TV-Gelder, Videobeweis-Technik und erste Termine So bereitet sich der SCP auf die 1. Liga vor

Paderborn (WB/MR). Die Rückkehr des SC Paderborn in die 1. Liga ist überraschend, sie trifft den kleinen Klub aus Ostwestfalen aber nicht unvorbereitet. Ein paar Änderungen wird es jedoch geben. Zum Beispiel wollte der SCP seine Saisonpremiere am 23. Juni im Testspiel beim A-Ligisten VfB Salzkotten feiern. Die wird nach dem Aufstieg wohl verlegt.

Noch mehr Kameras: Allein für die neue Torlinientechnik werden 14 zusätzliche Messkameras eingesetzt.
Noch mehr Kameras: Allein für die neue Torlinientechnik werden 14 zusätzliche Messkameras eingesetzt. Foto: Jörn Hannemann

Wie geht es weiter?

Die Saison beginnt erst am 16. August (der Zweitligastart wäre schon am 26. Juli gewesen), aber soviel ändert sich dann doch nicht. Die 1. Runde im DFB-Pokal beginnt am 9. August, die Winterpause für beide Ligen am 23. Dezember. In der Bundesliga rollt der Ball aber bereits ab dem 17. Januar 2020 (2. Liga: 28. Januar). Die Saison 2019/20 endet am Samstag, 16. Mai 2020. Einen Tag später ist in der 2. Liga Schluss.

Wie läuft die Vorbereitung?

Der SCP bezieht erneut kein Trainingslager. Diese Entscheidung wurde unabhängig vom sportlichen Erfolg bereits vor Wochen getroffen. Da die 1. Liga drei Wochen später startet, ist der von Teammanager Ole Siegel schon fertige Vorbereitungsplan noch einmal verändert worden. Der ursprünglich für den 19. Juni terminierte Trainingsauftakt wurde auf den 30. Juni verlegt. Nicht mit dabei ist Nationalspieler Jamilu Collins (Nigeria) und wohl auch nicht Mohamed Dräger (Tunesien).

Die beiden spielen beim Afrika-Cup (21. Juni bis 19. Juli) in Ägypten. Wobei dem SCP bislang nur eine Einladung für Collins vorliegt. Insgesamt sieben Testspiele plant der SCP, die Gegner kommen nicht nur aus verschiedenen Ligen, sondern auch aus dem In- und Ausland. Der Auftakt sollte beim Kreisligisten VfB Salzkotten stattfinden.

Das soll auch so bleiben, nur der Termin (23. Juni, 15 Uhr) wird nun geändert. »Wir werde jetzt sehr schnell mit dem VfB Salzkotten Kontakt aufnehmen. An dem Spiel wollen wir festhalten, aber mit dem Aufstieg waren wir gezwungen, alle Planungen zu überdenken«, sagte Siegel. Ein anderer Gegner ist der Premier-League-Aufsteiger Norwich City mit Trainer Daniel Farke und den Ex-Paderbornern Mario Vrancic und Dennis Srbeny.

Wie sieht der Etat aus?

Der bleibt vergleichsweise bescheiden. Das Budget lag in der 2. Liga bei 6,5 Millionen Euro und wird auf etwa 22 Millionen Euro ansteigen. Zum Vergleich: Dem SCP gelang 2014 der Aufstieg mit einen Etat in Höhe von 6,2 Millionen Euro und lag in der 1. Liga bei 18 Millionen Euro. Allein die TV-Einnahmen steigen um 25 Millionen auf etwa 33 Millionen Euro.

Was wird aus der Arena?

Paderborns sportliche Heimat ist mit 15 000 Zuschauern wieder das kleinste Stadion in Liga 1, erfüllt aber nicht mehr die Auflagen der Deutschen Fußballliga (DFL). Seit dem 1. Juli 2017 müssen die Erstligastadien über mindestens 8000 Sitzplätze verfügen, die 2008 fertiggestellte Arena kommt aber nur auf 5800. Eine Umrüstung von Steh- auf Sitzplätzen ist nicht möglich, weil sonst die erwähnte Mindestkapazität unterschritten wird.

Der SCP muss nun der DFL einen detaillierten Überblick und einen Zeitplan für die Umrüstung vorlegen. Die Paderborner hoffen dann auf eine Ausnahmegenehmigung und wollen den nötigen Umbau erst zu Beginn der Saison 2021/22 fertigstellen. Auch für die 2. Liga gibt es Baupläne: Es soll ein drittes Obergeschoss entstehen und damit der VIP-Bereich (neuer Raum und zusätzliche Tribünenplätze) für etwa 200 Gäste erweitert werden. Die Fertigstellung ist hier bereits für den Saisonstart 2020/21 vorgesehen.

Was kostet der Videobeweis?

Unabhängig vom Aufstieg wäre der Videobeweis – der mit Beginn der Serie 2017/18 in der 1. Liga eingeführt wurde – zum Start der neuen Saison ohnehin nach Paderborn gekommen. Denn auch die 2. Liga setzt künftig auf die technische Hilfe. Den SCP kostet der Videobeweis jährlich etwa 200.000 Euro. Davon wurden nicht nur die Technik (mehr Kameras, Glasfaserkabel) bezahlt, sondern auch die Videoassistenten im »Kölner Keller«.

Und die Torlinientechnik?

Mit dem Erstligaaufstieg wird in der Benteler-Arena auch die Torlinientechnik mit insgesamt 14 Kameras am Stadiondach installiert. Für jedes der beiden Tore gibt es sechs Messkameras, die die Bewegung des Balls in Tornähe erfassen. Registriert das System, dass der Ball die Torlinie mit vollem Durchmesser überquert hat, wird der Schiedsrichter durch ein akustisches Signal, das an seinen Kopfhörer übertragen wird, informiert. Zur Sicherheit vibriert auch noch die Armbanduhr des Unparteiischen und zeigt »Goal« auf dem Display an.

Wann gibt es Karten?

Der Termin des Dauerkartenverkaufs soll in Kürze bekannt gegeben werden. Zunächst genießen alle Inhaber von Saisontickets und Vereinsmitglieder ein Vorkaufsrecht auf eine Karte. Im Aufstiegsjahr 2014 waren die Saisontickets so begehrt, dass die Mitliederzahl bis auf knapp 11.000 stieg. Bis heute haben 5800 SCPer dem Verein die Treue gehalten, die Tendenz ist aber wieder steigend. Damit ist der Klub der größte Sportverein im Kreis Paderborn.

Allerdings plant der Verein, nur noch 8000 bis maximal 9000 Dauerkarten zu verkaufen. Die treuen Anhänger und damit langjährige Mitglieder und/oder Dauerkartenkunden werden bevorzugt. Die restlichen Tickets gehen vor jedem Spieltag in den freien Verkauf. Im Verlauf der Spielzeit soll so möglichst vielen Fußballfans die Gelegenheit gegeben werden, wenigstens ein Spiel live zu sehen. Eine Preiserhöhung wird es auch geben, die soll aber erst nach Gesprächen mit dem Fan-Beirat festgelegt werden.

Wann wird gespielt?

Abendspielatmosphäre wird es wohl eher selten geben: Anpfiff ist in der 1. Liga freitags erst um 20.30 Uhr, eine in der Paderborner Stadionbaugenehmigung festgeschriebene Betriebszeit endet aber bereits um 22 Uhr. Sondergenehmigungen sind rechtswidrig, weil ein Bundesligaspiel (Urteil OVG Münster) keine Sportveranstaltung von herausragender Bedeutung ist.

So wird der Bundesligaball beim SCP meistens samstags (15.30 Uhr) oder sonntags (15.30 und 18 Uhr) rollen. Es sei denn, der Neuling aus Paderborn überrascht auch in Liga 1 und rutscht auf den Topspieltermin: samstags um 18.30 Uhr.

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