So nutzen Arminia Bielefeld und der SC Paderborn die seit dieser Saison erlaubte Technik Funkkontakt zur Trainerbank

Paderborn/Bielefeld (WB). Trainer mit Headsets und Tablet auf der Bank – seit dieser Saison ist der Funkverkehr am Spielfeldrand der 1. und 2. Liga erlaubt. Auch der SC Paderborn und Arminia Bielefeld nutzen die neuen technischen Möglichkeiten.

Von Matthias Reichstein und Jens Brinkmeier
Schöne Aussicht: Arminias Videoanalyst Philipp Heithölter ist bei den Spielen derjenige, der oben auf der Tribüne sitzt und Infos zur Bank durchgibt.
Schöne Aussicht: Arminias Videoanalyst Philipp Heithölter ist bei den Spielen derjenige, der oben auf der Tribüne sitzt und Infos zur Bank durchgibt. Foto: Thomas F. Starke

Beim SCP ist man zufrieden: »Wir können Fehler noch besser erkennen und viel schneller reagieren«, sagt Steffen Baumgart. Manager Markus Krösche kennt das neue System schon länger und hatte bereits erste Erfahrungen als Co-Trainer von Roger Schmidt bei Bayer 04 Leverkusen gesammelt: »Das System ist nicht ganz billig, aber total hilfreich.«

SCP-Torwarttrainer Nico Burchert empfängt Infos auf der Bank. Foto: Starke

Auch Arminias Trainer Jeff Saibene findet die neuen Möglichkeiten gut. Man habe auch schon früher ähnliches gemacht, damals allerdings nicht offiziell, gibt der 50-Jährige zu. Jetzt hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) die technischen Hilfsmittel zugelassen. Dafür mussten die Vereine erst einmal die Voraussetzungen schaffen und zum Beispiel für Internetanschlüsse an den Trainerbänken sorgen.

Kommunikation wird vereinfacht

Die Paderborner decken mit der neuen Technik gleich vier Felder ab: Co-Trainer Danilo de Souza hat seinen Platz praktisch unterm Arena-Dach und steht damit neben der Führungskamera des übertragenden TV-Senders. Der 34-jährige Analyst hat von dort einen exzellenten Blick über das gesamte Feld. Sein Kontaktmann auf der Paderborner Bank ist Torwarttrainer Nico Burchert. Wo sind die Lücken zu groß, welcher Spieler steht zu tief oder wie ist das Anlaufverhalten – diese und andere Fragen sind leichter zu beantworten. Entweder werden Auffälligkeiten sofort oder kurze Videosequenzen in der Halbzeitpause besprochen.

Das neue System vereinfacht auch die Kommunikation vor einer Auswechslung. Physiotherapeut Robert Werzorke und Athletik-Trainer Felix Sunkel sind ebenfalls mit Burchert verbunden, der tauscht sich im Falle eines Falles mit Co-Trainer Daniel Scherning aus. »Was hast du? Geht es weiter? Diese Fragen werden jedem verletzten Spieler beim ersten Kontakt gestellt. Die Antworten landen jetzt direkt bei uns auf der Bank und das macht alle personelle Entscheidungen einfacher«, sagt Baumgart.

Der Chefcoach selbst schaltet sich hier nicht direkt ein, Baumgart kann sich auch für die Zukunft nicht vorstellen, wie beim American Football üblich, mit Kopfhörern am Rasen-Rand zu stehen. »Ich halte das für ein sinnvolles Tool und das ist auch absolut zeitgemäß. Aber ich werde nie der große Technik-Experte und das ist während eines Spiels auch nicht meine Art der Kommunikation. Meine Jungs machen das aber sehr gut, wir sind ein Trainer-Team und genau das macht uns auch stark.«

Baumgart sucht täglichen Austausch

Baumgart tauscht sich in der Tat fast täglich mit seinen Assistenten aus und lässt auch andere Meinungen gelten: »Einer muss die Hosen anhaben und letztlich entscheiden. Aber wir gehen sehr offen miteinander um. Jeder Einzelne bei uns ist schließlich nicht so gut, wie das gesamte Trainerteam.« So wichtig und richtig technische Neuerungen auch sind, dass Baumgart die Hilfe nutzt, um auch taktische Veränderungen vorzunehmen, schließt er eigentlich aus: »Unser Plan ist nicht vom Spielverlauf abhängig.«

Bei Arminia sitzt Videoanalyst Philipp Heithölter (36) ganz oben auf der Tribüne. Sein Kontaktmann auf der Bank ist Co-Trainer Sebastian Hille (37), der Heithölters Infos an Jeff Saibene weitergibt. »Ich kann Sebastian natürlich keinen langen Vers erzählen, es geht um kurze, schnelle Infos«, erklärt Heithölter.

Wie beim SCP hilft die neue Technik auch den Arminen dabei, schnell auf Überraschungen oder Abweichungen zu reagieren. »Wichtige Details werden weitergegeben. Wenn wir zum Beispiel das Gefühl haben, hinten müssen wir weiter rausrücken, vorne mehr pressen oder die Stürmer sind zu weit auseinander«, sagt Saibene. Und Heithölter ergänzt: »Wir haben ja immer einen grundsätzlichen Plan zu jedem Spiel. Ich melde mich, wenn es Abweichungen gibt. Oder auch bei überraschenden Veränderungen in der Aufstellung des Gegners, was ich von oben besser sehen kann.«

Arminia arbeitet ohne Tablets

Auch beim DSC werden in der Halbzeitpause Livebilder aus dem ersten Durchgang gezeigt, um die Spieler auf nötige Korrekturen hinzuweisen. »Das ist sehr wichtig«, findet der Chefcoach. »Ich könnte auch Livebilder runtersenden, bisher arbeiten wir aber ohne Tablets«, erklärt Heithölter.

Verboten ist es , die technischen Hilfen anderweitig einzusetzen. Das hat zum Beispiel vor etwa einem Jahr Ralf Rangnick versucht. Leipzigs damaliger Sportdirektor rannte in der Halbzeit des Pokalspiels gegen Bayern München (4:5 i. E.) mit einem Smartphone auf den Rasen und wollte Schiri Felix Zwayer eine vermeintliche Fehlentscheidung zeigen. Rangnick fand aber kein Gehör und musste den Innenraum anschließend verlassen.

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