Die Neuen im Landtag, Teil 4: Stephen Paul (45) aus Herford sitzt für die FDP im neuen Landtag Der erfahrene Neuling

Herford (WB). Dieser Satz ist für einen Politiker nach mehr als 25 Jahren im Geschäft ungewöhnlich: »Ich gehe demütig an meine neue Aufgabe.« Dabei hat Stephen Paul als 45-Jähriger bereits so viele Jahre als Politiker erlebt, wie manch anderer in seinem ganzen Leben. Dennoch ist er jetzt ein Neuling.

Von Bernd Bexte
Über den Dächern von Herford: Stephen Paul will so viel Zeit wie möglich im heimischen Wahlkreis verbringen.
Über den Dächern von Herford: Stephen Paul will so viel Zeit wie möglich im heimischen Wahlkreis verbringen. Foto: Oliver Schwabe

Am 14. Mai wurde der Herforder FDP-Mann über Listenplatz 18 erstmals in den Landtag gewählt. Vorläufiger Höhepunkt des politischen Engagements, das bereits in den 80er Jahren begann. »Ich bin 1989 als 17-jähriger Schüler in die FDP eingetreten«, erinnert sich Paul. Zuvor hatte er auch bei der CDU und der SPD reingeschnuppert. Aber nur die Liberalen überzeugten ihn. »Die freiheitliche, selbstbestimmte Haltung zum Leben – damit kann ich mich identifizieren.« In wenigen Jahren wurde Paul zum Gesicht der FDP in Stadt und Kreis Herford. Seit 1991 ist er im FDP-Kreisvorstand, seit 1999 Vorsitzender der Kreistagsfraktion, seit 2005 Chef der Liberalen in der Landschaftsversammlung beim Landschaftsverband (LWL) in Münster.

Einziger Landtagsabgeordneter aus dem Kreis Herford

Nach einer Lehre zum Bankkaufmann studierte der Herforder Politik und Kommunikationswissenschaften, arbeitet seit 2004 als Berater und Trainer einer Bielefelder Personalentwicklungsgesellschaft. Dieser Job muss nun ruhen. Der Familienvater Stephen Paul – mit seiner Frau hat er einen Sohn (8) und eine Tochter (3) – ist jetzt Landtagsabgeordneter, übrigens der einzige einer (wohl) künftigen Regierungsfraktion, der aus dem Kreis Herford kommt. »Und das merke ich jetzt schon«, sagt er mit Blick auf erste Anfragen aus seinem Wahlkreis.

Die Neuen im Landtag

Neun Politiker aus OWL sind zum ersten Mal im Parlament, vier von der CDU, zwei von der SPD und AfD und ein Liberaler. In einer Serie stellt das WESTFALEN-BLATT sie vor.

Bisher erschienen:   Matthias Goeken (CDU) aus HöxterMarkus Wagner (AFD) aus Bad Oeynhausen , Christina Weng (SPD) aus Minden  

Das neue Mandat sei eigentlich nie sein großes Ziel gewesen, erklärt Paul. »Ich habe mit meiner Frau lange überlegt, ob das funktioniert, auch wegen der Entfernung nach Düsseldorf.« Als »überzeugter Kommunaler« sei er in der Politik aber immer wieder an Grenzen gestoßen, die Landesgesetze und -vorschriften setzen. »An diesen jetzt positiv mitzugestalten ist meine Aufgabe.«

Die Voraussetzungen sind gut. Paul ist nach mehr als einem Vierteljahrhundert in der Politik nicht nur in seiner Partei gut vernetzt. Durch sein Engagement im sogenannten Westfalen-Parlament, der Landschaftsversammlung des LWL in Münster, ist er auch über OWL hinaus bestens im Bilde. Der »westfälische Blick« liegt ihm besonders am Herzen. »Westfalen hat strukturelle Nachteile gegenüber dem Rheinland«, sagt Paul. Woran macht er das fest? »Beispielsweise kann der Zustand einer Landesstraße hier eine viel größere Bedeutung haben als in Ballungsräumen an Rhein und Ruhr. Dort gibt es immer drei, vier Ausweichstrecken.«

»Wir müssen mehr über unsere Region reden«

»Deshalb müssen wir mehr über unsere Region reden. OWL leistet mit einem starken Mittelstand, aber auch der Landwirtschaft viel für NRW«, meint Paul. Deshalb will er in den Bereichen Bauen, Planung und Verkehr seine Schwerpunkte setzen. »Wir müssen die Region von den rot-grünen Fesseln lösen.« Paul denkt dabei an den umstrittenen Landesentwicklungsplan der alten Regierung, der gelockert und flexibilisiert werden soll.

Die Kommunen sollen vom Land mehr Geld bekommen. »Sie sind unterfinanziert«, sagt er aus eigener Erfahrung als Kommunalpolitiker. Das voraussichtliche Bündnis von CDU und FDP hat für all diese Vorhaben aber nur die denkbar knappste Mehrheit von einer Stimme. »Das wird nicht einfach, bedeutet aber auch, dass jeder Abgeordnete auf Augenhöhe mit dem Fraktionschef spricht.« Die FDP werde sich selbstbewusst zeigen und sich nicht von der CDU vereinnahmen lassen. »Das Trauma der Bundestagswahl 2013 haben wir hinter uns.«

Vor wenigen Tagen hat Paul das erste Mal im Plenarsaal des Landtags Platz genommen. »Das war schon etwas Besonderes. Man spürt die Bedeutung und Verantwortung des Mandats.« Seinen Wurzeln aber will er treu bleiben. »Mein Zuhause ist und bleibt Herford.« So viel Zeit wie möglich will er im heimischen Wahlkreis verbringen und dort ein Wahlkreisbüro aufbauen. Das Amt des Kreisvorsitzenden werde er ebenso behalten wie das des Fraktionsvorsitzenden im Kreistag, und auch der Landschaftsversammlung will er treu bleiben. »Da bleibe ich ganz bodenständig.«

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