Kreis Hameln-Pyrmont gibt Fehler zu – Spurensicherung in Lügde
Pflegevater kooperierte nicht mit dem Jugendamt

Mittwoch, 20.02.2019, 03:00 Uhr
Kreisrätin Sabine Meißner (links), Landrat Tjark Bartels und Kreissprecherin Sandra Lummitsch informierten gestern die Presse. Foto: Althoff

Andreas V. sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft, weil er zehn Jahre lang Kinder auf dem Campingplatz »Eichwald« in Lügde missbraucht haben soll – darunter seine Pflegetochter. 31 Opfer sind bisher bekannt.

2016 hatte das Jugendamt des Kreises Hameln-Pyrmont einen Pflegevertrag mit dem Dauercamper geschlossen: Er nahm, so war es der Wunsch der überforderten Mutter, ein damals fünf Jahre altes Mädchen in Pflege und bekam dafür nach Angaben des Kreises etwa 1000 Euro im Monat.

Hinter diesen Fenstern sollen die Kinder missbraucht worden sein. Gestern war die Spurensicherung vor Ort.

Hinter diesen Fenstern sollen die Kinder missbraucht worden sein. Gestern war die Spurensicherung vor Ort. Foto: Althoff

Doch die Betreuung des Kindes klappte nicht so, wie es sich das Jugendamt vorgestellt hatte. Landrat Tjark Bartels (SPD), der volle Transparenz in diesem Fall versprochen hatte, sagte gestern: »Wir hatten einen Dienstleister beauftragt, wöchentlich nach dem Kind und dem Pflegevater zu sehen.«

Erziehungsmängel und Kritik an Wohnsituation

Dieser Träger der Familienhilfe habe »Defizite in der Erziehungskompetenz« von Andreas V. festgestellt. »Es gab Erziehungsmängel, und natürlich Kritik an der Wohnsituation auf dem Campingplatz. Aber der Pflegevater ließ sich wohl nichts sagen. Und er nahm auch nicht an allen Seminaren teil, zu denen er gehen sollte.«

Der Dienstleister habe schließlich wegen erheblicher Differenzen im April 2018 die weitere Betreuung abgelehnt und sei nicht mehr auf den Campingplatz gefahren. »Bis ein neuer Dienstleister nach den beiden sah, vergingen acht Wochen«, sagte der Landrat. Das sei definitiv zu lang gewesen. »Das hätte man anders regeln müssen.« Der Übergang der Betreuung und die Abwägung, ob man das Kind besser in eine reguläre Pflegefamilie geben sollte, seien in der Jugendamtsakte nicht gut dokumentiert worden, sagte der Landrat.

Aktenmanipulation von Mitarbeiter gemeldet

Am Freitag habe er erfahren, dass ein leitender Mitarbeiter des Jugendamts nach der Festnahme von Andreas V. im Dezember einen Vermerk zu dem Betreuungsübergang geschrieben und auf den 20. Juni vordatiert habe . »Den hat er dann in die Akte getan.« Eine unbeteiligter Leser der Akte habe den Eindruck bekommen können, dass damals alles in Ordnung gewesen sei. Der Beamte habe das Geschehen mit dem Wissen von heute so zusammengefasst, dass sich die Akte »schöner lesen ließ«, sagte der Landrat. Die Akte wurde wenige Tage später von der Staatsanwaltschaft sichergestellt und liegt seitdem in Detmold.

Tjark Bartels sagte, er rechne es dem Mitarbeiter hoch an, dass er die Aktenmanipulation am Freitag von sich aus gemeldet habe. »Trotzdem musste ich ihn freistellen, um Schaden von der Behörde abzuwenden.« Die Staatsanwaltschaft Detmold wurde über den Vorfall informiert. Doch ist fraglich, ob ein strafbares Handeln vorliegt oder nur ein Verstoß gegen Dienstvorschriften.

Gestern waren noch einmal Beamte der Ermittlungskommission »Eichwald« sowie des Landeskriminalamts auf dem Campingplatz in Lügde-Elbrinxen. Sie durchsuchten das Auto, die Wohnwagen und die Holzhütte von Andreas V. und sicherten Spuren.

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