Zeugen des Jugendamts Hameln-Pyrmont beantworten viele Fragen nicht
Missbrauchsfall Lügde: Untersuchungsausschuss stößt an Grenze

Die Zeugenvernehmungen im Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags zum Kindesmissbrauch bringen derzeit nur noch wenige neue Erkenntnisse. Die Abgeordneten wollen wissen, wie es zu dem Horror kommen konnte. Zeuginnen vom Jugendamt Hameln-Pyrmont geben sich aber zugeknöpft.

Dienstag, 02.06.2020, 12:20 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 12:22 Uhr
Hinter einem Zaun und Polizeiabsperrband ist ein Lampion und ein Windspiel auf dem Campingplatz Eichwald zu sehen. Der Untersuchungsaussschuss des NRW-Landtags zum hundertfachen Kindesmissbrauch im lippischen Lügde hat seine Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Foto: dpa

Lügde (dpa). Der Untersuchungsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags zum jahrelangen Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde stößt zunehmend an Grenzen der Aufklärung. Bei der fast zweistündigen Zeugenvernehmung einer Mitarbeiterin des Jugendamts Hameln-Pyrmont blieben die meisten Fragen am Dienstag unbeantwortet.

Der Rechtsbeistand der Zeugin wies wiederholt darauf hin, dass der Untersuchungsausschuss des Düsseldorfer Landtags keine Kompetenzen habe, innerbehördliche Angelegenheiten in Niedersachsen zu hinterfragen. Der SPD-Abgeordnete Jürgen Berghahn warf daraufhin die Frage auf, ob angesichts dessen nicht ein Untersuchungsausschuss in Niedersachsen fällig wäre.

Zwei Jugendämter involviert

Der Untersuchungsausschuss in Düsseldorf versucht aufzuklären, wie es zu dem hundertfachen Missbrauch kommen konnte, ohne dass Behörden auf die kriminellen Vorgänge aufmerksam wurden. Im Mittelpunkt steht das Leid eines kleinen Mädchens, das als Pflegekind zu dem Pädokriminellen auf den Campingplatz gegeben worden war. Da der Mann im lippischen Lügde lebte und die Kindsmutter in Hameln-Pyrmont, waren zwei Jugendämter über die Landesgrenzen mit dem Fall beschäftigt.

In der teilweise hoch emotional geführten Zeugenbefragung beklagten Abgeordnete aller Parteien entrüstet, dass viele Fragen, die helfen sollten, ähnliche Vorfälle in Zukunft auszuschließen, nicht beantwortet worden seien. Der Ausschuss versuche zu ergründen, wer wann zuständig war, warum nicht gehandelt worden sei und wie es überhaupt möglich war, dass ein Pädophiler eine Pflegetochter bekommt, sagte der SPD-Abgeordnete Andreas Bialas.

Schon in der vergangenen Woche hatte der Ausschuss Zwangsmittel beim Oberlandesgericht Düsseldorf beantragt gegen zwei Zeuginnen, die ebenfalls beim Jugendamt Hameln-Pyrmont tätig waren und sich auf ein allumfassendes Auskunftsverweigerungsrecht beriefen.

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