Sportpolitik «Was haben wir getan»: Britische Sportler im Brexit-Schock

Bei der EM sind noch drei britische Teams dabei, aus der EU wird sich Großbritannien bald verabschieden. Viele Sportstars von der Insel zeigten sich vom Brexit-Votum geschockt. Englands Kicker dagegen wollen das Thema am liebsten ignorieren.

Von dpa
Foto: Peter Powell

London (dpa) – Dem Brexit aus der Heimat begegnen Englands Fußballer bei der EM mit konsequenter Abwehrhaltung. Während eine Reihe britischer Sportstars ihr Entsetzen über den Austritt aus der Europäischen Union öffentlich machten, hielten die Three Lions an ihrer unpolitischen Linie fest.

«Ich weiß nicht genug darüber, um besorgt zu sein. Und ich denke, den anderen geht es genauso», sagte Tottenham-Star Harry Kane stellvertretend für seine Teamkollegen.

Auch Wales-Trainer Chris Coleman schob das Thema am Tag vor dem Achtelfinale gegen Nordirland beiseite. «Noch sind wir in Europa. Über alles andere reden wir, wenn wir zuhause sind», sagte der Coach. Etwas deutlicher wurde dagegen sein nordirischer Kollege Michael O'Neill, der es bedauerte, dass seine Spieler keinen Einfluss auf das Brexit-Votum nehmen konnten. Es ärgere ihn im Nachhinein, «dass ich den Spielern nicht die Chance zur Briefwahl gegeben habe.»

Der frühere englische Nationalspieler Gary Lineker brachte indes gewohnt offen seine Meinung zum Ausdruck. «Verdammter Mist! Was haben wir getan», twitterte der heutige BBC-Moderator und gestand, er fühle sich beschämt von seiner Generation. Der einstige Topstürmer Michael Owen twitterte verdutzt: «Hätte nicht gedacht, mit diesen Neuigkeiten aufzuwachen.»

Auch der tschechische Nationaltorwart Petr Cech, der seit langem in London lebt und dort nach Jahren beim FC Chelsea nun für den FC Arsenal spielt, machte seinem Ärger Luft. «Es sieht so aus, als sei die bedeutendste Entscheidung in der Geschichte dieses Landes auf der Basis einer Kampagne von Fälschungen und Lügen getroffen worden», schrieb der Routinier.

Überrascht von der Entscheidung der Briten gegen die EU zeigte sich der deutsche Nationaltorwart Manuel Neuer. «Ich kann nur sagen, dass man immer so ein Einheitsgefühl hatte und dass es ein bisschen schade ist, dass jetzt Großbritannien bzw. auch England nicht mehr dazu gehört.» Italiens Abwehrspieler Giorgio Chiellini sieht im Votum der Briten das «Symptom einer generellen Unzufriedenheit in ganz Europa». Der Profi von Juventus Turin sorgt sich nun um den «Domino-Effekt, den diese Entscheidung auslösen könnte.»

So mancher fühlte sich durch den Austrittsbeschluss an den US-Präsidentschaftswahlkampf erinnert. Weitsprung-Olympiasieger Greg Rutherford wetterte aus dem Trainingslager in den USA: «Ich gehe ins Bett. In einem Land, das vielleicht Trump an die Macht bringt. Nachdem ich mit angesehen habe, wie Großbritannien das Unglaubliche getan hat. Böse Welt! Hör auf!» Und Golf-Topstar Rory McIlroy fragte: «So wie das mit dem Brexit und dem US-Präsidenten-Rennen läuft: Können wir es mit 2016 nochmal neu versuchen?»

Der frühere Weltklasse-Leichtathlet Jonathan Edwards, dessen walisische Landsleute mehrheitlich für den Brexit stimmten, bekannte: «Ich fühle mich, als würde ich in einem fremden Land leben.» Der ehemalige Kapitän der englischen Cricket-Nationalmannschaft, Michael Vaughan, erklärte: «Nur die Zeit wird zeigen, ob es die richtige Entscheidung war.» Er sei enttäuscht von den «Lügen» der Befürworter und Gegner des Brexits.

Segel-Olympiasieger Ben Ainslie verglich die Abstimmung mit dem Kentern eines Schiffes: «Es ist Zeit, das Boot wieder klarzukriegen und gemeinsam in eine Richtung zu gehen.» Mit dem gewohnt beißenden Humor kommentierte der einstige Bundesliga-Profi Hans Sarpei das Brexit-Votum: «Die Antwort der EU auf Brexit kann nur eins sein: die sofortige Verdopplung von Investitionen in Bildung in ganz Europa.»

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