Der weiter geschwächte SC Paderborn ist zu Investitionen bereit – aber wer will kommen? Ein Mangel an Strahlkraft

Paderborn (WB). Der SV Sandhausen hätte es nach drei Siegen in drei Pflichtspielen verdient, sich näher mit ihm zu beschäftigen. Doch noch ist der morgige Gegner beim SC Paderborn ein Randaspekt. Hauptthemen bleiben der Abschied von Uwe Hünemeier zum englischen Zweitligisten FC Brighton & Hove Albion und wie der SCP seine Zukunft ohne den Kapitän gestaltet.

Von Elmar Neumann
Paderborns Manager Michael Born sucht bis zum 31. August noch mindestens zwei Neuzugänge für den SCP.
Paderborns Manager Michael Born sucht bis zum 31. August noch mindestens zwei Neuzugänge für den SCP. Foto: Besim Mazhiqi

Um die  verbleibenden Spieler muss sich Coach Markus Gellhaus  wohl  keine  Sorgen machen: »Ich kann den Jungs nicht in die Köpfe gucken, doch ich glaube, sie haben Uwes Abschied gut verkraftet, sind  weiter sehr fokussiert und freuen sich auf das Spiel gegen den SV Sandhausen.« Problematisch aber ist, dass sich mit dem 29-jährigen Innenverteidiger plötzlich ein Führungsspieler verabschiedet  hat.

Ein Hünemeier-Erbe muss her

Das zwingt den SCP  zu einer weiteren Investition. Neben dem Zehner, nach dem Manager Michael Born schon seit längerem Ausschau hält, herrscht nun auch dringender Bedarf in der Verteidigung. Ein Hünemeier-Erbe muss her. Mindestens. »Es ist ja bekanntlich so, dass wir auch mit Rafa López eine gewisse Problematik haben, aufgrund der wir zeitnah noch einmal mit ihm sprechen werden. Von diesem   Gespräch  hängt ab, ob wir einen oder zwei Verteidiger holen.« Eine  weitere Lücke hätte sich im Arbeitsbereich  von Moritz Stoppelkamp auftun können, doch das Angebot eines russischen Erstligisten für die Offensivkraft hat der SCP abgelehnt.

Bis zum Ende der Transferperiode am 31. August hat Born noch Zeit, um die vakanten Positionen zu besetzen. Am Geld sollte nicht viel scheitern. Schließlich hat der Absteiger für Uwe Hünemeier (2,7 Millionen Euro), Elias Kachunga (FC Ingolstadt/1,5), Patrick Ziegler (1. FC Kaiserslautern/0,8), Mario Vrancic (SV Darmstadt/0,5) und Trainer André Breitenreiter (FC Schalke 04/0,5)  etwa sechs Millionen Euro Ablöse kassiert. Aber Geld ist nicht alles. Es gibt Spieler, für die ist auch der Name des Vereins von großer Bedeutung, und da muss Born ein Jahr nach dem Bundesliga-Aufstieg einräumen, »dass wir leider noch nicht die Strahlkraft von Vereinen wie Fortuna Düsseldorf oder St. Pauli haben«.

»Nicht jeden Euro zur Bank tragen«

Das hält den Manager aber natürlich nicht davon ab, sich mit einem entsprechenden Mehr an Überzeugungsarbeit um gestandene Profis zu bemühen, denn so viel ist klar: Wenn der Kapitän von Bord ist und ein Spielgestalter von Format gesucht wird, ist es nicht mit einer Nachwuchslösung getan. »Wir befassen uns jetzt mit Spielern, die so noch nicht in Paderborn gespielt haben. Dass das nicht so leicht ist, wie einen 21-Jährigen davon zu überzeugen, hier den nächsten Schritt zu machen, dürfte klar sein«, sagt Born. Für den 47-Jährigen ist jedoch ebenso klar, dass das Konto für die bis zu drei noch zu engagierenden Novizen nicht leergeräumt wird. Es werde nicht jeder   Euro zur Bank getragen, aber: »Man darf nicht vergessen, dass wir unser Lizenzspielerbudget nicht unerheblich erhöht haben und das zum Teil aus den Transfererlösen finanziert wird. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, Dominik Wydra aus Wien zu verpflichten oder  Marvin Bakalorz zu halten.«

Ende Juni wurden Bakalorz’ Bezüge  erhöht, im Gegenzug  ließ der seine Ausstiegsklausel streichen. Nun profitiert der 25-Jährige  vom Abgang Hünemeiers. Während Daniel Brückner den offenen Platz im Spielerrat einnimmt, steigt »Baka« vom Vize zum Kapitän auf und ist stolz darauf: »Das ist eine Ehre für mich.« Für die Entscheidung seines Vorgängers bringt er  reichlich Verständnis auf: »Ich kann ihn verstehen. Das ist eine geile Liga, und er ist in einem Alter, in dem man das machen kann.« Einen Zwischenstopp in England, den kann sich auch der neue Mannschaftsführer des SCP vorstellen, aber nicht jetzt, sondern »irgendwann mal«. Jetzt geht’s um Sandhausen.

Kommentare

Eine Chance für andere

Ich sehe das alles nicht so eng. Natürlich war Hünemeier ein wichtiger Spieler, ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass nach 2 Jahren Vormachtstellung von Hünemeier andere Spieler nun neue Chancen für sich sehen und somit Raum für Entfaltung entsteht. Zudem, den einen oder anderen Wackler gab es zuletzt auch bei Hünemeier. Ein motivierter Rafa kann sicher die Lücke schließen. Das müsste Rafa doch selber auch so sehen. Jetzt kann er Verantwortung übernehmen und damit einen Grundstein für eine Karriere in höheren Liegen legen.

Es ist klar, dass man manche Spieler nicht bekommen wird. Aber wir haben schon vor zwei Jahren, als wir noch ein sehr viel kleinerer Verein in allen Belangen waren (Etat, Erfolg, Mitglieder, Zuschauer, Trainingsbedingungen), Spieler wie Hüne, Baka, Vrancic etc. bekommen. Dieses Kaliber bekommen wir nun sicher auch.

Mit dem Geld wachsen aber auch Begehrlichkeiten. Abgebende Vereine wie kommende Spieler wissen, dass heute mehr bei uns zu holen ist. Aber man darf eben nicht vergessen, dass Gehälter eben gezahlt werden müssen, solange Verträge laufen. Und wenn man z. B. einen 3-Jahres-Vertrag abschließt, dann muss man sich auch sicher sein, dieses Gehalt auch nächste und übernächste Saison zahlen zu können.

Ich wäre daher nicht abgeneigt, wenn man aus den Transfererlösen vielleicht sogar eine Rücklage bildet, wie es andere Vereine auch getan haben.

Generell ist der SCP in allen Belangen ein anderer Verein als vor zwei Jahren. Das betrifft eben auch die Ausgaben. Gehälter steigen, Kosten für Sicherheit auch. Nun kommt der Unterhalt des TNLZ hinzu, der sich bei 500 000,- pro Jahr liegen wird (Pachten an Stadt und Stadiongesellschaft, Energiekosten etc.).

Und deshalb ist es wichtig, weiter GESUND zu wachsen. In Aachen hat man gesehen, was passiert, wenn man sich innerhalb weniger Jahre von einem Drittligisten zu einem vermeintlichen Europapokal-Abonnent macht, und glaubt, das sei man auch. Die Aufblähung des Vereins war im relativen Misserfolg nicht mehr zu finanzieren und führte in die Insolvenz!!!

Daher muss man sich am Ende - oder besser am Anfang - selber realistisch einschätzen. Selbst in der 2. Liga gibt es noch 12 Vereine, die andere Möglichkeiten haben als wir!

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