Fußball Italiens Sieger warnen Deutschland: «Turnier beginnt jetzt»

Mit einem glanzvollen Auftritt entzaubert Italien EM-Titelverteidiger Spanien. Trainer Conte und die Spieler sind stolz - und denken kurz nach dem Abpfiff schon an Viertelfinal-Gegner Deutschland. Auch die DFB-Auswahl soll nun Italiens neue Stärke zu spüren bekommen.

Von dpa
Italien sieht sich bereit für das Viertelfinale gegen Deutschland.
Italien sieht sich bereit für das Viertelfinale gegen Deutschland. Foto: Filip Singer

Saint-Denis (dpa) - Noch in der Nacht des großen Triumphes planten Italiens EM-Helden ihre nächsten Coup gegen Deutschland. Titelverteidiger Spanien haben die vor dem Turnier so unterschätzten Azzurri schon gestürzt, nun soll auch der Weltmeister auf dem Weg ins Finale aus der EM geworfen werden.

«Jetzt fängt das Turnier neu an, wir werden nie aufhören zu träumen», versprach Italiens Fußball-Nationaltrainer Antonio Conte nach dem 2:0-Achtelfinalsieg über Spanien in Saint-Denis. Und ergänzte: «Ich glaube, wir können etwas Besonderes erreichen.»

Am Samstag wartet nun im Viertelfinale von Bordeaux Deutschland auf die wiedererstarkte Squadra Azzurra. «Jetzt kommt das Schöne, aber jetzt kommt auch das Schwierige, weil wir auf die vielleicht stärkste Mannschaft des Turniers treffen», sagte Giorgio Chiellini. Der Respekt vor dem Klassiker ist groß - aber auch der Glauben an die eigene Stärke. «Wir sind nicht nur Catenaccio und Konter. Wir können Fußball spielen - und das haben wir heute gezeigt.»

«Deutschland, du machst uns keine Angst», titelte der «Corriere dello Sport». «Wir sind nicht der Alptraum der Deutschen, wir sind ihr Trauma, ihre fußballerische Tragödie.» Noch nie konnte die DFB-Auswahl in einem K.o.-Duell bei einem großen Turnier gegen die Azzurri gewinnen - und das soll nach dem Willen der Italiener auch so bleiben. «Deutschland ist auf dem Papier stärker als wir, das ist die Wahrheit», gab Kapitän Gianluigi Buffon zu. «Aber dann gibt es den Platz - und manchmal gibt der andere Antworten.»

Der starke Auftritt beim 2:0 über Spanien und der erste Sieg gegen die Iberer seit 22 Jahren hat das Selbstbewusstsein der Italiener gehörig wachsen lassen. «Mit Laufstärke, Kampf und Siegeswillen haben wir eine der stärksten Mannschaften der Welt geschlagen», sagte Leonardo Bonucci. Die «Gazzetta dello Sport» schwärmte: «Italien überwältigend. Jetzt ein weiteres Finale gegen Deutschland.» Conte betonte: «Wir genießen den Sieg und denken dann an Deutschland. Wir werden enorme Anstrengungen unternehmen, um gegen sie zu gewinnen.»

Dabei waren vor allem in der Heimat die Erwartungen an die Nationalelf vor dem Turnier gering, viele vermuteten gar einen K.o. in der Vorrunde. Doch Coach Conte, der gegen Spanien emotional an der Seitenlinie mitfieberte, hat das Team perfekt eingestellt: Eine geniale Taktik, Teamgeist, Laufstärke und Einsatz waren gegen Spanien die Schlüssel zum Erfolg - und sollen es auch gegen das Team von Bundestrainer Joachim Löw sein. «Wir sammeln jetzt unsere Kräfte», versprach Bonucci. «Es wird eine weitere Schlacht gegen Deutschland.»

Sogar Parallelen zu dem Team, das 2006 in Deutschland den WM-Titel gewann, werden in Italien mittlerweile gezogen. Manch ein Fan träumt bereits vom Finale. Auch Chiellini machte klar, dass die Italiener keinesfalls schon an diesem Wochenende die Koffer packen wollen. Im Gegenteil: «Unser Turnier beginnt jetzt», kündigte er selbstbewusst an. Und das, obwohl der Squadra Azzurra im Vergleich zu 2006 große Stars und große Namen fehlen. «Wir sind eine Nationalelf ohne große Talente, also mussten wir eine Mannschaft formen und darin ist Antonio Conte Meister», erklärte Bonucci.

Allerdings droht Conte, sein bislang so erfolgreiches 3-5-2-System gegen Deutschland umbauen zu müssen. Mittelfeldspieler Thiago Motta fehlt gelb-gesperrt, der Einsatz des angeschlagenen Daniele De Rossi ist äußerst fraglich. Einen weiteren Spieler für die zentrale Position im Fünfer-Mittelfeld hat Conte nicht im EM-Kader. Dennoch verkündete der Coach: «Wir werden ein außergewöhnliches Spiel machen. Wir müssen unseren Hunger bewahren, dass wir etwas erreichen wollen.»

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