Paderborns Schlussmann spricht im Interview über Gefühle, Fehler und Ziele Zingerle: »Wir werden Meister«

Paderborn (WB). Aufsteiger SC Paderborn bricht in dieser Saison viele Punkt- und Torrekorde. Eine persönliche Bestmarke hat Leopold Zingerle aufgestellt: Der Schlussmann ist seit 702 Minuten ohne Gegentor. Vor dem Topspiel beim Dritten Karlsruher SC (14 Uhr, SWR) sprach Matthias Reichstein mit dem 24-Jährigen über Erfolge und Tiefpunkte.

Paderborns Torhüter Leopold Zingerle ist seit 702 Minuten ohne Gegentor.
Paderborns Torhüter Leopold Zingerle ist seit 702 Minuten ohne Gegentor. Foto: Besim Mazhiqi

Wie fühlt sich mit ein bisschen Abstand ein Zweitliga-aufstieg an?

Zingerle: Das Gefühl wird immer besser. Am Anfang war die gesamte Situation schwierig zu fassen und zu realisieren. Das fühlte sich alles eher wie eine rasante Achterbahnfahrt an. Aber jetzt ist die 2. Liga auch im Kopf angekommen.

Neues Ziel ist der Titelgewinn. Wie schwer ist es, den Partymodus wieder zu verlassen?

Zingerle: Das ist gar nicht schwer. Wer auf dem Platz steht und den Gegner vor der Brust hat, der will das Spiel gewinnen.

Was würde Ihnen die Meisterschaft bedeuten?

Zingerle: Wir haben jetzt mit dem Karlsruher SC, SV Wehen Wiesbaden und Fortuna Köln sehr anspruchsvolle Gegner vor uns, aber das große Ziel mit dem Aufstieg schon erreicht. Aber Meister der 3. Liga war der SC Paderborn noch nie, und ich kenne keinen Spieler, der nach dem letzten Spiel nicht noch gerne einen Pokal hochhalten würde. Aber egal wie es am Ende läuft, ich werde auf die Saison 2017/2018 immer glücklich zurückblicken.

702 Minuten ohne Gegentor – was bedeutet Ihnen der Rekord?

Zingerle: Ich stehe da jetzt mit meinem Namen, aber wir haben als Mannschaft super verteidigt. Wir laufen schon vorne gut an, dann gibt es den Robin Krauße, der sich in jeden Schuss wirft, oder meine Abwehrkette, die ganz viel abräumt. Ohne meine Vorderleute ginge so eine Serie gar nicht und deshalb großes Kompliment an die Jungs. Gut finde ich es, dass jetzt nicht nur über unsere außergewöhnliche Offensive berichtet wird, sondern auch über die Abwehrarbeit. Alle Mannschaftsteile haben einen super Job gemacht, und deshalb waren wir als Team überragend. Mir persönlich bedeutet der Rekord eigentlich wenig. Wichtig war für mich nie, dass hinten die Null stand. Wichtig war, dass wir kontinuierlich gepunktet haben und am Ende aufgestiegen sind.

War der 3:0-Sieg gegen Unterhaching und der damit verbundene Aufstieg Ihr persönlicher Saisonhöhepunkt?

Zingerle: Schwierig zu sagen. Die Gefühle danach sind unbeschreiblich. Aber wenn ich die Saison für mich noch mal ablaufen lasse, fallen mir auch andere Momente ein. Zum Beispiel der 3:2-Sieg nach 0:2-Rückstand in Rostock. Oder unser 5:0-Sieg in Aalen, wo wir alle gedacht haben: Wer soll uns jetzt noch aufhalten? Wir haben uns für eine herausragende Saison belohnt, nur das zählt.

Wie blicken Sie auf die 0:1-Heimniederlage gegen Erfurt und das 1:1 in Münster?

Zingerle: Das waren meine negativen Höhepunkte. Beide Spiele verbinde ich mit meinen größten Rückschlägen. Aber auch das gehört zu einer Saison mit schon jetzt 35 Spieltagen. Wichtig ist, was man daraus lernt und wie man zurückkommt. Für meine Laufbahn werden auch diese Spiele hilfreich sein.

Bemerkenswert waren die Reaktionen vom Trainer und von ihrer Mannschaft. Weder nach Ihrem Platzverweis gegen Erfurt noch nach Ihrem Patzer gegen Münster gab es öffentliche Kritik.

Zingerle: Die Reaktionen sprechen auch für unseren Teamgeist, der uns so stark gemacht hat. Niemand hat mir das Gefühl gegeben, dass er zweifelt. Fehler gehören zum Fußball wie der Ball. Aber keiner hat irgendetwas infrage gestellt. So, wie wir hinten rausspielen, ist das auch mit Risiko verbunden. Aber wir haben an unserer Idee festgehalten und die hat am Ende sehr gut funktioniert.

Am Samstag heißt der Gegner Karlsruher SC. Da werden den SCP mindestens 20.000 KSC-Fans empfangen.

Zingerle: Das wird ein super Spiel, so eine Kulisse macht unglaublich viel Spaß. Da wird sich niemand hängen lassen, da werden wir nichts abschenken. Den Aufstiegsdruck wie der KSC haben wir nicht mehr, das könnte ein Vorteil sein.

Warum wird der SC Paderborn Meister und nicht Magdeburg?

Zingerle: Weil wir einen Lauf haben, weil wir die vergangenen Spiele alle überzeugend gewonnen haben und weil wir uns nicht mehr von unserem Weg abbringen lassen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.