Das Urteil im Auschwitz-Prozess könnte möglicherweise schneller Rechtskraft erlangen Revision, aber...

Detmold (WB). Nach dem Urteil gegen den früheren SS-Mann Reinhold Hanning (94) zu fünf Jahren Gefängnis wird die Verteidigung, wie am Freitag bereits angekündigt, Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) beantragen. Bis zu einer Entscheidung können allerdings viele Monate ins Land gehen – wie im Fall des Oskar Gröning (95).

Von Bernd Bexte

Der frühere »Buchhalter von Auschwitz« war vor knapp einem Jahr vom Landgericht Lüneburg zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Über eine Revision hat der BGH immer noch nicht entschieden. »Wann dies geschieht, können wir nicht sagen«, gab sich gestern eine BGH-Sprecherin kurz angebunden. Mit Blick auf das hohe Alter des Angeklagten und der Nebenkläger sei dies unbefriedigend, war auch am Rande des Detmolder Prozesses immer wieder zu hören.

Die Auschwitz-Überlebenden hoffen, die Rechtskraft des Urteils noch erleben zu können. »Es wäre hilfreich gewesen, wenn bis zum Detmolder Urteil im Fall Gröning entschieden worden wäre«, hatte Hannings Verteidiger Johannes Salmen am Freitag gesagt. Ein solches Votum »hätte Signalwirkung gehabt«, erklärte gestern auch Hannings zweiter Verteidiger Andreas Scharmer.

Ein zeitnahes Urteil im Detmolder Fall könne eventuell erreicht werden, wenn sicher sei, dass Hanning wegen Haftunfähigkeit nicht ins Gefängnis müsse. Die Haftstrafe bliebe dann symbolisch. »Dann könnten wir möglicherweise den Antrag auf Revision zurücknehmen«, sagte Scharmer gestern im Gespräch mit dieser Zeitung.

Voraussetzung dafür sei aber, dass die Nebenklage ebenfalls ihr Revisionsbegehren mit Blick auf den Vorwurf der Mittäterschaft fallen lasse. Hanning war wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 170.000 Fällen verurteilt worden. Einige der 19 Nebenklageanwälte sahen bei ihm auch eine Mittäterschaft. Die Nebenklage hatte jedoch immer wieder betont, ein Interesse an einer möglichst raschen Rechtskraft eines Urteils zu haben.

Über die Haftfähigkeit wird in einem staatsanwaltschaftlichem Verfahren entschieden. Bliebe noch die Frage nach Übernahme der Verfahrenskosten, zu der Hanning verurteilt worden war. Dazu wollte sich Scharmer nicht äußern. Nach Informationen dieser Zeitung sollen diese im deutlich sechsstelligen Bereich liegen. Letztlich werde wohl der Staat dafür aufkommen müssen, ist von Prozessbeteiligten zu hören.

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