Paderborn: Scheidender Sportchef macht sich für seine rechte Hand als Nachfolger stark Krösche über Przondziono: »Die beste Lösung«

Paderborn (WB). Wochenlang wirkte der Wechsel von Markus Krösche von Paderborn nach Leipzig wie eine unendliche Geschichte, zum Schluss ging’s dann schnell: Anfrage am Donnerstag, Vertragsabschluss am Montag und gestern die Veröffentlichung.

Von Matthias Reichstein
Ein Jahr lang ein erfolgreiches Duo: Markus Krösche (rechts) und sein potenzieller Nachfolger Martin Przondziono.
Ein Jahr lang ein erfolgreiches Duo: Markus Krösche (rechts) und sein potenzieller Nachfolger Martin Przondziono. Foto: Thomas F. Starke

Ähnlich temporeich will der Bundesliga-Aufsteiger jetzt auch die Nachfolge regeln. Bereits am Montagabend stellte sich Martin Przondziono dem mächtigen Wirtschaftsrat (Präsidium und Aufsichtsrat) des SCP vor. »Hier haben wir uns mal beschnuppert, die konkreten Verhandlungen beginnen jetzt«, sagte Paderborns Präsident Elmar Volkmann.

Seit einem Jahr der »Leiter Lizenzbereich«

Przondziono arbeitet seit einem Jahr als »Leiter Lizenzbereich« für den SCP und ist als Kaderplaner die rechte Hand von Krösche. Der machte sich am Dienstag im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT besonders stark für den 49-Jährigen: »Es gibt für mich keine bessere Lösung. Martin würde den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen.« Auch Volkmann denkt in eine ähnliche Richtung: »Wir blicken zuerst nach innen und diskutieren, wer hat was zu unserem Aufstieg beigetragen? Und deshalb spricht viel für Przondziono.« Volkmann warnte auf Anfrage aber: »Hier hinterlässt jemand große Fußstapfen. Die Aufgabe muss man auch wollen.«

Hochzeit am Freitag, Urlaub ab Samstag und 50. Geburtstag am Dienstag

Das steht für Przondziono außer Frage. Der Ex-Profi will und verspricht: »Ich werde die Arbeit genauso weiterführen. Es steht nur ein anderer Name an der Spitze.« Wenn alles glatt läuft, möchten sich beide Seiten bis Donnerstagabend einigen. Danach hätte Krösches potenzieller Nachfolger allerdings auch arge Terminprobleme: Hochzeit am Freitag, Urlaub ab Samstag und am Dienstag wird er runde 50.

Krösche wird am 8. Juli in Leipzig vorgestellt

Dieser Zeitplan steht, der von Markus Krösche auch: Am 15. Juni endet seine zweite Amtszeit in Paderborn, am 8. Juli wird der 38-Jährige bei RB Leipzig als Nachfolger von Ralf Rangnick (Bericht links) vorgestellt. Krösche hat in Sachsen künftig das sportliche Sagen, bestimmt den gesamten Profibereich (Transfers, Trainer, Ausrichtung) und hat auch die Führung in der RBL-Fußball-Akademie inne. Ein riesiger Karrieresprung für den SCP-Rekordspieler (354 Einsätze) – auch finanziell: Der Dreijahresvertrag soll ein Volumen von sechs Millionen Euro umfassen, der SCP kassiert etwa eine Million Euro Ablöse und wird künftig auch vom weltweiten Netzwerk des Champions-League-Teilnehmers profitieren.

Langfristige Kooperation vereinbart

Beide Seiten vereinbarten eine langfristige Kooperation, die sehr breit gefächert sein soll. »Wir wollen regelmäßig nicht nur Ideen austauschen. Ich könnte mir auch gut vorstellen, bei Transfers oder der Trainerausbildung zusammenzuarbeiten«, sagt Przondziono. Konkreter wurde Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff. Für ihn sei es denkbar, dass Spieler in Zukunft erst nach Paderborn ausgeliehen werden, bevor man sie nach Leipzig holt. Die Kooperation beziehe sich unter anderem auch auf einen Austausch im Scouting-Bereich. Eine Zusammenarbeit mache auch deshalb Sinn, weil Krösche den SCP gut kenne, sagte Mintzlaff

RB für Krösche die bewusste Bauchentscheidung

Mit der Entscheidung für die Sachsen endet für Krösche auch ein monatelanges Gezerre. Hannover 96, der 1. FC Nürnberg und auch Schalke 04 hatten angefragt, richtig konkret verhandelt wurde neben Leipzig aber nur mit Schalke. »Am Ende war es eine Bauchentscheidung, bei der ich mich ganz bewusst für Leipzig entschieden habe«, sagte Krösche. Dass der Deal mit den Königsblauen letztlich an seinen Gehaltsforderungen gescheitert sein soll, bezeichnete er als »schlicht falsch«.

Für Krösche, der seit 2001 fast ausschließlich in Paderborn lebt und wohnt, wird sich auch privat einiges ändern. Leipzig liegt nicht in der Nachbarschaft, ob er mit seiner Frau Viktoria und den Töchtern Maya (10) und Clara (7) nun komplett Ostwestfalen verlässt und in die größte Stadt Sachsen (knapp 600.000 Einwohner) übersiedelt, ist nicht entschieden: »Das wird die Zeit zeigen.«

Kommentare

Eine PR-Katastrophe

Wie weit die Verantwortlichen des SCP von ihrer Fan-Basis weg sind, kann man an diesem PR-Desaster schön sehen. Mal eben eine nicht näher definierte ABER langfristige Kooperation mit dem RB-Konzern raushauen und es sich mit der Hälfte der Fans verscherzen. Offensichtlich gilt RB in den Kreisen als Erfolgsmodell und saloonfähig. Und wahrscheinlich wundert man sich jetzt über den Boykott der aktiven Fanszene.

Jetzt kann man das PR-Desaster nur noch versuchen zu retten, indem man stark zurück rudert und exakt definiert was gemeint war. Eigentlich hatte ich gedacht, dass man beim SCP dazu gelernt hat.

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