Krösches Qual der Wahl: Auch Leipzig kämpft um den Manager des SC Paderborn Vieles spricht für Schalke

Paderborn (WB). Die Anzeichen verdichten sich: Markus Krösche wird den Zweitligisten SC Paderborn nach gut zwei Jahren mit Ende der Saison verlassen. Die Frage scheint nur noch zu sein, wohin es den Manager zieht. Vieles spricht für den FC Schalke 04.

Von Matthias Reichstein
FC Schalke 04 oder RB Leipzig? Paderborns begehrter Manager Markus Krösche kann zwischen zwei großen Namen wählen.
FC Schalke 04 oder RB Leipzig? Paderborns begehrter Manager Markus Krösche kann zwischen zwei großen Namen wählen. Foto: Besim Mazhiqi

Wie das WESTFALEN-BLATT bereits mehrfach berichtete, sind RB Leipzig und der FC Schalke 04 ganz dicht dran am 38-Jährigen. Mit beiden Vereinen soll Krösche intensive Gespräche geführt haben, so dass alle Fakten auf dem Tisch liegen. Die Verhandlungen sollen sogar schon so weit fortgeschritten sein, dass sich der Paderborner Ex-Profi nur noch entscheiden muss. »Ich werde mich dazu nicht äußern«, meinte Krösche am Dienstag und wiederholte gebetsmühlenartig, was er dieser Zeitung schon sagte, als die Offerten der Bundesligisten 1. FC Nürnberg und Hannover 96 öffentlich wurden: »Grundsätzlich ist es immer positiv, wenn man mit solchen Klubs in Verbindung gebracht wird. Das ist auch eine Wertschätzung meiner Arbeit.«

Für Leipzig spricht der Ist-Zustand des Klubs

Für die Leipziger spricht, dass Krösche einen sportlich intakten und finanziell überragend aufgestellten Verein vorfindet. Die Sachsen haben sich bereits für die Champions League qualifiziert und stehen am 25. Mai erstmals im Finale des DFB-Pokals. Krösche müsste als Kronprinz von Sportdirektor Ralf Rangnick »nur« einen Klub mit unglaublich viel Potenzial weiterentwickeln. Dagegen spricht die noch immer mangelhafte Akzeptanz. Von vielen Fans als Retorten- und Brauseklub gegeißelt, gelten die Roten Bullen als Kunstprodukt ohne Tradition, die sich mit einem Milliardär im Rücken den Erfolg kaufen.

Die Leipziger bestreiten am Freitag in Mainz ihr 100. Bundesligaspiel, da halten die Knappen mit einer ganz anderen Geschichte dagegen. Die Königsblauen haben knapp 150.000 Mitglieder und zelebrieren noch ihr Malocher-Image. Schalke ist ein Verein der kleinen Leute – auch diese Mentalität wird gelebt. Mit Schalke-Boss Clemens Tönnies, seit 2004 Aufsichtsratsvorsitzender, führt außerdem ein Typ den Verein, der Insider an Paderborns verstorbenen Präsidenten Wilfried Finke erinnert. Und mit dem konnte Krösche bekanntlich besonders gut. Allerdings liegt der Klub sportlich mal wieder in Trümmern. »30 Punkte nach 31 Spieltagen sind für Schalke 04 ein Desaster«, sagte Sportvorstand Jochen Schneider nach dem Derbysieg über den BVB. Außerdem hat S04 bislang (fast) alle Manager geschafft. Oder wie es Branchenkenner formulieren: »Schalke frisst Menschen«. Deshalb wäre die Fallhöhe für Krösche nicht so hoch: Sehr viel tiefer als in dieser Spielzeit kann der Klub nicht sinken.

Was noch für den Revierklub spricht: Neben einem Sportdirektor sucht Schalke auch einen Technischen Direktor. Diesen Posten gab es noch nicht und hier soll Paderborns Kaderplaner Martin Przondziono ein Kandidat sein.

SCP ist der große Verlierer

Der große Verlierer im Gezerre um Krösche ist ein Verein, der bislang von der Arbeit des scheidenden Sportchefs nur profitiert hat: der SC Paderborn. Krösche formte mit dem Trainerteam aus dem Fast-Viertligisten eine Mannschaft, die ganz dicht vor der Rückkehr in die Bundesliga steht. Deshalb werden die Ostwestfalen Krösches Ausstieg (Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2022) auch nicht bis in letzter Konsequenz verhindern. Schon gar nicht, wenn die Ablösesumme passt.

Die Frage ist: Was passiert dann? Der SCP hat einen Arbeitsplatz zu bieten, den es nur 36-mal in Deutschland gibt. Sollte der Klub aufsteigen, wäre der Job einer von bundesweit nur 18. Attraktiver geht es kaum, allerdings ist nicht viel Geld da. Das Managergehalt dürfte um 200.000 Euro liegen, viel Geld für den Kader ist nicht da. Daran würde auch der Aufstieg nichts ändern. Schuldenabbau (7,6 Millionen Euro Miese zum 30. Dezember 2018) ist beim SCP das Gebot der Stunde.

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