Fußball Party statt Battle: Walisische und nordirische Fans feiern

Was den Durst und die Sangesfreude angeht, liegen Waliser und Nordiren bei der EM ziemlich gleich auf. Sportlich ist das nicht der Fall. Die Waliser gelten nicht nur wegen ihres Starspielers Gareth Bale als Favorit.

Von dpa
Fans aus Wales feiern.
Fans aus Wales feiern. Foto: Rolex Dela Pena

Paris (dpa) - Es wird etwas martialisch Battle of Britain II genannt. Doch es wird beileibe keine Schlacht der Briten erwartet, sondern die bisher fröhlichste Party der EM. Zwei der feierfreudigsten Fangruppen treffen beim Spiel Wales gegen Nordirland am Samstag (18 Uhr) in Paris aufeinander.

Die trinkfesten Anhänger der beiden britischen EM-Teilnehmer haben sich bei ihrer Frankreich-Tour mit guter Laune bisher nur Freunde gemacht.

Die Trainer beider Teams warnten ihre Spieler jedoch unisono davor, sich auf dem Platz zu sehr von der Party auf den Rängen anstecken zu lassen. «Ich will nicht, dass mein Team voller Emotionen spielt. Sie sollen die Bedeutung dieses Spiels verstehen», sagte Nordirlands Trainer Michael O'Neill am Freitag.

Auch sein Kollege Chris Coleman wollte keine Derbystimmung aufkommen lassen. «Sie sind unser Gegner, spielen in andersfarbigen Trikots. Woher die kommen, ist irrelevant», sagte er. Die Spieler begeisterten sich da schon eher für die Fans.

«Sie haben einen ähnlichen Geist wie wir», sagte Gareth Bale über die Überraschungs-Teams in der K.o.-Runde. Der walisische Starspieler meinte damit den Teamspirit, traf damit aber auch die Einschätzung der Fangruppen. Sie bilden die angenehme Version des britischen Fußballanhängers, der in der englischen Variante nicht überall geschätzt wird.

«Ich bin sicher, die walisischen Fans kommen wieder in großer Zahl und machen eine Menge Krach», sagte Kapitän Ashley Williams. Vor allem in Bordeaux und Toulouse veranstalteten jeweils mehr als 20 000 Waliser Volksfeste in rot. Die Anhänger sind von der Polizei ausdrücklich für ihr «gutes Benehmen» gelobt worden.

Auch die nordirischen Fans sind in Frankreich sehr beliebt. Die Sportzeitung «L'Equipe» hatte ihnen und den irischen Nachbarn sogar eine Doppelseite mit dem Titel «Irland ist vereint» gewidmet. «Die Fans von Irland und Nordirland kämpfen gemeinsam um den Titel für die beste Stimmung», hieß es in dem Text. Offensichtlich hat noch kein Reporter der «L'Equipe» die Waliser erlebt.

Walisische und nordirische Fans eint, dass sie zuletzt besonders gerne sangen: «Don't take me home!» Das heißt: «Bitte schick mich nicht nach Hause. Ich will einfach nicht nach Hause. Ich will hier bleiben und all' euer Bier trinken.»

Das Problem war nur, dass die meisten Fußballfans anders geplant hatten. «Ich habe zu Hause gesagt, dass ich für drei Spiele weg bin», berichtete Allan aus Cardiff. Mehr hatte er nicht erhofft. Mehr war nicht abgesprochen. Jetzt musste Allan wie so viele Waliser und Nordiren nicht nur ein Hotelzimmer in Paris suchen. Er musste auch ein Gespräch mit der Angetrauten daheim führen: «Bitte hol mich nicht nach Hause.» Es ist gewissermaßen ein Fan-Problem der angenehmen Art.

Was den Durst und die Sangesfreude angeht, liegen Waliser und Nordiren ziemlich gleich auf. Sportlich ist das nicht der Fall. Die Waliser sind als Gruppenerster mit zwei Siegen und einer späten Niederlage gegen England unerwartet souverän weitergekommen. Die Nordiren schafften es hingegen mit zwei Niederlagen und einem Sieg gerade so ins Achtelfinale.

«Vielleicht sind sie ein bisschen defensiver als wir», sagte Bale über die Nordiren: «Es wird schwierig sie zu knacken.» Auf den schnellen Stürmer kommt es besonders an, der mit drei Treffern mehr Tore als alle Nordiren zusammen geschossen hat. 

Voller Respekt und Hochachtung sprechen die Nordiren über den Superstar des Gegners. «Gareth Bale ist ein hervorragender Spieler. Aber ich hatte diese Herausforderung auch schon gegen Ronaldo oder Lewandowski. Wenn du weit kommst, lassen sich Duelle mit Spielern solchen Formats nicht vermeiden», sagte O'Neill.

Dabei hat die EM gezeigt, dass die Waliser sehr viel mehr sind als nur Bale. Vor allem Joe Allen und Aaron Ramsey trumpften bisher auf. Solche Spieler haben die Nordiren nicht in ihren Reihen. Der Unterschied wird auch dadurch deutlich, dass die Waliser 13 Profis aus der englischen Premier League im Kader haben und die Nordiren nur 5.

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