Blockadehaltung von Jugendamtsmitarbeitern wird ihm zur Last gelegt
Lügdes Bürgermeister wird wieder bedroht

Lügde (WB). Heinz Reker (66), der Bürgermeister von Lügde, wird seit einigen Tagen wieder bedroht. „Ich bekomme Hass-Mails aus ganz Deutschland. Sogar eine Morddrohung war dabei.” Der Hintergrund: Seit Tagen weigern sich Jugendamtsmitarbeiter, in Düsseldorf vor dem Missbrauchs-Untersuchungsausschuss auszusagen. „Und die Leute denken, das wären meine Mitarbeiter. Dabei haben wir in Lügde gar kein Jugendamt”, sagt Reker.

Donnerstag, 04.06.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 04.06.2020, 05:03 Uhr
Heinz Reker, der parteilose Bürgermeister von Lügde, wurde schon zu Beginn des Missbrauchsfalls massiv bedroht. Foto: Althoff

Der Ausschuss möchte klären, wie es passieren konnte, dass das Jugendamt des Kreises Hameln-Pyrmont ein kleines Mädchen auf den Campingplatz „Eichwald” in Lügde zu dem alleinstehenden Andreas V. in Pflege gab. Obwohl es schon zu diesem Zeitpunkt und auch danach Hinweise darauf gab, dass er pädophil sein könnte. Doch diese Fragen wird der Ausschuss kaum klären können, weil die Sozialpädagoginnen und -Pädagogen schweigen - angeblich aus Sorge vor staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die aber längst eingestellt wurden.

Politiker ohne Verständnis für Blockadehaltung der Zeugen

Jürgen Berghahn, Landtagsabgeordneter aus Blomberg, sitzt für die SPD im Untersuchungsausschuss und sagt: „Für jemanden, der im Jugendamt arbeitet, sollte das Kindeswohl an erster Stelle stehen. Das tut es aber scheinbar nicht, wenn man nicht bereit ist, eigene Fehler zu benennen, damit andere sie in Zukunft nicht noch einmal machen.” Er habe kein Verständnis für die Blockadehaltung der Zeuginnen und Zeugen. „Sie könnten sich ja erst einmal unsere Fragen anhören und dann von Fall zu Fall entscheiden, ob sie eine Antwort für vertretbar halten.” Nur eine ehemalige Jugendamtsmitarbeiterin hat bisher vor dem Ausschuss reinen Tisch gemacht. „Sie stand zu ihren Fehlern, und das finde ich toll."

Am Mittwoch hörte der Ausschuss eine leitende Mitarbeiterin des Jobcenters Blomberg und eine Mitarbeiterin des dortigen Kinderschutzbundes. Beide Frauen erinnerten sich daran, wie eine Mitarbeiterin des Jobcenters verzweifelt versucht hatte, etwas gegen Andreas V. zu unternehmen. Der war im November 2016 mit seiner Pflegetochter, die nur ein dünnes Sommerkleid getragen hatte, bei ihr gewesen. Das Kind soll gesagt haben, dass es den Schweißgeruch stinkender Männer hasse, worauf Andreas V. geantwortet haben soll, sie solle sich nicht so anstellen: „Erst macht sie mich heiß, will kuscheln und dann doch nicht. Frauen sind komisch“. Zudem hatte er der Jobcenter-Mitarbeiterin eine „Schenkungsurkunde” über das Kind gezeigt.

Die Mitarbeiterin sei außer sich gewesen vor Sorge um das Kind, berichteten am Mittwoch ihre Vorgesetzte aus dem Jobcenter und die Kinderschutzbund-Mitarbeiterin. Aber Polizei und Jugendämter hätten nichts unternommen.

Reker verlangt, dass alles auf den Tisch kommt

Lügdes Bürgermeister Heinz Reker verfolgt die Nachrichten rund um den Ausschuss und ist mit dem bisherigen Verlauf nicht zufrieden. „Alle haben immer schonungslose Aufklärung versprochen. Und jetzt? Wer auch immer an diesem Fall beteiligt war, ist es den Opfern schuldig, dass alles auf den Tisch kommt.”

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