Die Neuen im Landtag, Teil 3: Christina Weng (56) wechselt vom Klinikum Minden für die SPD in den Landtag Weng: »Ich bin eine Lösungsucherin«

Minden (WB). Gleich mehrere Baustellen hat Christina Weng derzeit auf dem Plan für ihr »neues Leben«. Die SPD-Landtagsabgeordnete aus dem Wahlkreis 89 (Minden) zieht in zwei Büros ein – in Düsseldorf und in Minden. Dafür hat sie schon die Schlüssel von ihrer Vorgängerin Inge Howe erhalten.

Von Michael Nichau

Gleichzeitig baut Weng ihr Haus in Minden-Hahlen um – also gibt es dort eine richtige Baustelle. Für die 56-jährige Personalrätin aber steht der richtig große Umbruch an: Der alte Lebensabschnitt am Klinikum Minden endet, und sie widmet sich jetzt ganz der Landespolitik. Die Kinder, zwei Töchter (32), sind erwachsen. Die Enkel sind noch klein und bereiten ihr Freude. Mehr will sie über ihr Privatleben nicht verraten.

Und so erlebte Christina Weng ihren letzten offiziellen Tag am Johannes-Wesling-Klinikum. 17 Jahre war die Fachkrankenschwester nach ihrem Studium der Gesundheitswissenschaften dort als Personalratsvorsitzende tätig und gewerkschaftlich organisiert. Ihre Vorgängerin dort: ebenfalls Inge Howe.

In Fußstapfen von Inge Howe

»Irgendwie folge ich ihren Fußstapfen«, meint Weng und hilft der scheidenden Landtagsabgeordneten beim Ausräumen des Bürgerbüros an der Lübbecker Straße in Minden. Ein letzter Waschkorb enthält die Unterlagen des Ehrenamts der 65-Jährigen, die nicht wieder für den Landtag angetreten war, ihre Aufgaben bei den Sozialdemokraten aber weiterführen möchte.

Fast gleichzeitig räumt Christina Weng ihre Akten ein. Auch in Düsseldorf. »Ich habe auch dort das Büro von Inge Howe erhalten. Das hat gut geklappt«, sagt die gebürtige Mindenerin, die seit 2014 stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende der SPD Minden-Lübbecke ist.

Bestes Ergebnis in OWL

Die Neuen im Landtag

Neun Politiker aus OWL sind zum ersten Mal im Parlament, vier von der CDU, zwei von der SPD und AfD und ein Liberaler. In einer Serie stellt das WESTFALEN-BLATT sie vor.

Bisher erschienen:

Matthias Goeken (CDU) aus Höxter

Markus Wagner (AfD) aus Bad Oeynhausen

Ihr Lieblingsmotto sei »niemals aufgeben!« Sie erzählt von dem Bild, das jahrelang über ihrem Schreibtisch im Klinikum hing: Ein Storch versucht, einen Frosch zu verschlingen. Der aber hält dem Vogel die Kehle zu. »Ich habe schon gegen viele Widerstände kämpfen müssen«, sagt Weng, die über ihr gewerkschaftliches Engagement 1996 zur SPD kam. »Ich habe mich über mein gutes Wahlergebnis, das achtbeste in NRW und das beste in Ostwestfalen, natürlich gefreut, auch wenn es im Wahlkreis von Inge Howe keine Überraschung war«, erläutert sie. »Was aber derzeit mit der Partei passiert, habe ich noch nicht so ganz realisiert.«

Jetzt in Düsseldorf müsse sie eine neue Aufgabe erfüllen: Oppositionsarbeit leisten, wo doch eigentlich Regierung vorgesehen war. »Ich möchte Entscheidungen beeinflussen«, sagt Weng und bezieht sich damit auch auf ihren Einstieg in die Politik: »Interessenvertretung für die Menschen in einem Krankenhaus, für das Politiker verantwortlich sind, konnte nur über die Politik erfolgen«, beschreibt sie ihre Motivation. Die will sie sich auch künftig erhalten. Solidarität und Freiheit seien die Stichpunkte, unter denen sie arbeiten will. »Meine Triebfeder: Gut leben und leben lassen. Das geht aber nicht, wenn das eigene Glück auf dem Unglück anderer aufbaut.«

Bildung = selbstbestimmtes Leben

Damit schlägt sie den Bogen zur Integrationspolitik. »Ich bin eine Lösungssucherin. Das war schon in der Klinik mit 4000 Mitarbeitern und 50 Nationalitäten erforderlich. »Ich spreche mit Muslimen und trage ein Kreuz, weil ich Christin bin. Dafür musste ich schon Schelte ertragen. Menschen aus anderen Ländern sind hier, und ich wünsche mir, dass wir respektvoll miteinander umgehen. Kompliziert wird es, wenn eine Kultur verlangt, dass die andere zurückweicht. Das endet dort, wo es totalitär oder extrem wird.«

Bildung und Offenheit seien wichtige Voraussetzungen für Verhandlungen und Akzeptanz. »Bildung wird auch eines der vordringlichsten Themen für mich in Düsseldorf sein. Bildung ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben.«

Noch eine Baustelle? »Ja: Auch der ländliche Raum steht bei mir im Blick. Wir müssen die Interessen der Landwirte sehen. Auch die Interessen der Wirtschaft. Aber Wirtschaft hat keinen Selbstzweck. Die Bürger müssen von qualifizierter Arbeit leben können. Am Ende steht für mich immer noch der Gerechtigkeitsgedanke.« Mit diesen Maximen tritt Christina Weng ihr neues Leben im Landtag an. »Ich verspreche letztlich dem Land, alles zu tun, um uns weiterzubringen.«

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