Manager Krösche sieht den SC Paderborn nicht als Spitzenmannschaft Krösche: »Uns fehlt die Reife«

Paderborn (WB). Mit dem Begriff »Stolz« tut sich Paderborns Erfolgstrainer schwer. Vor allem, wenn es um Fußball geht. »Ich würde das Wort gerne durch ›Freude‹ ersetzen«, sagt Steffen Baumgart und fügt noch hinzu: »Jedes Ergebnis kommt mit der Leistung.«

Von Matthias Reichstein
Die Paderborner Macher (von links): Geschäftsführer Martin Hornberger, Manager Markus Krösche und Cheftrainer Steffen Baumgart.
Die Paderborner Macher (von links): Geschäftsführer Martin Hornberger, Manager Markus Krösche und Cheftrainer Steffen Baumgart. Foto: Thomas F. Starke

Und die stimmt: Nach neun Spieltagen liegt der SCP auf Platz sechs, hat mit 15 Punkten nur zwei Zähler weniger auf dem Konto als der ungeschlagene Tabellenzweite Union Berlin und stellt mit 19 Treffern den zweitbesten Angriff der gesamten Liga. Das alles sagt die Tabelle, Markus Krösche geht sehr selbstbewusst noch einen Schritt weiter: »Wir haben drei Punkte zu wenig.« Der Manager nimmt damit noch einmal die Englische Woche ins Visier. Das 4:4 gegen den 1. FC Magdeburg (nach 2:0 und 4:2-Fühung) und die 1:2-Niederlage beim FC St. Pauli (nach 1:0-Führung) liegen ihm noch immer schwer im Magen.

Folgt man Krösches Rechnung, wären die Ostwestfalen sogar Ligazweiter und würde damit einen direkten Aufstiegsplatz belegen. So weit will der 38-Jährige aber zumindest jetzt noch nicht denken. Zum einen habe die Tabelle auch nach neun Spieltagen nur eine geringe Aussagekraft, zum anderen seien gerade diese Partien gute Argumente, warum der Neuling noch weit vom Anspruch einer Spitzenmannschaft entfernt sei: »Uns fehlt schlicht und einfach die Reife«, mahnt Krösche. »Wir sind noch nicht abgezockt genug«, bekräftigt Baumgart.

Viele unnötige Ballverluste

Gute Beispiele lieferte Paderborns 2:1 (1:0)-Sieg am Sonntag beim FC Ingolstadt. In Durchgang eins dominierte der SCP den Gegner, erarbeitete sich viele Möglichkeiten, um in Führung zu gehen, spielte aber kaum einen Angriff konsequent zu Ende. »Wir hatten viel mehr Ballbesitz, aber wenig klare Torchancen«, bemängelte auch Spielmacher Philipp Klement. Der Doppeltorschütze (33./61.) war es mit seinen Freistößen (Baumgart: »Das war Extraklasse«), der den vierten Saisonsieg sicherte, zufrieden war er dennoch nicht: »Wir machen es uns fast jede Woche unnötig schwer. Das zieht sich wie ein roter Faden durch fast alle Spieltage.«

Damit meinte der torgefährlichste Paderborner (sieben Saisontreffer) auch die fehlende Souveränität. Der Aufsteiger leistet sich viele unnötige Ballverluste, verursacht viel zu viele Eckbälle (in Ingolstadt waren es allein in der zweiten Hälfte acht) und wird dabei schnell hektisch. Klement warnt deshalb: »Dadurch bringen wir unsere Gegner immer wieder sehr einfach zurück ins Spiel. Das müssen wir abstellen, aber das wird für uns noch ein ganz schwieriger Weg.«

Union Berlin ist die nächste Reifeprüfung

Manager und Spielmacher mahnen und warnen, der Trainer vergisst aber auch die Fortschritte nicht. Den ängstlichen Neuling, wie beim 0:1 zum Start in Darmstadt, gibt es nicht mehr. Das junge Team tritt viel selbstbewusster auf und steckt auch zwischenzeitliche Rückschlage wie beim 5:3-Sieg gegen Tabellenführer 1. FC Köln weg. »Meine Jungs sind willig und es macht Spaß zuzusehen, wie sie das umsetzen, was wir uns täglich im Training erarbeiten. Deshalb machen wir jede Woche kleine Fortschritte«, ist Baumgart zufrieden.

Auch wenn Platz sechs nur eine Momentaufnahme ist, auch wenn die junge Mannschaft im Verlauf der langen Serie einige schmerzhafte Pleiten hinnehmen sollte – ein bisschen stolz dürfen sie beim SCP trotzdem sein. Paderborn ist es gelungen, die eigene Spielidee aus der 3. Liga eine Klasse höher auf den Platz zu bekommen. Allein das verdient schon jetzt Respekt. Wohin der SCP-Weg führt, ist schwer zu sagen. Mit Union Berlin kommt am 21. Oktober der erste Aufstiegskandidat nach Paderborn. Das ist auf jeden Fall eine weitere Reifeprüfung.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6110231?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198358%2F