Kampfansage vor dem Showdown – Paderborn will direkt nach oben »Uns stoppt keiner mehr«

Paderborn(WB). Die Paderborner Fans feierten am Sonntag schon den Aufstieg. Der 4:1-Erfolg über den Hamburger SV sorgte am vorletzten Spieltag für eine erstklassige Stimmung. Dabei hat der SCP erst Rang drei sicher. Schon das ist ein großer Erfolg, so richtig zufrieden wäre damit aber niemand mehr.

Von Matthias Reichstein
So feiert Paderborn den Sieg über den HSV (von links): Torschütze Sebastian Vasiliadis, Mohamed Dräger und Sven Michel.
So feiert Paderborn den Sieg über den HSV (von links): Torschütze Sebastian Vasiliadis, Mohamed Dräger und Sven Michel. Foto: Oliver Schwabe

Ganz im Gegenteil: Wochenlang wollte kein Spieler über den möglichen Aufstieg sprechen, jetzt haben die SCP-Profis ein neues Thema entdeckt, mit dem sie sich nicht mehr beschäftigen möchten: Platz drei.

Paderborns Schlussmann Leopold Zingerle brachte es nach dem Schlusspfiff so auf den Punkt: »Wenn ich am letzten Spieltag als Tabellenzweiter nach Dresden fahre, sage ich doch nicht mehr: Hoffentlich werde ich Dritter. Wir wollen jetzt hoch.« Sein Abwehrchef Uwe Hünemeier pflichtete ihm sofort bei: »Wir stehen zurecht auf Platz zwei, diesen Rang wollen wir behalten. Wenn wir unser Spiel in Dresden durchziehen, hält uns auch niemand mehr auf.« Selbst Christopher Antwi-Adjei, der mit neun Toren eine überragende Rückrunde spielt, aber außerhalb des Platzes lieber ruhige Töne wählt, ging auch verbal forsch nach vorne: »Das 0:2 in Bielefeld war ein Ausrutscher. Jetzt sind alle heiß, wir fahren mit einem positiven Gefühl nach Dresden und wollen das Ding ziehen. Mit dieser Power stoppt uns keiner mehr, auch nicht Dynamo Dresden.«

Euphorie und Bodenhaftung

Trainer Steffen Baumgart hatte bereits am vergangenen Freitag zur Attacke geblasen und den Aufstieg zum erklärten Saisonziel gemacht, seine Profis zogen am Sonntag nach. Das spricht für viel Selbstvertrauen, das Team vermittelt aber nicht das Gefühl, schon vor dem Aufstieg abzuheben. Bei aller Euphorie sorgte Zingerle selbst auch für Bodenhaftung: »Diese letzten 90 Minuten der Saison werden mental noch einmal eine andere Hausnummer.«

Er spielte damit auch auf den Druck an, der in dieser Woche naturgemäß steigen wird. Je näher das »Finale« in Sachsen rückt, desto mehr Gedanken werden sich seine Vorderleute machen. Dazu kommen die Kampfansagen vom letzten Aufstiegskonkurrenten Union Berlin. »Natürlich wollen wir direkt hoch«, sagte Unions Innenverteidiger Florian Hübner und stichelte in der »Berliner Morgenpost«: »Aber wenn wir die Relegation spielen müssen, tun wir auch das. Doch Paderborn weiß, dass wir ihnen im Nacken sitzen.« Auch Trainer Urs Fischer, der in seinem ersten Amtsjahr die Unioner schon zum größten Vereinserfolg geführt hat, lehnte alle Glückwünsche ab: »Ich sehe es noch nicht als Erfolg an. Rechnerisch ist Rang drei noch nicht sicher, wie ich gehört habe.«

Bayern statt Bielefeld

Die kleinen verbalen Spielchen können das Paderborner Trainerteam oder das Management nicht verhindern. Auch in die Köpfe der eigenen Spieler kann niemand schauen. Bayern statt Bielefeld, 34 nahezu ausverkaufte Stadien und bundesweite Schlagzeilen – Gedanken dieser und anderer Art werden sich die jungen SCP-Profis machen. Die Verantwortlichen können nur versuchen, dass der Druck, den sich die Mannschaft nun selbst macht, nur positiver Art ist. »Wir stehen zweifellos vor einem schwierigen Spiel, aber die Jungs können jetzt machen, was sie wollen. Diese Saison kann nicht mehr negativ für uns ausgehen«, versuchte Manager Markus Krösche schon entsprechend gegenzusteuern. Deshalb darf auch niemand den Rechenschieber rausholen. Der SC Paderborn ist Zweiter, und diesen Platz gilt es zu verteidigen. So geht Klaus Gjasula ins vielleicht letzte Pflichtspiel: »Wir lösen unsere letzte Aufgabe und feiern dann eine Wahnsinnsparty. Fertig.«

Aber es gibt auch noch einen Gegner: Dynamo Dresden hat mit dem Klassenerhalt nur das Minimalziel erreicht, Sebastian Vasiliadis schätzt den Traditionsklub aus dem Osten aber viel stärker ein und sagt: »Die haben eine eklig spielende, aber gute Mannschaft und 30.000 im Stadion, die komplett gegen uns sein werden.« Wobei große Kulissen den SCP auch nicht so schnell aus der Bahn werfen. Das haben der 5:3-Erfolg in Köln und das 3:1 bei Union Berlin deutlich gezeigt.

Relegation: Erst zweimal setzte sich der Zweitligist durch

Der SC Paderborn kann am Sonntag in Dresden noch nichts verspielen. Selbst wenn alles gegen die Ostwestfalen läuft, landet der Verein auf jeden Fall noch auf Rang drei und trifft am 23. und 27. Mai in der Relegation auf den VfB Stuttgart. Doch Vorsicht: Seit der 2009 wieder eingeführten Extrarunde zwischen dem Drittletzten der 1. Liga und dem Dritten der 2. Liga setzte sich nur zweimal der Zweitligist durch. 2009 verdrängte der 1. FC Nürnberg den FC Energie Cottbus sehr deutlich aus der 1. Liga. Bereits im Hinspiel in der Lausitz gewann der Club mit 3:0, zuhause folgte dann noch ein 2:0. Viel spannender war es 2012: Fortuna Düsseldorf siegte bei der Hertha in Berlin mit 2:1, im Rückspiel reichte dann ein 2:2. Die Partie endete aber im Chaos: Fortuna-Fans stürmten kurz vor Ablauf der Nachspielzeit das Spielfeld. Die Partie wurde erst nach 20-minütiger Pause beendet.

Kommentare

Fortuna - Fans waren es nicht

Guten Tag,

es waren nicht die Fortuna-Fans, sondern die HERTHA-Fans, die den Platz gestürmt haben ;-) .

Kartenverkauf ist katastrophal

Es muss doch möglich sein, dass man Karten für den Gästeblock in Dresden nicht nur am SCP-Shop in Paderborn bekommt. Weder online noch sonst wie kommt man an Karten, das sollte dringend mal geändert werden. Mir sind zig Personen bekannt, die deswegen nicht zum Spiel fahren können.

2 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6611203?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F