Manager Martin Przondziono verspricht: »Wir werden unsere SCP-DNA behalten.«
Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff will Paderborn »unter die Arme greifen«, der designierte SCP-Manager Martin Przondziono verspricht: »Wir werden unsere SCP-DNA behalten.« Foto: Matthias Reichstein

»Sollte die Zusammenarbeit mit RB Leipzig umgesetzt werden, wird die aktive Fanszene den Spielen des SC Paderborn 07 bis auf Weiteres fernbleiben. Unsere Vereinsliebe und die jahrzehntelange Unterstützung stirbt mit dem Tag einer RB Leipzig Kooperation«, schreiben die Anhänger und fordern die Vereinsführung um Präsident Elmar Volkmann umgehend auf, »von der anvisierten Kooperation mit dem Konstrukt RB Leipzig Abstand zu nehmen«.

Volkmann selbst versuchte gegenzusteuern und kündigte ein Treffen mit der Fanszene, die von sechs Organisationen unterstützt wird, für die letzte Juniwoche an. »Was in unsere Vereinbarung alles reininterpretiert wird, ist kompletter Blödsinn. Es wird keine Zusammenarbeit auf wirtschaftlicher Ebene geben und daher wird sich unser SCP auch nicht an RB Leipzig verkaufen.«

Konkrete Angaben zu den Inhalten der Zusammenarbeit machte der 72-Jährige nicht: »Markus Krösche und unser künftiger Manager sind die handelnden Personen. Sie werden unsere Vereinbarung mit Leben füllen.« Geplant ist Personal (Spieler und auch Trainer) auszutauschen und gemeinsame Seminare zu veranstalten.

Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff sprach auch von »Hospitationen« und sagte: »Da gibt es ein komplett neues Management-Team in Paderborn, dem wir nach dem Bundesliga-Aufstieg unter die Arme greifen wollen.«

Die Kooperation gefällt den Anhängern des Aufsteigers überhaupt nicht. Sie machten ihren Protest in einer Erklärung öffentlich.

Wann die Gesprächsrunde mit den Fans genau stattfinden wird, will der SCP nicht öffentlich machen. »Das haben wir mit der Szene so vereinbart,« erklärte Geschäftsführer Martin Hornberger. Die Runde soll aber hochkarätig besetzt sein.

Neben Mitgliedern des Präsidiums mit SCP-Boss Volkmann an der Spitze werden auch Vertreter des Aufsichtsrates dabei sein. »Im Rahmen unseres blau-schwarzen Dialogs werden wir Fakten zur Kooperation liefern«, sagte Hornberger, der diese Zusammenkunft auch organisiert.

Erklärungsversuch am Mittwochabend

Einen ersten offiziellen Erklärungsversuch startete der SCP noch am Mittwochabend auf der Vereinshomepage: Die Idee einer möglichen Kooperation habe sich im Zuge der harten, aber stets fairen Verhandlungen rund um die Personalie Markus Krösche beiderseits ergeben, heißt es.

Inhaltlich ziele die Kooperation auf einen gegenseitigen Austausch über sportliche Entwicklungen, insbesondere im Bereich der Ausbildung von Spielern und der Fortbildung von Trainern ab. Eine konkrete Dauer sei nicht vereinbart worden.

Baumgart: »Wir behalten unsere Identität«

Paderborns Trainer Steffen Baumgart stößt sich an dem Wort »Kooperation« und meinte: »Das gefällt mir nicht. Wir werden keine Zweigstelle, kein Ableger oder Filiale von RB Leipzig. Wir bleiben eigenständig und behalten unsere Identität. Wir leihen uns Spieler, um unsere Ziele zu erreichen. Das haben wir in der Vergangenheit auch mit anderen Vereinen gemacht, alles andere wäre auch fahrlässig.«

Als Beispiel nannte er Bernard Tekpetey: Der wurde vor einem Jahr vom FC Schalke 04 für 150.000 Euro, verbunden mit einem Rückkaufsrecht, verpflichtet und Ende Mai für 2,5 Millionen Euro von den Knappen zurückgeholt. Ein Gewinn von mehr als 1500 Prozent. »Das dürfte für die paar Monate ein Bundesliga-Rekord sein«, sagte Baumgart und fügte noch an: »In erster Linie geht es doch bei allen Transfers um den Menschen und den Fußballer, nicht um den Verein.«

Der designierte Manager Martin Przondziono wollte das Thema erst gar nicht so hoch hängen: »Wir koppeln uns nicht an einen Verein, wir werden unsere SCP-DNA behalten und unsere Strategie weiterleben. Wir wollen in erster Linie das Netzwerk nutzen.« Warum ein Großteil der Anhängerschaft so negativ reagiert? Przondziono fand diese Erklärung: »Das ist auch der Enttäuschung geschuldet, dass Markus nach Leipzig geht und nicht jeder das Konstrukt vom RB toll findet.«

Auch positive Reaktionen unter den Fans

Im Paderborner Fan-Forum gab es aber auch andere Reaktionen. Ein Nutzer schrieb zum Beispiel: »Eine Kooperation mit einem der zur Zeit erfolgreichsten Bundesligavereine kann Paderborn doch nur helfen.«

Ein anderer Nutzer ergänzte: »Ich kann eure Meinung in der Schärfe auch überhaupt nicht nachvollziehen. Vernünftig gemacht kann dies auch eine Chance sein.« Eine Nutzerin bemängelte auch die Informationspolitik: »Ich wüsste erstmal gerne, welche Punkte genau unter den Begriff Kooperation fallen. Ohne weitere Infos einfach Nein zu sagen, wirkt einfach nur trotzig.«

Wegen des angekündigten Boykotts der SCP-Spiele schrieb Baumgart den Fans übrigens noch Folgendes ins Stammbuch: »Wir leben in einem freien Land, da darf jeder seine Meinung haben. Ich mag es deshalb gar nicht, wenn gleich gedroht wird. Das ärgert mich dann maßlos. Bei allem Verständnis für den Unmut.«

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) teilte mit, dass es formal keine grundsätzlichen Einwände gegen die Zusammenarbeit zwischen Bundesligaklubs gäbe. Allerdings würden Vorgaben es verbieten, dass Personen gleichzeitig in Kontroll- oder Entscheidungsgremien zweier Bundesligavereine sitzen.

Heute wird Przondziono neuer SCP-Manager

Heute wird der SC Paderborn Vollzug melden und Martin Przondziono als neuen Manager präsentieren. Am Dienstagabend führte der 49-Jährige die entscheidenden Gesprächen mit der SCP-Führung, der Mittwoch wurde genutzt, um auch die übrigen Mitglieder des mächtigen Wirtschaftsrates (Präsidium, Aufsichtsrat und zusätzlich ernannte Mitglieder) über den Stand der Verhandlungen zu informieren.

»Wir wollen auch im sportlichen Bereich Kontinuität, deshalb spricht viel für Herrn Przondziono«, sagte Präsident Elmar Volkmann. Der desginierte Sportchef sieht dem heutigen Tag ebenfalls sehr zuversichtlich entgegen: »Die Gespräche liefen gut. Wenn wir uns am Donnerstag einigen, bleibt unser Verein auch auf sportlicher Ebene voll handlungsfähig.«

Kommentare

Kooperation mit Leipzig

Da sieht man wieder einmal , wie viele solcher „Fans“ und deren Clubs oft sehr einfach und kurzsichtig denken ! Solche „Fans“ sollten doch erst einmal die Fakten abwarten und diese überdenken , wenn sie so etwas überhaupt können , bevor sie mit emotional überzogenen Reaktionen reagieren .
Eine Zusammenarbeit , wie die jetzt angedachte , kann ein grundsätzliches Model der Zukunft sein . Warum sollte Paderborn nicht einmal der Vorreiter sein ?!
Bei den ständig wachsenden wenigen Megavereinen und einer Menge kleinerer Gartenzwerge könnte ein solches Model diesen Sport vielleicht sogar in ein besseres Licht rücken . Richtig gemacht profitieren dann daraus beide Vereine sportlich und finanziell und nicht zuletzt dann auch die „Fans“ .

Der ärgerlichste Fehler seit Hoyzer

Lieber SCP07, liebe Supporter, lieber Steffen Baumgart, lieber Markus Krösche, liebe Leser des WV,

worum es geht ist nichts weiter als eine Weichenstellung für die Zukunft unseres Sportclubs. Wie in einem Artikel der Neuen Westfälischen berichtet, gibt es Netzwerke im Fußball, die sich gegenseitig sportlich unterstützen. Es gibt aber auch Netzwerke, die eitle Milliardäre sich leisten (können) und das hat nichts mit Demokratie zu tun. Und es gibt sympathische Clubs, die von ihrer Fanszene fast bedingungslos unterstützt werden. Dazu zähle ich alle Aufsteiger 2018/2019 aus der zweiten Bundesliga und viele Vereine aus der ersten Bundesliga. Von einer Vereinsführung erwarte ich und sehr viele andere auch Transparenz und Augenhöhe mit den Fans. Transparenz bedeutet nicht, rumzueiern, was genau mit „Umfangreiche Kooperation“ gemeint ist sondern den Vertrag (ich vermute es gibt so etwas) auf den Tisch zu legen also öffentlich zu machen. Erst dann kann jede/r sich eine Meinung bilden.
Meiner Meinung nach hat es der SCP07 nicht nötig eine Kooperation mit dubiosen Brausefabrikanten wie Mateschitz einzugehen. Dass es auch anders geht, dafür gibt es viele Beispiele. Das Beispiel FC Union Berlin dürfte Steffen als Mitglied dieses Vereins kennen. Hier habe ich Freunde, die entweder beim Stadionneubau ehrenamtlich mitgeholfen haben oder eine Aktie für zum Beispiel 500 € erworben haben. Der SCP07, von vielen mittelständischen Sponsoren und seiner Fangemeinde unterstützt und getragen tut sich keinen Gefallen mit dieser für sicher 90% der aktiven Fanszene aller Clubs der zweiten und ersten Bundesliga nicht nachvollziehbaren Entscheidung.
Nach diesen sagenhaften zwei Jahren mit doppeltem Durchmarsch hat sich der SCP07 Sympathien und Respekt weit über den eigenen Anhang hinaus erworben. Dies alles droht er jetzt zu verspielen.
Nicht die Supporter drohen dem Verein, der Verein macht einen absolut vermeidbaren Fehler!

Gemeinsam auf nach vorn, Alles für Paderborn!

Markus Tewes (Wahlberliner, Paderborner, Noch-Fan des SCP07, Sympathisant von Union Berlin)

Das Wörtchen Kooperation

Warum hat man das überhaupt öffentlich gemacht? Weil die Ablösesumme so gering ist und der SCP der eigentliche Nutznießer ist. Es gibt viele Vereine die ähnliches im "Stillen" machen. Durch die Veröffentlichung ohne Details und das Wörtchen Kooperation hat man einen schweren Fehler begangen, welcher sofort zu wildesten Spekulationen in der Bild führte. Die aktive Fanszene konnte gar nicht anders als sich zu Recht deutlich zu positionieren, wenn sie bundesweit noch irgendwie Ernst genommen werden will.

voreile Boykott-Drohungen

Diese voreiligen Boykottdrohungen haben ein Problem: man läuft Gefahr, sich völlig unglaubwürdig zu machen.

Wir erinnern uns an den letzten Boykottaufruf: er endete mit finanziellen Zugeständnissen an die Ultra-Szene und einem eher symbolischen Entgegebkommen.

WIrd die Boykott-Drohung erneut so abgeräumt, ist man nicht nur unglaubwürdig, es entsteht auch der Verdacht der Käuflichkeit (beider Seiten).

Das ist das Problem, wenn man sich freikauft. Es wird nie das letzte Mal gewesen sein!

4 Kommentare

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