Fußball Slowakei im EM-Achtelfinale - «Haben die Herzen erfreut»

Gleich bei ihrer erster EM seit der Unabhängigkeit 1993 schafft es die Slowakei in die K.o.-Runde. Nach dem torlosen Remis gegen England bringt Nordirlands Niederlage Gewissheit über den Achtelfinaleinzug. Nun dürfte es gegen die deutsche Mannschaft gehen.

Von dpa
Der slowakische Trainer Jan Kozak (M.) mit Hertha-Profi Peter Pekarik.
Der slowakische Trainer Jan Kozak (M.) mit Hertha-Profi Peter Pekarik. Foto: Yuri Kochetkov

Saint-Étienne (dpa) - Der lokale UEFA-Medienchef wünschte Jan Kozak am Ende der nächtlichen Pressekonferenz schon mal alles Gute für die nächsten EM-Spiele - der slowakische Trainer schaute erst irritiert, dann lächelte er erfreut.

Die Profis köpften derweil schon in der Kabine die ersten Bierflaschen. Rechnerisch war die Qualifikation fürs Achtelfinale nach dem torlosen Remis gegen England zwar noch gar nicht perfekt, doch ernsthafte Zweifel am Weiterkommen hegte schon zu diesem Zeitpunkt keiner mehr. Am Dienstagabend dann war das Weiterkommen des Dritten der Gruppe B durch die Niederlage Nordirlands in der Gruppe C ohne eigenes Zutun besiegelt. Und es sieht ganz danach aus, dass die Slowaken nun auf Deutschland treffen.

Dass die Ausgangslage so gut war, verdankte der EM-Neuling dem Punkt gegen die englischen Titelanwärter um den erst spät eingewechselten Wayne Rooney. «Einen Zähler gegen England zu holen, ist zweifelsohne der größte Erfolg an diesem Abend», befand Kozak zu später Stunde. Etwas verfrüht urteilte die Boulevardzeitung «Novy Cas» nach dem 0:0, an dem auch die Bundesligaprofis Peter Pekarik (Hertha BSC) und Dusan Svento (1. FC Köln) ihren Anteil hatten: «Das Ziel ist erreicht!»

Es war nicht die erste Überraschung gegen einen international renommierten Topgegner unter Kozak. In der EM-Qualifikation hatten die Osteuropäer im Oktober 2014 Spanien mit 2:1 bezwungen, erst vor kurzem in der EM-Vorbereitung war ihnen ein aufsehenerregendes 3:1 gegen die mit einer B-Elf angetretene deutsche Mannschaft gelungen.

Da konnten es die Profis um den diesmal wirkungslosen Schlüsselspieler Marek Hamsik locker verkraften, dass sie für ihre biedere Defensivtaktik in Saint-Étienne Kritik einstecken mussten. «Ich weiß, dass das nicht schön anzugucken ist, das ist normalerweise auch nicht unser Spielstil», sagte Kozak. «Aber die Qualität des Gegners war so hoch, da ging es nicht anders.»

Entscheidender Faktor war Torwart Matus Kozacik, der mit einigen Paraden glänzen konnte. «Er hat uns diesmal gerettet, er war der Held des Spiels», stellte Hamsik fest. Der slowakische Fußballverband SFZ bedankte sich auf seiner Internetseite sogar beim Keeper: «Danke Matus, das Achtelfinale ist wohl erreicht!» Der frühere Nürnberger Robert Mak fasste treffend zusammen: «Das Auge der Fans haben wir wohl nicht erfreut, aber die Herzen hoffentlich doch!»

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