Stadt verkauft mit Kieselrot belasteten Sportplatz an der Weidenstraße Vor 25 Jahren: Grünes Licht für das Gerry-Weber-Stadion

Halle (WB). Man schreibt den Monat Februar im Jahr 1992. Die Stadt Halle hat ein Problem. Und eine große Chance. Die Unternehmer Gerhard Weber und Udo Hardieck planen ein Großprojekt an der Weidenstraße, zwischen B 68 und Westumgehung. »Sportpark« wird es damals noch bescheiden genannt.

Von Klaus-Peter Schillig
Juni 1993: Das Gerry-Weber-Stadion ist durch Stahlrohrtribünen auf ein Fassungsvermögen von 9200 Zuschauern ausgebaut worden, hat aber noch kein Dach. Wo heute das Sportpark-Hotel steht (oben), war damals eine große Zeltstadt unter anderem für die V.I.P.s aufgebaut. Rechts neben dem Stadion steht heute die große Bühne.
Juni 1993: Das Gerry-Weber-Stadion ist durch Stahlrohrtribünen auf ein Fassungsvermögen von 9200 Zuschauern ausgebaut worden, hat aber noch kein Dach. Wo heute das Sportpark-Hotel steht (oben), war damals eine große Zeltstadt unter anderem für die V.I.P.s aufgebaut. Rechts neben dem Stadion steht heute die große Bühne.

Die Gerry Weber World ist daraus geworden, mit einem 11.000 Zuschauer fassenden Stadion, der jetzt 25. Auflage der Gerry Weber Open, einem Vier-Sterne-Hotel und einem Sportzentrum für diverse Ballsportarten und Fitness-Training.

Vor 25 Jahren ging die Planung auf die Zielgerade. Im »Sauseschritt«, wie es bei Weber und Hardieck an der Tagesordnung war. Schließlich hatten die Haller

So soll es werden: Udo Hardieck (links) und Gerhard Weber zeigen dem damaligen Davis-Cup-Teamchef Niki Pilic (rechts) und Boris-Becker-Manager Ion Tiriac das Modell des Haller Stadions und des benachbarten Sportpark-Hotels.

Unternehmer schon die mündliche Zusage von der ATP bekommen, 1993 ein Grand-Prix-Turnier ausrichten zu dürfen. In der Woche vor Wimbledon. Auf Rasen.

Zwei Sondersitzungen und eine Woche Bedenkzeit

Die Haller Stadtväter brauchten damals zwei Sondersitzungen des Rates und eine Woche Bedenkzeit, um die Größenordnung zu realisieren, die Folgen abzuschätzen und eine Chance zu nutzen. Eine Entsorgungschance. Denn das Stadion und seine Nebenanlagen sollten genau dort entstehen, wo sich die Stadt Halle um ihren Fußball-Hartplatz sorgte. Der »Aschebelag« war nämlich mit so genannten »Kieselrot« verseucht. Die dioxinhaltigen Rückstände verboten den weiteren Spielbetrieb und hätten eine teure Sanierung nötig gemacht.

Das Kaufangebot von Weber und Hardieck eröffnete die Möglichkeit, die belastete Asche unter dem Asphalt rund ums Stadion verschwinden zu lassen. Und könnte für Halle ja auch andere Vorteile bringen. In der Beschlussvorlage für den Stadtrat war das damals in schönstem Behördendeutsch formuliert: »Auch unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Halle überwiegen die positiven Effekte, denn neben der Verbesserung des Images ist auch mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze zu rechnen.«

Aus ursprünglich geplanten 3500 wurden 9200 Sitzplätze

Nach André Agassi ist Michael Chang (Bild) einer der Topstars bei den ersten Gerry Weber Open 1993. Changs Bruder Carl hat übrigens die Eröffnungspartie im Stadion bestritten, in Runde eins der Qualifikation gegen Heiner Moraing aber verloren.

Als Eventarena war das Stadion damals noch nicht konzipiert. Aber noch während der Planungs- begann schon die Wachstumsphase. Von ursprünglich 3500 wurde das Fassungsvermögen schon auf dem Papier auf 5500 Sitzplätze erweitert. Und weil der tennisbegeisterte Gerhard Weber auch den Deutschen Tennisbund begeistert hatte und die Zusage für ein Davis-Pokalspiel bekam, wurde gleich noch eine Stahlrohrtribüne beschafft für 9200 Plätze.

Die Erweiterungspläne für die Galerie lagen beim ersten Tennisturnier 1993 quasi schon in der Schublade, als Gerhard Weber und Udo Hardieck den Auftrag spontan erweiterten: Ein wandelbares Dach musste her, nachdem bei der GWO-Premiere ein kompletter Spieltag (16. Juni 1993) wegen Dauerregens abgeblasen werden musste. Die ostwestfälische Wimbledon-Kopie konnte in punkto Wetterunabhängigkeit dem Original da sogar was vormachen. Bei drohendem Regen kann das Dach jetzt in wenigen Minuten geschlossen werden, bei Sonne geht es wieder auf.

Inzwischen ist das Stadion sogar winterfest, verwandelt sich bei Eis und Schnee in eine beheizte Veranstaltungshalle, in der Konzerte laufen, Handball-Länderspiele ausgetragen werden oder auch mal geboxt wird..

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.