Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt Drei Morde in Hille: Gericht schenkt Zeugen keinen Glauben

Bielefeld (WB/ca). Im Prozess um die drei Toten von Hille hat das Gericht vier Stunden lang einen Mithäftling des Angeklagten Kevin R. (24) befragt.

Kevin R. mit Verteidiger Peter Jahn.
Kevin R. mit Verteidiger Peter Jahn. Foto: Oliver Schwabe

Der Türke (38) war Vorarbeiter in der Justizvollzugsanstalt Detmold und lernte dort Kevin R. kennen. Der soll zusammen mit seinem Ziehvater Jörg W. (52) in Hille drei Männer umgebracht haben, um sich finanzielle Vorteile zu verschaffen. Der Mithäftling hatte sich vor Wochen bei der Staatsanwaltschaft gemeldet und behauptet, er könne Belastendes über Kevin R. aussagen.

Vor Gericht schilderte der Zeuge detailreich zahlreiche Gespräche, die er mit dem Angeklagten geführt haben will. Er sagte, dass die Opfer mit einem Ziegelstein, einem Messer und einem Hammer umgebracht worden seien.

Hammermord habe beschäftigt

Vor allem der Hammermord an dem libanesischen Maurer Fadi S. (30) habe Kevin R. beschäftigt: »Er sagte, wenn er verurteilt wird, dann wegen dieser Tat.« Der Hammer sei nicht das Problem, aber er habe eine Jacke, an der Blut des Libanesen klebe und die die Polizei gefunden habe.

Alle Angaben machte der Zeuge auf türkisch – das Gericht konnte ihn nur mit Hilfe eines Dolmetschers vernehmen. Wie sich der Mithäftling also im Gefängnis mit Kevin R. detailliert über Dinge wie Tatwerkwerkzeuge, DNA und Verwesung unterhalten haben will – das blieb offen.

Und so zog der Vorsitzende Richter Dr. Georg Zimmermann zum Schluss ein ernüchterndes Fazit: »Ich bin abgeneigt, mich auf diesen Zeugen zu stützen. Ich nehme an, dass sich die Angaben des Zeugen auf öffentliche Quellen beziehen« – also auf Zeitungsberichte oder Fernsehsendungen.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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