Reul zum Missbrauchsfall Lügde: »Das ist Behördenversagen an allen Ecken und Kanten«
Innenminister rechnet mit noch mehr Opfern

Köln/Lügde/Detmold (dpa). Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) rechnet damit, dass die Zahl der Opfer des jahrelangen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde (Kreis Lippe) noch steigt. »Bisher haben wir 29 Opfer, und die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass das mehr sein werden«, sagte Reul am Sonntag im Deutschlandfunk.

Sonntag, 03.02.2019, 12:57 Uhr aktualisiert: 03.02.2019, 13:32 Uhr
Blick auf das Gelände auf dem Campingplatz Eichwald, wo der Haupttatverdächtige lebte. Foto: Christian Althoff

Die Ermittler müssten 13.000 Dateien mit Kinderpornografie auswerten. Das Landeskriminalamt NRW helfe dabei mit.

Ein Mann aus Lügde (56) und ein Mann Steinheim (33) sollen auf dem Campingplatz Kinder im Wechsel gefilmt und missbraucht haben. Ein dritter Mann aus Stade in Niedersachsen soll als Auftraggeber aufgetreten sein.

NRW-Innenminister Herbert Reul.

NRW-Innenminister Herbert Reul. Foto: Lisa Ducret/dpa

Reul räumte schwere Fehler der Polizei in dem Fall ein. »Das ist Behördenversagen an allen Ecken und Kanten«, sagte er. Deswegen sei auch gegen Polizisten Strafanzeige gestellt worden, die im Jahr 2016 Hinweisen nicht nachgegangen seien. »Wir prüfen jetzt ganz genau, woran das gelegen hat, um daraus auch Konsequenzen zu ziehen«, sagte der Innenminister.

Nach Angaben der ermittelnden Detmolder Staatsanwaltschaft hatten sich 2016 zwei Zeugen, ein Familienvater aus Blomberg und eine Mitarbeiterin des Jobcenters Blomberg, gemeldet. Die Polizei habe deren Hinweise auf einen möglichen sexuellen Missbrauch eines Pflegekindes durch den Hauptbeschuldigten an das Jugendamt Lippe weitergeleitet. Polizeiliche Ermittlungen habe es aber nicht gegeben.

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