Missbrauchsfall Lügde
Landesregierung will Schutz vor Kindesmissbrauch verbessern

Lügde/Düsseldorf (dpa). Nach dem jahrelangen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde will die NRW-Landesregierung den Schutz von Minderjährigen vor sexueller Gewalt verbessern. »Die massenhaften Straftaten müssen vollumfänglich geklärt werden«, sagte Familienminister Joachim Stamp (FDP) am Montag in Düsseldorf. »Wir müssen versuchen, dass wir so etwas Ungeheuerliches nicht mehr erleben.«

Montag, 04.02.2019, 16:15 Uhr aktualisiert: 04.02.2019, 16:24 Uhr
Blick auf den Campingplatz in Lügde. Foto: dpa

Die Landesregierung erwäge, einen Landesbeauftragten gegen sexuelle Gewalt an Kindern zu berufen und eine beratende Kommission von Kommunen und Land einzusetzen. Die Präventionsmaßnahmen für Kinder und Familien in prekären Situationen müssten neu justiert werden. Auch gesetzlich müsse klar sein, dass Kindesmissbrauch »kein Vergehen, sondern ein Verbrechen ist«.

Zwei Männer aus Nordrhein-Westfalen im Alter von 56 und 33 Jahren sollen auf dem Campingplatz nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen mindestens 29 Kinder im Wechsel gefilmt und missbraucht haben. Ein dritter Mann aus Stade soll als Auftraggeber aufgetreten sein. Schon im Jahr 2016 hatte es nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hinweise auf Kindesmissbrauch gegeben, denen die Polizei nicht nachgegangen war.

Prozess im Frühsommer?

Die Staatsanwaltschaft strebt derweil einen Prozess gegen die drei Verdächtigen im Frühsommer an. Ziel sei es, »stringent durchzuermitteln« und eine Anklage so frühzeitig fertigzustellen, dass das zuständige Gericht möglichst im Juni eine Hauptverhandlung ansetzen könne, sagte der Detmolder Oberstaatsanwalt Ralf Vetter am Montag. Das Ausmaß der Vorwürfe sei gewaltig, zudem könnten sich weitere Opfer melden. Man könne daher nicht ausschließen, dass zunächst nur ein Teil der mutmaßlichen Taten zur Anklage gebracht werde.

Die Ermittler müssen nach eigenen Angaben rund 13.000 Dateien mit Kinderpornografie auswerten. Nach der Festnahme des 33-Jährigen im Januar habe man zudem 20 Computer im Keller der elterlichen Wohnung beschlagnahmt, sagte Vetter. Auch diese Daten würden gesichtet. Die »Bild«-Zeitung hatte darüber berichtet.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach von »Behördenversagen«. Vetter zufolge wird gegen zwei Polizisten aus Lippe wegen des Verdachts der Strafvereitelung ermittelt. Sie sollen Hinweisen auf Missbrauch schon im Jahr 2016 nicht nachgegangen sein.

 

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