Mordverdächtiger und seine Frau erhielten 36.000 Euro – zuständige Stelle schweigt Warum so viel Geld fürs Pflegekind?

Hille (WB/ca). Nach Ermittlungen der Mordkommission haben Jörg W. (51) und seine Frau Doris (62) monatlich fast 3300 Euro von einem Jugendamt überwiesen bekommen, damit sie sich um ein Pflegekind (15) aus dem Rheinland kümmern (WESTFALEN-BLATT vom 9. Oktober).  Im Umfeld ihres Pferdehofs in Hille hatte die Polizei im März drei Mordopfer entdeckt. Jörg W. und sein Ziehsohn stehen deshalb in Bielefeld wegen Mordes vor Gericht . Das Pflegekind, ein Mädchen, ist zurück bei seiner Mutter.

Jörg W. und seine Frau bekamen ein Pflegekind.
Jörg W. und seine Frau bekamen ein Pflegekind. Foto: Polizei

Mehrere Pflegeeltern haben sich in den vergangenen Tagen gemeldet und die Summe angezweifelt, die das Ehepaar überwiesen bekam – laut Gericht 36.276 Euro in elf Monaten. Eine Pflegemutter: »Wir kümmern uns seit Jahren um einen Jungen und bekommen etwa 1000 Euro im Monat.« Nachdem der Betrag im Mordfall Hille bekannt wurde, hätten sie und ihr Mann von Bekannten spitze Bemerkungen gehört. »Einer fragte uns, warum wir überhaupt noch zur Arbeit gehen.«

Einen Überblick über die üblichen Zahlungen hat das Landesjugendamt in Münster, das unter anderem die Qualität der Erziehung und Betreuung in Einrichtungen überwachen soll. Sprecher Markus Fischer: »Pflegefamilien bekommen für den Lebensunterhalt fremder Kinder je nach Alter unterschiedliche Beträge: bis sieben Jahre 531 Euro, bis 14 Jahre 606 Euro und bis 18 Jahre 738 Euro im Monat.«

Haupteinnahmequelle der Familie

Damit würden Kosten für Lebensmittel, Kleidung Drogerieartikel usw. pauschal bezahlt. Außerdem gebe es einen Zuschuss zur Unfallversicherung und eine Erziehungspauschale von 252 Euro. »Die kann in besonderen Fällen auch deutlich erhöht werden.« Auch das übliche Kindergeld gehe an die Pflegeeltern. Bei besonderen Anlässen wie Kommunion oder Konfirmation könnten weitere Beihilfen beim Jugendamt beantragt werden.

Warum aber wurden dem Hiller Ehepaar weitaus höhere Summen überwiesen, die letztlich die Haupteinnahmequelle der Familie gewesen sein sollen? Der Düsseldorfer Verein »Loop«, der das Mädchen im Auftrag eines Jugendamts aus dem Rheinland nach Hille vermittelt hat, will die Summe nicht erklären – »aus Datenschutzgründen«, wie ein Sprecher sagte. Eine Anfrage an das Jugendamt selbst war nicht möglich, weil »Loop« auch den Sitz der Behörde geheim hält.

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