Drei Staatsanwälte übernehmen nun die Ermittlungen – mit Video
Missbrauchsfall Lügde: Bielefelder Polizei ermittelt jetzt gegen Kollegen

Lügde/Bielefeld (WB). Missbrauch von mindestens 23 Kindern auf einem Campingplatz in Lügde: Polizisten aus Lippe sollen zwei Hinweisen auf den Hauptverdächtigen 2016 nicht nachgegangen sein. Gegen sie wird deshalb jetzt ermittelt.

Freitag, 01.02.2019, 10:30 Uhr aktualisiert: 01.02.2019, 13:20 Uhr
Im Fall Lügde wird auch gegen Polizisten ermittelt. Foto: Christian Althoff

Das Polizeipräsidium Bielefeld hat diese Ermittlungen gegen die Kollegen übernommen. Insgesamt arbeiten nun drei Staatsanwälte an dem Fall. Eine Staatsanwältin führt weiterhin die Ermittlungen gegen die drei Männer, die Kinder tausendfach sexuell missbraucht haben sollen, ein Oberstaatsanwalt übernimmt die Ermittlungen gegen die Jugendämter und eine weitere Staatsanwältin soll die Ermittlungen gegen Polizeibeamte leiten, die im Verdacht stehen Hinweise nicht weitergeleitet zu haben. Auch gegen Mitarbeiter der Jugendämter Lippe und Hameln-Pyrmont werden Ermittlungen angestellt.

Ein Familienvater aus Bad Pyrmont hatte der Polizei Blomberg im August 2016 telefonisch von Übergriffen des Mannes auf seine Töchter berichtet. Drei Monate später äußerte eine Mitarbeiterin des Jobcenters Blomberg ebenfalls einen Verdacht und informierte die Polizei. Sie befürchtete, der Mann missbrauche seine Pflegetochter.

Nach dem derzeitigen Kenntnisstand der Staatsanwaltschaft Detmold sollen die Polizisten in beiden Fällen lediglich die Jugendämter Detmold und Hameln-Pyrmont informiert, aber keine eigenen Ermittlungen geführt haben. »Deshalb prüfen wir jetzt, ob die Polizei nicht weitere Schritte hätte einleiten müssen«, sagt Oberstaatsanwalt Ralf Vetter. Es steht allerdings außer Frage, dass die Polizei, wenn sie das denn getan hat, Ermittlungen niemals an das Jugendamt hätte abgeben und sich auf dessen Urteil hätte verlassen dürfen. Die Beamten sollen die Akten geschlossen haben, ohne die Staatsanwaltschaft zu informieren.

 

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