Je höher Paderborn und Arminia am Saisonende stehen, desto mehr TV-Geld gibt es Es geht um jeden Platz

Paderborn/Bielefeld(WB). Jedes Tor kann bares Geld wert sein. Das trifft umso mehr zu, je näher das Saisonende rückt. Denn im Fußball entscheidet die Endplatzierung mit darüber, wie viel TV-Geld die Vereine der 1. und 2. Liga in der kommenden Spielzeit erhalten. Wäre die Zweitligasaison heute schon vorbei, erhielte Arminia Bielefeld 11,13 Millionen Euro, der SC Paderborn 8,85 Millionen.

Von Matthias Reichstein und Jens Brinkmeier
Die Fernsehgelder-Tabelle in der Spielzeit 2019/20.
Die Fernsehgelder-Tabelle in der Spielzeit 2019/20. Foto: imago/Quelle: fernsehgelder.de

Der Erlös der OWL-Klubs hängt auch davon ab, wer aus der 2. Liga absteigt. Beispiel FC Ingolstadt: Die Bayern waren von 2015 bis 2017 Erstligist und erhielten vor der aktuellen Zweitligasaison 16,7 Millionen Euro TV-Geld. Sollte sich der FCI, aktuell Tabellenletzter, noch retten, würde er in der kommenden TV-Geldrangliste vor Arminia und Paderborn stehen, die folglich weniger Geld kassieren würden. Steigt Ingolstadt aber ab, rückten SCP und DSC in der Rangliste hoch und bekämen jeweils etwa 500.000 Euro mehr.

SCP kalkuliert einstelligen Tabellenplatz

Für die Berechnung der TV-Gelder hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) ein Vier-Säulen-Modell entwickelt, dessen Säulen unterschiedlich gewichtet werden. Den größten Teil (70 Prozent) macht die Säule »Bestand« aus: Für alle 36 Vereine gilt eine Fünf-Jahreswertung, bei der die vergangenen fünf Spielzeiten im Verhältnis 5:4:3:2:1 gewertet werden (die aktuelle Saison mit Faktor 5 am stärksten). Das bedeutet, dass für den SCP die Erstligasaison 2014/15 deutlich weniger gewichtet wird als die beiden Drittligajahre 2016/17 und 2017/18.

Datenstand: 1. und 2. Liga 25. Spieltag, 3. Liga 27. Spieltag. Es wurde unterstellt, dass in der Relegation jeweils der Klassenhöhere gewinnt. Quelle: fernsehgelder.de / Foto: imago

Deshalb wären 8,85 Millionen Euro für den Klub, der im Januar einen Gesamtschuldenstand von 7,6 Millionen Euro öffentlich machte, eine mehr als willkommene Finanzspritze. Bei ihrer Saisonkalkulation gingen die SCPer ohnehin sehr mutig vor, kalkulierten mit einem einstelligen Tabellenplatz und erhofften sich so aus dem TV-Topf 8,5 Millionen Euro. In der Aufstiegssaison 2017/18 kassierte der SCP nur 800.000 Euro.

Zusatzeinnahmen ins Team investieren

Arminias Sportgeschäftsführer Samir Arabi hofft, dass die aktuell auf Platz elf geführten DSC-Profis »noch einige Punkte holen«. Dank des vierten Platzes im Vorjahr hatte der DSC schon einen großen Einnahmensprung gemacht. Der könnte in Zukunft noch größer ausfallen – den sportlichen Erfolg vorausgesetzt. Arminia spielt derzeit die vierte Zweitligasaison in Folge. Das bedeutet, dass im kommenden Jahr die bisher letzte Drittligasaison 2014/15 am wenigsten gewichtet wird.

Der SCP hat – im Gegensatz zu Arminia – unabhängig von der Platzierung in der 2. Liga noch die Chance auf weitere Millionen-Einnahmen. Als Viertelfinalist im DFB-Pokal haben die Paderborner ohne Zuschauereinnahmen schon knapp 2,5 Millionen Euro verdient und werden nach der ausverkauften Partie gegen den Hamburger SV (2. April) erneut auf eine Gesamt-Pokaleinnahme von 3,2 Millionen Euro kommen. Der Sieger der Partie erhält weitere garantierte 2,6 Millionen Euro und könnte im Halbfinale mindestens weitere 3,5 Millionen dazuverdienen.

Das sind bei einem Paderborner Gesamtetat für die Profiabteilung von unter sieben Millionen Euro mögliche Einnahmen, die die Entwicklung der Mannschaft entscheidend beschleunigen könnten – wenn denn die Zusatzeinnahmen nicht nur dem Schuldenabbau dienen, sondern auch ins Team investiert werden.

Solidarpakt aufgekündigt

Beim DSC müssen Zusatzeinnahmen nicht mehr groß in den Abbau von Altlasten gesteckt werden – dank des Schuldenschnitts, bei dem die Verbindlichkeiten von fast 30 auf etwa zwei Millionen Euro sanken.

Übrigens: Der TV-Vertrag läuft 2021 aus und wird schon bald neu verhandelt. Die bisherige Verteilung zwischen 1. und 2. Liga im Verhältnis 80:20 ist zumindest strittig. Ein Teil der Erstligisten will diesen Solidarpakt aufkündigen und künftig weniger abgeben.

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