Schwurgericht befragt Witwe eines Opfers Mordfall Hille: Zuschauer weinen im Prozess

Bielefeld (WB). Zuschauer brachen in Tränen aus, als die Witwe (24) erzählte, dass ihre Tochter (2) und ihr Sohn (5) immer wieder das Foto ihres Vaters ansehen und fragen, wann er nach Hause kommt. »Was soll ich ihnen sagen? Dass er erschlagen wurde und unter der Erde liegt? Dass wir deshalb aus unserem Haus ausziehen mussten?«

Von Christian Althoff
Türkhan S. (24) ist Witwe. Als ihr Mann Fadi (30) im März umgebracht wurde, waren ihr Sohn vier und ihre Tochter ein Jahr alt. Die drei werden jetzt von Verwandten unterstützt.
Türkhan S. (24) ist Witwe. Als ihr Mann Fadi (30) im März umgebracht wurde, waren ihr Sohn vier und ihre Tochter ein Jahr alt. Die drei werden jetzt von Verwandten unterstützt.

Im Prozess um die drei Toten von Hille hat das Schwurgericht am Mittwoch die Libanesin Türkhan S. aus Stadthagen befragt – die Frau des Maurers Fadi S. (30), der im März auf dem Reiterhof in Hille umgebracht wurde.

5000 Euro Anzahlung für Beteiligung an Baugeschäft

»Mein Mann wollte sich selbständig machen und sich an einem Baugeschäft beteiligen. Auf seine Kleinanzeige hat sich im Januar diese Kreatur gemeldet«, sagte die Witwe. Sie sah zu Jörg W. hinüber, der aber jeden Blickkontakt vermied. »Er sagte, er wäre Bauunternehmer und würde alte Häuser herrichten, die er dann verkaufen würde.«

30.000 Euro habe er für eine Beteiligung verlangt. »Soviel hatten wir nicht. Er war einverstanden, dass mein Mann 5000 Euro zahlt und den Rest abarbeitet.« Nachdem Jörg W. das Geld bekommen habe, habe er sich aber nicht mehr gemeldet. »Mir kam das komisch vor, aber mein Mann vertraute ihm.«

»Ich flehte ihn an, Fadi nichts zu tun«

Am 4. März fuhr Fadi S. mittags nach Hille, um mit Jörg W. zu sprechen – es war das letzte Mal, dass Türkhan S. ihren Mann lebend sah.

»Ich habe ihn am Nachmittag öfter angerufen, aber er ging nicht dran. Ich dachte, vielleicht gibt es da kein Netz. Ich habe mich mit unseren Kindern beschäftigt, um mich abzulenken. Man will ja nicht gleich den Teufel an die Wand malen. Aber um 20 Uhr bekam ich Panik und bin zur Polizei gefahren. Die wollten nichts machen und sagten, vielleicht hätte mein Mann ja eine Freundin oder wäre im Urlaub.«

Sie habe Jörg W. angerufen, und der habe behauptet, ihren Mann nicht gesehen zu haben. »Ich glaubte ihm nicht und flehte ihn an, Fadi nichts zu tun. Ich sagte ihm, wir hätten zwei kleine Kinder.«

Ermordung aus Habgier?

Doch zu diesem Zeitpunkt war der 30-Jährige wahrscheinlich schon seit Stunden tot – in einer Scheune erschlagen mit zwei Maurerfäusteln. Das Schwurgericht befragte am Mittwoch den Wissenschaftler des Landeskriminalamts, der die Hämmer untersucht hatte. »An beiden war Blut von Fadi S.«, sagte der Biologe.

Weil es unwahrscheinlich ist, dass ein Täter zwei Fäustel benutzt, hält das Gericht es für möglich, dass Jörg W. und sein Ziehsohn Kevin R. den Familienvater gemeinsam ermordet haben – aus Habgier.

Der Prozess wird am 29. Oktober fortgesetzt.

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