Missbrauchsfälle: Welche Rolle das Jugendamt Hameln-Pyrmont spielt – mit Stellungnahme zum Download
»Es ist schwer zu ertragen«

Lügde/Hameln (WB). Haben die Behörden versagt? Nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle von Lügde stehen neben der Polizei im Kreis Lippe die Jugendämter im Fokus der Ermittlungen.

Montag, 04.02.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 04.02.2019, 06:20 Uhr
Tatort: der Campingplatz in Lügde. Foto: dpa

Missbrauchsfall Lügde

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  • Frank Schäfsmeier führt den Campingplatz »Eichwald« in Lügde.

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  • In diesem Holzhaus und zwei Wohnwagen lebte Andreas V. mit seiner heute acht Jahre alten Pflegetochter.

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  • Hauptkommisar Gunnar Weiß

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  • Staatsanwältin Jaqueline Kleine-Flaßbeck

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  • Jens Ruzsitska (56) aus Bad Pyrmont informierte die Behörden schon 2016 über den mutmaßlichen Sexualstraftäter Michael V., fand aber kein Gehör.

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Mittlerweile ist die  Zahl der Missbrauchsopfer von 23 auf 29 gestiegen. NRW-  Innenminister Herbert Reul (CDU) geht davon aus, dass es noch mehr werden dürften, denn schließlich müssen die Ermittler 13.000 Dateien mit Kinderpornografie auswerten – eine Mammutaufgabe.
Ähnlich aufwendig dürfte es werden, die Rollen der beteiligten Jugendämter aufzuklären. Bereits bekannt ist, dass sich 2016 zwei Zeugen gemeldet hatten. Doch offenbar leiteten weder Polizei noch Jugendamt Lippe weitere Schritte ein.

Im Kreis Hameln-Pyrmont weist man – wie berichtet – derweil offenbar einen Teil der Schuld von sich. Das dortige Jugendamt habe zwar seit 2016 davon gewusst, dass eine Mutter aus dem Landkreis ihre Tochter in die Obhut des Haupttatverdächtigen Andreas V. (56) gegeben habe, wie es in einer Mitteilung von Freitag heißt. Zudem seien die Wohnverhältnisse »nicht optimal« gewesen. Aber das sei kein Indiz für Missbrauch, der könne in jedem Milieu stattfinden. »Entscheidend war die gute Bindung des Kindes zu dem Pflegevater, sein Einsatz für das Kind« sowie die erkennbare »Verbesserung des Entwicklungszustandes des Kindes«. Das sei auch durch Berichte der betreuenden Einrichtungen belegt worden.

Sätze, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten

In der Mitteilung heißt es weiter: »Heute wissen wir, dass diese Fassade zur bewussten Manipulation gehörte. Es ist schwer zu ertragen, dass wir sie nicht früher einreißen konnten.« Sätze, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Schließlich soll das von Andreas V. betreute Mädchen damals bei einem Termin im Jobcenter Lippe gesagt haben: »Ich hasse Männer. Männer stinken nach Schweiß.« Daraufhin soll der Hauptbeschuldigte V. gesagt haben: »Frauen sind manchmal schwierig. Aber für Süßigkeiten tut sie alles.« Aus heutiger Sicht ein tiefer Blick hinter die Fassade. Gab es weitere Momente, in denen Behörden- und Verwaltungsmitarbeiter hätten reagieren müssen?

»So absurd es klingen mag, wünschten wir fast, es gäbe ein klar benennbares Verschulden. Ob nun bei der einen oder anderen Behörde«, lässt sich Landrat Tjark Bartels (SPD) in der Mitteilung des Landkreises Hameln-Pyrmont zitieren. »Dann hätten wir einen Ansatz in der Arbeit und wüssten, welchen Fehler es zu vermeiden gilt.« So bleibe das beklemmende Gefühl, dass es wieder passieren könne, »wenn wir nicht an anderer Stelle ansetzen«. Bartels regt an, ein Vorwarnsystem in Kindergärten und Grundschulen einzurichten.

Beratungstelefon für Eltern, Familien und pädagogische Fachkräfte

Derweil erklärte Lippes Landrat Axel Lehmann (SPD) am Freitag, dass Opfer durch Hilfs- und Beratungsangebote unterstützt werden müssten. Der Kreis Lippe biete deshalb ein Beratungstelefon für Eltern, Familien und pädagogische Fachkräfte für Fragen um die aktuellen Missbrauchsfälle und sexualisierte Gewalt an: 05231/621633 (Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr).

Sowohl der Kreis Lippe als auch der Kreis Hameln-Pyrmont betonen, dass sie mit den zuständigen Ermittlungsbehörden kooperieren wollen.

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