Ex-Trainer Dotchev blickt zurück: Vor 15 Jahren gab es das Pokalduell schon einmal – mit Video
»Hoyzer hat uns den Sieg geklaut«

Paderborn (WB). Paderborns Jahrhunderttrainer Pavel Dotchev spielte einst für den Hamburger SV in der Bundesliga und saß vor 15 Jahren beim manipulierten 4:2-Pokalsieg gegen den HSV als Coach auf der SCP-Bank. Im Gespräch mit Matthias Reichstein blickt der 53-Jährige, der zuletzt für Hansa Rostock tätig war, vor dem Duell am Dienstagabend zurück.

Dienstag, 02.04.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 17:52 Uhr
Paderborns Ex-Coach Pavel Dotchev setzt auf den SCP.

Herr Dotchev, an was haben Sie gedacht, als der SCP den HSV zugelost bekam?

Pavel Dotchev: Natürlich an unseren Pokalsieg. Es war damals ein geiles Spiel, umso größer war hinterher die Enttäuschung, als herauskam, dass der Schiri betrogen hatte. Letztendlich hat uns Robert Hoyzer einen großen Sieg geklaut.

 

Hatten Sie schon während des Spiels etwas geahnt?

Dotchev: Nein, zu keiner Sekunde habe ich damals gedacht: Hier ist etwas faul. Beim ersten Elfmeter, als unser Kapitän Thijs Waterink im Strafraum gefoult worden sein soll, war mir der Blick verstellt. Da dachte ich, der Schiri wird es schon richtig gesehen haben. Und wenn danach Emile Mpenza den Hoyzer beleidigt, ist die Rote Karte die logische Konsequenz. Da war für mich nichts Außergewöhnliches dabei.

 

Über den sportlichen Wert dieser Partie redet niemand mehr.

Dotchev: Das ärgert mich am meisten. Wir haben damals als Regionalligist eine richtig gute Leistung abgeliefert. Die Prämie, die meine Jungs kassiert haben, gab’s ja auch für den Sieg. Schlimm und unentschuldbar wäre es gewesen, wenn sie Geld für eine Niederlage genommen hätten. So hatte sich zunächst niemand etwas dabei gedacht. Nach Hamburg haben wir dann auch noch den MSV Duisburg geschlagen und sind erst im Achtelfinale ganz unglücklich im Elfmeterschießen gegen den SC Freiburg ausgeschieden. Das waren unsere Burgfestspiele und ganz tolle Leistungen, die aber niemand mehr würdigt.

 

Und der SCP ist am Ende der Saison erstmals in die 2. Liga aufgestiegen.

Dotchev: Wie gesagt, wir hatten eine richtig gute Mannschaft. Wenn das nicht so gewesen wäre, hätte Herr Hoyzer auch fünf Elfer pfeifen können und wir hätten trotzdem nicht gewonnen.

 

Die Mannschaft wurde bundesweit gefeiert und noch am Abend ins ZDF-Sportstudio eingeladen.

Dotchev: Wir waren stolz wie Oskar. Ein paar Spieler sind damals extra mit einem Hubschrauber ins Sendezentrum nach Mainz geflogen worden. Ich wollte in die kleine Kiste aber nicht einsteigen, zumal es auch noch eine Unwetterwarnung gab. Deshalb bin ich mit dem Auto hinterhergefahren.

 

Und Torjäger Alex Löbe machte dann den legendären Trainerspruch.

Dotchev (lacht): Genau: »Welcher Trainer fliegt schon gerne?« Diesen Satz hat der Alex vor laufenden Kameras rausgehauen. Das war schon damals ein gerissener und schlauer Junge.

 

Wieviel Geld gab’s denn von dem angeblichen Sponsor?

Dotchev: Ich glaube 10.000 Euro, aber das weiß ich nicht mehr. Ich habe auch keinen Cent bekommen, die Spieler hatten das Geld unter sich aufgeteilt. Im Nachhinein war das auch ganz gut, ich wurde nie verhört und hatte mit der ganzen Geschichte letztendlich gar nichts zu tun. Da habe ich Glück gehabt, denn eine Siegprämie vom Sponsor hätte ich auch angenommen.

 

Im Januar 2005 wurde der Wettskandal aufgedeckt, was haben Sie gedacht?

Dotchev: Ehrlich? Ich habe gedacht, die Leute machen schlechte Scherze. Aber dann ging eine mediale Welle los, die alles sprengte, was Paderborn bis dahin erlebt hatte. Das traf den SCP bis ins Mark und ich weiß auch noch ganz genau, dass unser damaliger Präsident Wilfried Finke kurz darüber nachgedacht hatte, aus Enttäuschung über diesen Skandal sein Amt aufzugeben. Ich war froh, dass wir gerade auf Mallorca unser Trainingslager bezogen hatten. Wir waren weit weg und konnten einigermaßen in Ruhe arbeiten.

 

Können Sie diesem Wettskandal auch etwas Gutes abgewinnen?

Dotchev: Letztendlich war es ein Riesenbetrug, da darf man nichts schönreden. Die Wettmafia war zu der Zeit allerdings sehr eng dran am deutschen Fußball und durch diesen Skandal ist alles aufgedeckt worden. DFB und DFL haben anschließend einige Maßnahmen wie zum Beispiel Wettverbote für Spieler oder uns Trainer ergriffen. Das waren richtige und wichtige Schritte.

 

Wie geht das Duell heute Abend aus?

Dotchev: Paderborn gewinnt, die Mannschaft ist super und es macht großen Spaß zuzuschauen.

 

Die Chancen stehen also nicht nur 50:50?

Dotchev: Nein, 60:40 für den SCP. Paderborn ist sehr gut drauf, das konnte man auch am Samstag in Berlin sehen. Ich bin längst ein Paderborner Junge geworden und drücke die Daumen.

 

Beim Paderborner 1:2 in Aue sah man aber auch einen Pavel Dotchev, der die Tore der Gastgeber bejubelt hat.

Dotchev: Egal ob SC Paderborn, Rot-Weiß Erfurt, Hansa Rostock oder Aue – alle Klubs, bei denen ich als Trainer war, haben einen Platz in meinem Herzen. Ich bin zu diesem Spiel von Präsident Helge Leonhardt eingeladen worden, Aue war noch in großer Abstiegsgefahr, brauchte die Punkte nötiger. Aber ganz ehrlich: Ich hätte mich auch über einen Paderborn Sieg gefreut.

 

Gibt es noch Kontakte zum Hamburger SV?

Dotchev: Nein. Ich bin 1992 zum HSV gekommen, da ist niemand mehr. Zuletzt hatte ich noch Kontakt zum Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen, aber der ist ja auch nicht mehr im Amt.

 

 

 

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