Freiburgs Torjäger über seine drei großen Ziele, den SCP und die Zeit bei den Bayern Petersen: »Paderborn kam nie ins Rollen«

Paderborn (WB). Das Ziel von Nils Petersen ist klar: Am Freitag (Anstoß: 18.30 Uhr, Sky) will Freiburgs bester Stürmer mit einem Sieg in Paderborn die sofortige Rückkehr in die Fußball-Bundesliga perfekt machen. Das ist aber nur ein großer Wunsch, der 27-Jährige möchte auch Meister der 2. Liga werden und sich die Torjägerkanone holen. Im Interview mit Matthias Reichstein sprach Petersen außerdem über ein angebliches Angebot des SC Paderborn und seine Zeit bei den Münchner Bayern.

Geballte Kraft: Freiburgs Torjäger Nils Petersen traf diese Saison schon 20 Mal. In der Hinrunde schoss er den SCP fast alleine ab.
Geballte Kraft: Freiburgs Torjäger Nils Petersen traf diese Saison schon 20 Mal. In der Hinrunde schoss er den SCP fast alleine ab. Foto: imago

Herr Petersen, wie groß war die Enttäuschung am vergangenen Samstag? Immerhin waren Sie eine Halbzeit lang schon Erstligist – bis der 1. FC Nürnberg das Spiel gegen Union Berlin noch drehte und ein 0:2 in ein 6:2 verwandelte.

Petersen: Das war ein Nachmittag der ganz komischen Gefühle. Nach dem 2:0 für Union dachte ich an Aufstieg. Das 2:2 war immer noch ein perfektes Ergebnis, weil wir damit alle Trümpfe in der Hand behalten hätten. Nach dem 6:2-Sieg der Nürnberger dachte ich: Wow! Respekt! Wobei der Sieg letztlich eher in Leipzig für Kopfzerbrechen gesorgt haben dürfte. Wir sind allemal in der Lage, von den letzten drei Spielen noch mindestens eins zu gewinnen. Aber das muss jetzt auch erst noch gewonnen werden, deshalb ist der Druck noch immer da. Dem haben wir 31 Spieltage lang standgehalten. Am Freitag in Paderborn wird sich zeigen, ob wir das auch noch weiter können.

Der Aufstieg wird für Sie an erster Stelle stehen. Aber was kommt dann: Lieber die Torjägerkanone mitnehmen, oder wäre die Meisterschaft für Sie noch wichtiger?

Petersen: Ich will Meister werden und die Felge (die Meisterschale der 2. Liga sieht aus wie eine Autofelge, Anmerk. d. Red.) hochhalten, das hätte eine ganz besondere Bedeutung für mich. Die Torjägerkanone kommt deshalb erst an dritter Stelle. Aber am Ende der Saison wollen wir in allen Bereichen weit vorne liegen und auch unsere Serie mit zehn ungeschlagenen Spielen in Folge noch weiter fortsetzen.

Paderborns Vizepräsident Martin Hornberger lässt Sie herzlich grüßen und meint: Einen Aufstieg feiert man doch lieber im eigenen Stadion. Was entgegnen Sie?

Petersen (lacht): Schöne Grüße zurück. Aber ich bin noch nie aufgestiegen, deshalb kann ich das gar nicht beurteilen. Aber mal ernsthaft: Wir wollen den Aufstieg jetzt so schnell wie möglich klarmachen. Ich gönne Paderborn den Klassenerhalt, auch wenn es schwer wird. Denn mit Freiburg und Nürnberg kommen zum Schluss nicht die einfachsten Gegner nach Paderborn.

In der Hinrunde haben Sie gegen den SC Paderborn dreimal getroffen und damit Stefan Effenberg fast im Alleingang die erste Zweitliga-Niederlage als Trainer beigebracht. Welche Erinnerungen haben Sie noch an den 4:1-Sieg?

Petersen: Nur positive. Das war, wie so oft in dieser Saison, ein optimales Heimspiel von uns. Für Paderborn und Trainer Stefan Effenberg war das 1:4 nach dem guten Start eine Art Trendwende. Am Freitag wollen wir den nächsten Schritt machen, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass es noch einmal so relativ einfach wird. Außerdem hatten wir bislang eher auswärts unsere Defizite. Das wird der SC Paderborn bestimmt analysiert haben und daraus seine Schlüsse ziehen.

Beide Klubs sind vor einem Jahr aus der 1. Liga abgestiegen. Der SC Freiburg hatte am vorletzten Spieltag sogar die Bayern geschlagen, es reichte aber trotzdem nicht. War im Rückblick Paderborns Sieg in Freiburg entscheidend?

Petersen: Im Rückblick sicher. Die Niederlage gegen Paderborn tat ganz, ganz doll weh. Denn wir hatten, jetzt mal böse gesagt, die Punkte fest eingeplant. Letztlich hätte uns sogar einer gereicht. Danach hatten wir noch zwei Auswärtsspiele und das Heimspiel gegen die Bayern, so dass wir gegen einen direkten Konkurrenten wie Paderborn unter Zugzwang standen.

In der Winterpause 2014/2015 wechselten Sie von Werder Bremen nach Freiburg. Auch der SC Paderborn hatte damals mit Werder Kontakt aufgenommen. Wie konkret waren die Gespräche?

Petersen: Die können nicht sehr konkret gewesen sein, denn ich höre davon jetzt zum ersten Mal.

Mit Ihren neun Toren wäre der SCP nicht abgestiegen . . .

Petersen: . . . das weiß man nicht. Aber in den vergangenen 14 Monaten läuft es für mich in Freiburg fantastisch, auch wenn der Abstieg natürlich sehr weh tat. Aber Paderborn hatte und hat mit Lakic, Proschwitz, Sylvestr, Saglik oder Helenius auch Stürmer, die eine respektable Quote vorzuweisen haben. Entscheidend sind neben der aktuellen Form auch die Mitspieler. Der Spielstil in Freiburg liegt mir, das ist das Wichtigste.

Nach dem Abstieg sind die Wege der Klubs völlig unterschiedlich verlaufen. Freiburg kann heute aufsteigen, der SCP kämpft ums Überleben. Was hat der SC Freiburg besser gemacht?

Petersen: Schwierig zu sagen. Der SC Paderborn hat zunächst mit Andre Breitenreiter einen sehr guten Trainer an den FC Schalke 04 verloren. Dazu kamen auch noch die vielen Abgänge. Paderborn kam von Beginn an nie so richtig ins Rollen. Die Mannschaft wusste nie, wo sie steht. Dann kam mit Stefan Effenberg noch ein Trainer, der den Fußball-Fokus von ganz Deutschland nach Paderborn gelenkt hat. Dieses Auf und Ab der Gefühle war für Paderborn, wo man eher Ruhe gewohnt ist, schwer zu regeln. Auch für die Spieler, die alle Bundesligaluft geschnuppert hatten, war es schwierig, sich wieder richtig einzuordnen. Gedanken an die 1. Liga darf man nach einem Abstieg gar nicht verschwenden. Spätestens nach dem fünften Spieltag musste allen klar sein, dass der SCP wieder in gefährlichen Tabellenzonen auftauchen könnte. Jetzt hat der SCP noch drei Spiele, hier wird sich zeigen, ob Paderborn Spieler mit Bundesligaformat hat.

Die Hinrunde schlossen Sie mit sensationellen 15 Treffern ab, in der Rückrunde kamen bislang »nur« fünf hinzu.

Petersen: Ich habe in der Hinrunde bis auf eins alle Spiele mitgemacht. In der Rückrunde haben wir mit Havard Nielsen und Florian Niederlechner noch zwei sehr gute Spieler dazukommen. Auch die haben ihre Einsatzzeiten, da bleibt dann für mich weniger. Aber dass ich diese Quote mit 15 Toren in der Hinrunde nicht halten kann, war mir fast klar. Dazu lief es zu perfekt. Mein Ziel waren 20 Saisontore und das habe ich schon erreicht. Der Rest ist Bonus.

Sie haben vor Freiburg schon für den FC Carl Zeiss Jena, Energie Cottbus, Bayern München und Werder Bremen gespielt. Bei welchem Klub schauen Sie zuerst auf die Ergebnisse?

Petersen: Aktuell natürlich bei Werder, weil das mein letzter Verein vor Freiburg war. Bei den Bayern muss man nicht auf die Ergebnisse schauen, die gewinnen sowieso immer. Ich habe aber noch zu allen Klubs Kontakt, deshalb ist es schwer, da eine Reihenfolge zu nennen.

War das eine Jahr bei den Bayern ein verlorenes Jahr?

Petersen: Meine Zeit bei den Bayern war vor vier Jahren, und ich werde immer noch danach gefragt. Das zeigt doch, dass dieser Verein in meiner Vita heraussticht. Der FC Bayern München ist etwas Besonderes und ich wünsche dem Klub jetzt auch das Triple.

Sie haben sich bis 2019 an den SC Freiburg gebunden. Gibt es in dieser Zeit ein Punktspiel gegen Werder Bremen?

Petersen (lacht): Mal sehen, wie die Ansetzungen sind. Spätestens aber im Dezember. Als ich noch in Bremen war, hatten wir mit Platz 9, 11 und 13 auch keine glorreichen Zeiten. Aber jetzt geht es nur darum, sich zu retten. Werder hat die Rahmenbedingungen, dass es irgendwann mal wieder besser wird. Aber in Deutschland holen viele Klubs auf. Darmstadt 98, Ingolstadt, Augsburg oder Mainz sind da gute Beispiele. Andere verschwinden dafür leider in der Versenkung. Ich hoffe, Bremen wird nicht dazugehören.

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