Hinweise auf Misshandlung nicht verfolgt? Kreis Höxter greift ein
Neue Vorwürfe gegen Jugendamt Hameln

Höxter (WB). Das bereits in der Kritik stehende Jugendamt des Kreises Hameln-Pyrmont ist durch eine Strafanzeige des Kreisjugendamts Höxter in weitere Erklärungsnot geraten.

Samstag, 08.06.2019, 13:52 Uhr aktualisiert: 08.06.2019, 13:56 Uhr
Bei einer Schweigeaktion für die «Kinder von Lügde» stehen Kinderschuhe auf dem Boden. Foto: Christophe Gateau/dpa

Gegen drei niedersächsische Jugendamtsmitarbeiter werde nun wegen Verdachts der Fürsorgepflichtverletzung ermittelt, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Es gehe darum, ob sich die Mitarbeiter ausreichend um den Schutz mutmaßlich misshandelter Geschwister gekümmert haben.

Der Fall hat nichts mit dem Kindesmissbrauch in Lügde zu tun. Er dreht sich um eine Familie, die ursprünglich in Niedersachsen lebte und dort seit Jahren vom Jugendamt betreut wurde. Als sie in den Kreis Höxter umzog, schickte das Jugendamt Hameln-Pyrmont die umfangreiche Akte zum dortigen Jugendamt. Oberstaatsanwalt Klinge: »Darin fanden sich Hinweise, dass die Kinder in ihrem Elternhaus misshandelt wurden.«

Kreis Höxter zeigte den mutmaßlichen Täter bei der Polizei an

Der Kreis Höxter habe den Eindruck gehabt, dass die niedersächsischen Kollegen nicht genug getan hätten, um die Kinder vor weiterer Gewalt zu schützen. Der Kreis Höxter zeigte den mutmaßlichen Täter bei der Polizei an. Sprecherin Silja Polizin: »Wegen Verdachts der Kindesmisshandlung.«

Klinge sagte, die Strafanzeige sei bei der Staatsanwaltschaft Hannover gelandet. Nun wird nicht nur gegen den mutmaßlichen Täter ermittelt, sondern auch gegen die Mitarbeiter im Jugendamt Hameln-Pyrmont. Die Staatsanwaltschaft erwirkte Durchsuchungsbeschlüsse für beide Jugendämter und stellte alle Akten sicher, die diese Familie betreffen. Der Kreis Hameln-Pyrmont wollte sich am Freitag zu dem Vorwurf nicht äußern. »Von uns gibt es keine Stellungnahme«, sagte Sprecherin Sandra Lummitsch.

Jugendamt Hameln-Pyrmont steht seit dem Fall Lügde massiv in der Kritik

Oberstaatsanwalt Thomas Klinge sagte, inwieweit sich der Vorwurf erhärte, lasse sich noch nicht sagen, man warte noch auf ein Gutachten. »Es ist für Jugendämter nicht immer leicht, abzuwägen. Versucht man, die Verhältnisse in einer Familie durch enge Betreuung zu verändern, oder greift man sofort durch und nimmt die Kinder heraus?« Man müsse schließlich immer auch die Auswirkungen auf die Kinderseelen berücksichtigen. Auch Kinder, die geschlagen würden, liebten ihre Eltern.

Das Jugendamt Hameln-Pyrmont steht seit dem Fall Lügde massiv in der Kritik, weil es dem Camper Andreas V. ein Pflegetochter anvertraut hatte und Hinweisen auf eine Pädophilie nicht nachgegangen war. Eine Mitarbeiterin wurde bereits entlassen. Sie hatte eine Passage aus der Akte des Mädchens gelöscht, in der es um Hinweise auf den Pflegevater ging. Der Jugendamtsleiter wurde versetzt, weil auch er die Akte manipuliert hatte.

Im Zusammenhang mit dem Fall Lügde ermittelt die Staatsanwaltschaft Detmold ebenfalls gegen Mitarbeiter des Jugendamts Hameln-Pyrmont.

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