Auschwitz-Prozess: Staatsanwaltschaft akzeptiert Urteil des Landgerichts Elf Anwälte legen Revision ein

Detmold (WB). Gegen das Urteil im Fall des ehemaligen SS-Unterscharführers Reinhold Hanning (94) haben neun der 19 Nebenklageanwälte Revision beantragt. Das hat das Landgericht Detmold am Montag mitgeteilt.

Von Bernd Bexte

Wie berichtet, lassen auch die beiden Verteidiger das Urteil vom Bundesgerichtshof (BGH) überprüfen. Die Staatsanwaltschaft hingegen akzeptiert den Schuldspruch. Die Frist zur Beantragung der Revision war am Freitag abgelaufen. Hanning war am 17. Juni wegen Beihilfe zum Mord in 170.000 Fällen im Konzentrationslager Auschwitz zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden.

Ob die Antragsteller die Revision aufrecht erhalten, wollen Verteidigung und Nebenkläger von der schriftlichen Urteilsbegründung abhängig machen. Sie muss spätestens am 19. August in der Geschäftsstelle des Landgerichtes vorliegen; dann wird sie den Verfahrensbeteiligten zugestellt. Sie haben einen Monat Zeit, ihre Revision beim BGH zu begründen.

Rascher Abschluss helfe mit Blick auf das hohe Alter

Wie exklusiv berichtet, gibt es Bestrebungen der Nebenklage und der Verteidiger, durch einen Ausgleich das Urteil schneller rechtskräftig werden zu lassen. Sollten Nebenkläger in ihrem Revisionsbegehren den Vorwurf der strafverschärfenden Mittäterschaft fallen lassen, könnte auch die Verteidigung auf eine langwierige Überprüfung des Detmolder Urteils in Karlsruhe möglicherweise verzichten – allerdings nur, wenn sicher sei, dass Hanning wegen Haftunfähigkeit nicht ins Gefängnis müsse. Das hatte sein Anwalt Andreas Scharmer in der vergangenen Woche im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT gesagt.

Nebenklageanwälte wie Christoph Rückel (München) hatten mit der Aussicht auf zügige Rechtssicherheit der Verteidigung Gesprächsbereitschaft signalisiert. Die Haftstrafe bliebe dann symbolisch, ein rascher Abschluss des Verfahrens helfe mit Blick auf das hohe Alter jedoch allen Verfahrensbeteiligten. Über eine Haftfähigkeit würde allerdings erst in einem gesonderten staatsanwaltschaftlichen Verfahren nach Rechtskraft des Urteils entschieden.

Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf eine Revision. Oberstaatsanwalt Andreas Brendel zeigte sich bereits direkt nach der Urteilsverkündung zufrieden mit dem Richterspruch. Er hatte sechs Jahre Haft für Hanning gefordert.

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