Hannover entlässt Manager Heldt – Krösche ist wieder ein Kandidat Die Spur führt nach Paderborn

Hannover/Paderborn (WB). Am Dienstag verkündete Bundesliga-Schlusslicht Hannover 96 die sofortige Trennung von Manager Horst Heldt, wenige Stunden später führte die heißeste Spur bei der Suche nach einem Nachfolger zum SC Paderborn: Markus Krösche soll den Neuanfang der Niedersachsen planen.

Von Matthias Reichstein
Horst-Heldt-Nachfolger gesucht: Auch in Hannover hat sich herumgesprochen, wie gut Markus Kröschebeim SCP arbeitet.
Horst-Heldt-Nachfolger gesucht: Auch in Hannover hat sich herumgesprochen, wie gut Markus Kröschebeim SCP arbeitet. Foto: Oliver Schwabe

Dietmar Beiersdorfer, Klaus Allofs oder Hannovers Ex-Coach Dieter Hecking – die Liste der möglichen Nachfolger ist klangvoll, nach WESTFALEN-BLATT-Informationen soll 96-Hauptgesellschafter Martin Kind bislang aber nur zu Krösche tatsächlich auch Kontakt aufgenommen haben.

Der 38-Jährige, der nach zwei Wochen Dauer-Diskussionen dem Erstliga-Vorletzten 1. FC Nürnberg abgesagt hatte und ob der vielen Spekulationen zuletzt genervt wirkte, reagierte gestern auf entsprechende Nachfragen dieser Zeitung wieder gewohnt tiefenentspannt: »Ich kann gewisse Dinge nicht beeinflussen. Ich habe auch keinen Berater, der etwas lanciert. Ich kann mich auch nicht dagegen wehren, wenn mein Name immer mal wieder reingeworfen wird.«

Krösche blieb in dem Gespräch dabei, dass er sich bei entsprechenden Angeboten alles anhören wolle, betonte aber auch: »Ich bin nicht auf der Flucht. Ich fühle mich in Paderborn wohl und stehe hier bis 2022 unter Vertrag.«

Andere finanzielle Spielräume in Hannover

Mit dem Klub-Patriachen Kind im Rücken hätte Krösche (anders als zum Beispiel in Nürnberg) andere finanziellen Spielräume. Das könnte den Ex-Profi locken, auf der anderen Seite wirken die Niedersachsen nach einem jahrelangen Richtungsstreit tief gespalten.

Der millionenschwere Hörgerätehersteller Kind, der den Klub seit Jahrzehnten mit Millionen unterstützt, versucht schon lange die 50+1-Regel zu umgehen, um den Verein damit mehrheitlich zu übernehmen. Die Fans empfinden seinen Griff nach der Macht als Enteignung und inszenierten in der Vergangenheit immer mal wieder Stimmungsboykotte im heimischen Stadion.

Doch auch die sportliche Führung machte gravierende Fehler: Heldt selbst kokettierte in seiner Amtszeit sehr intensiv mit dem 1. FC Köln sowie dem VfL Wolfsburg und erweckte damit nicht gerade den Eindruck, mit dem Traditionsklub besonders intensiv verbunden zu sein.

Krösche fiebert den letzten Spieltagen entgegen

Außerdem kommt Hannovers Punktebilanz mit 14 Zählern nach 28 Spieltagen einem Desaster gleich. Kind selbst wollte sich gestern zur sportlichen Bilanz nicht mehr äußern, eine offizielle Pressemitteilung von 96 war aber auch deutlich genug: »Die Zielsetzung der Fußball-Bundesligasaison 2018/19 war, einen gesicherten Tabellenmittelplatz zu erreichen. Die Sportliche Leitung hat versichert, dass dieses Ziel mit den Transfers erreicht wird und die Mannschaft konkurrenzfähig ist. Diese Einschätzung hat sich nicht bestätigt.«

Hannovers neuer Sportchef, der zunächst den Nachfolger für Trainer Thomas Doll (Vertrag bis 2020, aber acht Niederlagen in neun Spielen mit 7:24 Toren) finden muss, soll bis spätestens Ostern feststehen. Genau das könnte aber gegen Krösche sprechen. 

Angesichts des sich weiter zuspitzenden Aufstiegskampfes in Liga zwei machte er gestern deutlich, wie sehr er den letzten sechs Spieltagen entgegenfiebert: »Der Siebte liegt nur acht Punkte hinterm Zweiten und wir sind mittendrin. Deshalb freue ich mich auf spannende, coole und sehr interessante Wochen.«

Es ist noch viel drin für die Ostwestfalen

Der SC Paderborn trifft mit dem Hamburger SV, Holstein Kiel und dem 1. FC Heidenheim noch auf drei direkte Konkurrenten und ist außerdem in Bielefeld und Dresden zu Gast. »Das ist ein dickes Brett, aber alle Mannschaften werden mitspielen. Das werden offene Partien, die Spaß machen.« Zunächst unerwähnt ließ Krösche den nächsten Gegner, am Samstag kommt Schlusslicht MSV Duisburg: »Das wird anders schwer. Duisburg stellt sich hinten rein und lauert auf Konter.«

Es ist also noch viel drin für die Ostwestfalen. Ein Störfeuer aus Hannover kommt da ungelegen. Sollte der gebürtige Hannoveraner Krösche sich diesmal sogar gegen Paderborn entscheiden, hätte der SCP in der Schlussphase der Meisterschaft nicht nur ein personelles Problem.

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