Die Neuen im Landtag, Teil 1: Bäckermeister Matthias Goeken (52) aus Bad Driburg sitzt für die CDU im neuen Landtag Goeken: »Ich kann nicht in Unfrieden leben«

Bad Driburg (WB). Matthias Goeken walkt künftig nicht mehr durchs Eggegebirge, sondern am Rheinufer entlang. Nach dem Ausstieg aus seinem Bäckereibetrieb verschiebt sich sein Lebensmittelpunkt mindestens für eine Legislaturperiode von Bad Driburg nach Düsseldorf.

Von Dietmar Kemper
Matthias Goeken liebt Brot. Bekommt er als Neuling im Landtag auch die Landespolitik gebacken?
Matthias Goeken liebt Brot. Bekommt er als Neuling im Landtag auch die Landespolitik gebacken? Foto: Oliver Schwabe

Auf die Zeit dort freut sich der 52-jährige CDU-Politiker aus verschiedensten Gründen, auch aus diesem: »Beim Landesvorstand gibt es immer Butterbrote.« Brot war jahrzehntelang das Metier des Mannes, der vor 30 Jahren seinen Meisterbrief erwarb, sich vor 25 Jahren selbstständig machte und ein Unternehmen aufbaute, das inzwischen 53 Filialen in Ostwestfalen-Lippe betreibt.

Neben dem Backen ist Politik seit der Jugend Goekens zweite große Leidenschaft. In der Jungen Union demonstrierte er für die Wiedervereinigung von BRD und DDR und wollte lieber eine amerikanische Pershing im Garten als eine sowjetische SS20-Rakete auf dem Dach haben. Er bewunderte die Lebensleistung Konrad Adenauers, der die deutsch-französischen Feindschaft beendete.

Eine »laute Stimme« für den ländlichen Raum

Die Neuen im Landtag

Neun Politiker aus OWL sind zum ersten Mal im Parlament, vier von der CDU, zwei von der SPD und AfD und ein Liberaler. In einer Serie stellt das WESTFALEN-BLATT sie vor.

BRD und DDR sind längst mitein­ander verschmolzen, der Kalte Krieg ist beendet. Aber neben der großen gibt es die kleine Politik, wo es um den Erhalt der Bank- und Postfiliale vor Ort oder die Zuschüsse für den Sportverein geht. Goeken arbeitet seit mehr als 30 Jahren als CDU-Politiker auf Orts-, Kreis- und Landesebene. Am 14. Mai gelang ihm im Wahlkreis Höxter der Sprung in den Landtag.

Dort will er eine »laute Stimme« für den ländlichen Raum sein. »Ich möchte gern in den Ausschüssen für Wirtschaft und Verkehr mitarbeiten«, sagt er. Westfalen umfasse mehr als die Hälfte der Fläche Nordrhein-Westfalens, aber in dem Landesteil lebe nur ein Drittel der Bevölkerung. Diesen Menschen – und nicht nur denen an Ruhr und Rhein – müsse die Regierung gerecht werden, betont Goeken.

Schnelles Internet auf dem Land liegt ihm genauso am Herzen wie der Bürokratieabbau. Gar nichts hält Goeken von der von Rot-Grün eingeführten »Hygieneampel« für Gaststätten und Betriebe, die dadurch »unter Generalverdacht« gestellt würden. Ausufernde Dokumentationspflichten nerven ihn, und als besonders absurd empfindet Goeken, dass jemand bei der »Hygieneampel« schlechter bewertet wird, wenn er seine Arbeitskleidung zuhause statt in der Firma wäscht.

»Geduld ist nicht meine Stärke«

»Bei den Förder-, Haupt- und Realschulen sind Strukturen zerschlagen worden«, kritisiert er auch auf diesem Gebiet Rot-Grün. Deren Schulpolitik habe zur Folge gehabt, dass Betriebe nur noch schwer Auszubildende fänden. Gesetze abzuschaffen und neue Regelungen durchzusetzen, kostet viel Zeit. Entwürfe werden geprüft, überarbeitet, verwässert, bisweilen wieder verworfen. Dagegen sind ein Brot oder eine Torte nach einer bestimmten Zeit fertig. »Geduld ist nicht meine Stärke«, gibt Goeken zu: »Wenn der Sauerteig fertig ist, müssen wir backen.« Politik sei zwar kein hartes Brot, aber eines, »das schon mal älter wird, das man aber trotzdem noch essen kann«.

Zum Kompromisse Schließen ist Goeken bereit, es sei denn, es handelt sich um faule. Unwahrscheinlich ist, dass sich der 52-Jährige vom freundlichen Firmenchef im mitunter rauen Politikbetrieb zum hinterhältigen, intriganten und streitsüchtigen Politiker wandelt. »Ich kann nicht in Unfrieden leben«, beteuert er. Man treffe sich nicht nur zweimal im Leben.

Das »C« im Parteinamen CDU nennt der fast zwei Meter große Mann eine Verpflichtung. Das Gebot der Nächstenliebe spiele nicht nur in seinem Privatleben, sondern auch im Betrieb eine Rolle. »Goeken backen« beschäftigt mehr Menschen mit Behinderung als gesetzlich vorgeschrieben. Männer und Frauen aus 23 Nationen arbeiten im Unternehmen; wenn Muslime im Ramadan fasten müssen, nimmt die Firma darauf Rücksicht.

»Düsseldorf ist das, was ich kann«

Familienunternehmer dächten nicht in Quartalen, sondern Generationen, betont Goeken, der den Betrieb in die Hände seines Sohnes Benjamin (29) übergeben hat. Nachhaltigkeit, die sich zum Beispiel in dauerhaft gesicherten Jobs widerspiegelt, sei der Maßstab für Erfolg – nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Politik.

In Düsseldorf will er in der ersten Legislaturperiode erst einmal »warm werden«, auf ein Bundestagsmandat in Berlin schiele er nicht, beteuert Goeken: »Düsseldorf ist das, was ich kann. Die Landespolitik ist mir näher als die Bundespolitik. Dort, wo wir Standorte haben, kenne ich alle Bürgermeister persönlich und ich habe über alle Parteigrenzen hinweg Kontakte gepflegt.«

Im Wahlkampf habe er versucht, nichts zu versprechen. Die Umsetzung der Kernpunkte des CDU-Programms wie der Inneren Sicherheit werde Geld kosten. »Da müssen wir uns disziplinieren«, betont Goeken. Disziplin, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zählt er zu seinen Grundtugenden. Für die Politik verzichtet er aufs Segeln, sein Boot wird er wohl verkaufen. Wasser sieht er wenigstens beim Walken am Rheinufer.

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